Eine Bilderreise an der Saar: Vom Donon bis Sarralbe

Die Saar – Bilder eines Flusses : Bilder der Saar: Vom Donon bis Sarralbe

In den bisherigen Teilen der Serie über die Saar haben wir die Historie des Flusses erzählt. Im zweiten Teil zeigen wir die Saar im Hier und Jetzt. In Form einer Bilderreise. Heute: von den Quellen am Donon bis nach Sarralbe.

Einsam steht der Donon in den Nordvogesen. Solitär breitet sich der massive Berg auf der Gemarkung der Gemeinde Grandfontaine aus. 1009 Meter ist er hoch. Sagenumwoben, mythisch. Bereits die Kelten ehren ihn, die Römer finden ihn anziehend, bauen Tempel auf seinem Gipfel. Die Bauten stehen schon lange nicht mehr. Der Tempel, der jetzt auf dem Gipfel thront, ist jedoch ein vergleichbar junger. Auf alt getrimmt. Die Franzosen haben ihn Mitte des 19. Jahrhunderts im neoklassischen Stil errichtet. Eine freie Rekonstruktion eines Römertempels  aus dem Jahre 1869. Nicht mehr und nicht weniger.

Steht der geneigte Wanderer dort oben, hat er bei gutem Wetter einen Blick über Straßburg hinweg bis hin zum Schwarzwald, zu den Hochvogesen und weit nach Lothringen hinein. Gelegentlich reicht seine Fernsicht bis zu den Alpen und – natürlich – ins Saarland. Schließlich ist der Donon der Ausgangspunkt unserer Bilderreise entlang der Saar. Von den Quellen bis zur Mündung. Vom Donon bis Konz.

Die zwei Saar-Quellen liegen etwa einen Kilometer auseinander. Am Nordwesthang des Donon. Die Rote Saar (Sarre Rouge) und die Weiße Saar (Sarre Blanche). Während die Quelle der Roten Saar auf etwa 785 Metern an einem breiten Waldwirtschaftsweg und an einem Soldatenfriedhof liegt, ist die der weißen Saar nur schwer zugänglich. Auf etwa 710 Meter Höhe nahe der Straße D993 von Cirey nach Grandfontaine. Sie liegt „in einem unzugänglichen, verwilderten Wald“; wie SZ-Artdirektor Robby Lorenz berichtet. Er ist die Saar hoch und runtergefahren, gewandert, geradelt und hat sie fotografiert. Um sie so zu zeigen, wie sie ist. Im Hier und Jetzt. Dabei ist die Rote Saar zu Beginn tatsächlich rot, weil sie durch Buntsandsteingebiete fließt. Die weiße nicht. Sie mäandert parallel der D993, an Riccardville durch Granit: Ganz in ihrer Nähe Saint Quirin – das mal zum schönsten Dorf Frankreichs gewählt wurde. Die zwei Quellbäche sollen sich in erst in etwas mehr als 20 Kilometern zur Saar vereinen. Da hat sie bereits 400 Meter Höhe hinter sich gelassen. Auf ihren restlichen
120 Kilometern soll sie nur noch 130 Meter Gefälle wettmachen.

Die Rote Saar fließt entlang der D44 durch die Wälder bei Abreschviller. Dort gibt es alte und neue Sägemühlen, die seit Jahrhunderten das Vogesenholz zurechtsägen. In der Nähe ist ein altes Sägewerk für Besucher hergerichtet. In Grand Soldat steht es und informiert über alte Holzbearbeitungstechniken. Früher gab es in Abreschviller noch Glas- und Eisenhütten und eine 70-Zentimer-Schmalspurbahn, die das Holz zur Saar brachte, um es von dort zu flößen. Heute transportiert die Dampfeisenbahn Touristen. Bei Nitting fließt die Rote Saar durch Felder und Wiesen und speist den Canal d’Alimentation, der den Rhein-Marne-Kanal mit Wasser versorgt, wenn es im Sommer eng wird. Das Schiffshebewerk von Saint-Louis Arzviller am Kanal ist nicht weit und einen Besuch wert.

Etwas schwer zugänglich ist der Zusammenfluss der Roten und der Weißen Saar zwischen Nitting und Hermelange. Von da an ist es nicht mehr weit bis Sarrebourg, der erste Stadt an der noch jungen Saar. Sie strotzt vor Geschichte. Kelten, Römer – alle waren bereits da. Besonders sehenswert: das Chorfenster in der „Chapelle des Cordeliers“. Marc Chagall hat dieses zwölf Meter hohe Kirchenfenster gestaltet. Daran angeschlossen ein Museum. In der Nähe fließt der Saarkohlenkanal vom Rhein-Marne-Kanal kommend  Sarreguemines entgegen. Über an einen Damm am Stockweiher, am L’étang du stock. Dort liegt bei Rhôdes der Tierpark Sainte-Croix. Wölfe gibt es dort nicht nur zu sehen, man kann auch neben ihnen übernachten.

Hinter Sarrebourg fließt die Saar durch das Dorf Hof, durch breite Tal-Auen, sie mäandert pittoresk durch Wiesen, an Wegkreuzen vorbei, an Scheunen, Höfen, Sägemühlen, Feldern, an Sarraltroff vorbei, an Gosseliming, Berthelming und Romelfing nach Fénétrange hinein. Finstingen – wie es auf Deutsch heißt – hat sich seinen mittelalterlichen Kern bewahrt. Die Burg aus dem 14. Jahrhundert haben die Menschen im 16. und im 17. Jahrhundert nach ihrer Zerstörung wieder aufgebaut und in ein „Schloss“ umgewandelt. Oder die hochgotische Stiftskirche Saint-Remy. Der Mittersheimer Weiher ist nicht weit und bei Saarländern als Ausflugsziel beliebt. Auch er liegt am Saarkohlenkanal. Die Natursaar fließt aus Fénétrange heraus Richtung Sarralbe. Dazwischen reihen sich wieder Dörfer als Teil des so genannten krummen Elsass. Niederstinzel ist von Fénétrange kommend der letzte Ort auf (alt-)lothringischem Gebiet. Dominiert wird die 262-Seelen-Gemeinde am linken Saarufer von der Burgruine Geroldseck. Danach fließt die Saar nach Wolfskirchen und Diedendorf, die beide im krummen Elsass liegen. Genau wie Bischtroff, das bereits zu Sarrewerden zählt.

Immer wieder säumen Mühlen die Saar (siehe Serienteil 8). Auch in der Hauptstadt des krummen Elsass, in Sarre-Union – oder in Harskirchen. Dort sind Barock-Spuren des Baumeisters Friedrich-Joachim Stengel allgegenwärtig (Serienteil neun). In Harskirchen hat er eine Barockkirche hinterlassen. In Sarre-Union findet sich heute ein Museum, das sich mit der Geschichte des krummen Elsass beschäftigt.

Die Saar fließt weiter nach Keskastel. Mäandert wieder schön durch die Landschaft, einen Campingplatz mit Badesee (Les Sapins) lässt sie hinter sich. Und fließt Richtung Sarralbe. In der Kleinstadt fließt die Albe in sie hinein, doppelt ihre Wassermenge nahezu auf. Der Saarkanal überquert dort die Albe in einer Kanalbrücke. Salz war lange Jahre das Lebenselixier der Stadt, die im Zweiten Weltkrieg als Teil der Maginotlinie zerbombt wurde.

Alle Teile der Serie:
1. Wenn Nashörner und Kelten aus der Saar trinken 2. Die Römerstraßen bringen Gedeih und Verderb 3. Liutwins Wunder an der fränkischen Saar 4. Burgen und Klöster wachsen am Saarufer 5. Als Elisabeth Saar-Frösche vertreiben lässt 6. Die Stadt des Sonnenkönigs wächst an der blutigen Saar 7. Der Barock-Style am Saarufer 8. Die Mühlen an der Saar 9. La Révolution au bord de la Sarre 10. Die Industrie frisst das Saarufer I 11. Der Saarkohlenkanal 12. Die Industrie frisst das Saarufer II 13. Zwei Weltkriege verwüsten das Saartal 14. Die Saar im Sterbebett 15. Planspiele mit der Saar 16. Der Ausbau der Saar – Episode I 17. Der Ausbau der Saar – Episode II 18. Die Fischer der Saar. 19. und 20. Von den Quellen bis zur saarländischen Grenze – eine Fotoreise 21. und 22. Durch das Saarland – eine Fotoreise 23. Von der saarländischen Grenze bis zur Mündung – eine Fotoreise

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