Suche nach der Balance: Das Duo Krijgh-Amara gastierte in Homburg

Suche nach der Balance: Das Duo Krijgh-Amara gastierte in Homburg

Die Niederländerin Harriet Krijgh ist eine der gefragtesten jungen Cellistinnen der Gegenwart. Am Donnerstag gab sie zusammen mit der russischen Pianistin Magda Amara ein Gastspiel in Homburg – ein alles in allem gelungener Abend, auch wenn die Balance des Duos nicht immer stimmte.

"Meister von Morgen" waren am Donnerstag im Homburger Kulturzentrum Saalbau zum Meisterkonzert angesagt: Die holländische Cellistin Harriet Krijgh, 23 Jahre jung, nahm vom ersten Bogenstrich an gefangen. In natürlicher Bühnenpräsenz entlockte sie ihrem sonoren Maggini-Cello von 1620 eine Vielfalt an Farben, dynamischen Schattierungen, getragen von einer perfekten Technik und eindringlichen Musikalität. Ihr zur Seite arbeitete die Russin Magda Amara zuverlässig am Klavier, mit feinem Anschlag und spürbarer Zurückhaltung. Sie überließ in Beethovens Variationen über das Zauberflöten-Thema "Bei Männern, welche Liebe fühlen" meist dem Cello den Vortritt, was dem Gleichgewicht beider Parts eher abträglich war.

Bei der e-moll-Sonate von Johannes Brahms musste das als Defizit empfunden werden, denn intensives, hörbares Rauschen im Klaviersaiten-Wald gehört nun mal zur Brahmsschen Diktion. So verschlankt wurde die Dominanz des Cello-Parts zwar zur Demonstration perfekten Cello-Spiels, eine Duo-Situation wollte sich aber nicht durchgängig einstellen. Erst in der Sonate von Sergej Rachmaninow gelang die stimmige Balance. Wie anders auch kann man dem vollgriffigen Klaviersatz beikommen als mit dynamischer Präsenz und richtigem "Hinlangen". Liebliche Melodien, düstere Ausbrüche, das Changieren zwischen lichten und dunklen Momenten und mitreißende Themen, eingebettet in wogende Klavierharmonien wurden von den beiden in virtuoser Manier und ausbalancierter Gemeinsamkeit musiziert.

Die beiden "Meister" sind längst im "Heute" angekommen und so mancher durch die Medien getriebene "Alt-Star" könnte da nachdenklich werden. Nach aufwühlender Expression ging es dann zurück zur Natur: "El cant dels ocells - Gesang der Vögel", ein katalanisches Volkslied, das Pablo Casals immer als Zugabe und Protest gegen das Franco-Regime spielte.