| 20:18 Uhr

Maus-Mus am Morgen, Probleme und Sorgen
Mein Computer ist monogam und will’s auf Englisch

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Es ist kein gutes Omen für den Tag, wenn eine tote Maus den Morgen vermiest und der Büro-Computer beleidigt ist. Von Marco Reuther

Ich hätte es wissen müssen. Wirklich. Spätestens, als mir mein intelligenzabstinenter Kater am Morgen eine halb verdaute Maus vor die Füße und übers Laptop-Kabel spuckte, hätte ich es wissen müssen: Bleib heute lieber zu Hause! Mein Hausarzt ist ein alter Schulfreund, vielleicht hätte der mir ja ‘nen Gelben geschrieben: „Kann nicht kommen wegen chronischer Faxenverdickung“, oder so.


Als ich dann im Büro den Computer hochfuhr, die zweite Warnung, die ich aber – in Gedanken noch beim Mäuseklein – übersehen habe: Wo auf dem Bildschirm eigentlich das Symbol von „Firefox“ erscheinen müsste, stand nun, aus unerfindlichen Gründen, das Zeichen von Google Chrome – beides sind sogenannte Browser, also die grundlegenden Computerprogramme, die es überhaupt erst ermöglichen, über Internetverbindungen Seiten aufzurufen und zu arbeiten. Nun wäre es mir persönlich vollkommen Wurst, ob ich mit Firefox oder Chrome arbeite – nur leider ist da unser Computerprogramm etwas eigen, sprich: vollkommen monogam. Chrome verursacht bei ihm Schluckauf, wie einer Katze, die eine Maus …, nun ja. Der Computer lief jetzt nicht nur ultralangsam, sondern stellte mir auch noch auf Englisch die Frage, ob ich die Texte als englische Übersetzung wünsche. Jetzt halte ich ja mein Englisch für einigermaßen passabel, habe die Frage aber irgendwie missverstanden und falsch geklickt, mit dem Resultat, dass alle bei mit einlaufenden Texte vom Google-Übersetzer ins Englische übertragen worden waren. Und da ich so eine dunkle Ahnung habe, dass unsere Leser lieber deutsche Texte lesen wollen, begann nun die verzweifelte Suche, wie man den Übersetzer wieder abstellt – was dann etwa viermal so lange dauerte, wie am Morgen das Beseitigen der Mäusereste.

Irgendwann war’s dann geschafft, was aber offenbar unser Korrekturprogramm beleidigt hatte; es war jedenfalls eingeschnappt und bestand darauf, dass jedes einzelne Wort – weil jetzt deutsch und nicht mehr englisch geschrieben – falsch sei, weshalb es auch jedes Wort wie mit einem in den letzten Zuckungen liegenden Mäuseschwanz rot unterschlängelte und durch die Dauerkontrolle den Computer noch weiter verlangsamte.



Glücklicherweise meldete sich dann die angeforderte Unterstützung unserer Technik-Hotline, und dem freundlichen Mitarbeiter war auch schnell klar, dass Google-Chrome meinen Firefox gefressen hatte … Schließlich lief das System wieder, und dass im Laufe des Tages auch die Tastatur nachzog und auf die englische Typen-Belegung umschaltete, war dann vergleichsweise einfach zu beheben, so dass die Zeitung für das Köllertal doch noch erscheinen konnte – und das sogar auf Deutsch!

Und die Moral von der Geschicht‘? – Kotzt dein Kater eine Maus, dann bleib doch lieber gleich zu Haus.