Studie: Reguläre Jobs sind der Regelfall

Studie: Reguläre Jobs sind der Regelfall

Berlin. Niedriglohnsektor, Leiharbeit und befristete Beschäftigung - die Arbeitswelt hat sich dramatisch verändert. Trotzdem ist das Normalarbeitsverhältnis, also eine unbefristete Vollzeitstelle, immer noch die Regel. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg hervor

Berlin. Niedriglohnsektor, Leiharbeit und befristete Beschäftigung - die Arbeitswelt hat sich dramatisch verändert. Trotzdem ist das Normalarbeitsverhältnis, also eine unbefristete Vollzeitstelle, immer noch die Regel. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg hervor. Nachfolgend die wichtigsten Ergebnisse:Wie ist der Arbeitsmarkt strukturiert?

Der Arbeitsmarkt ist eine Drei-Klassen-Gesellschaft. Zu den Privilegierten zählen die Festangestellten in Vollzeit. Das sind etwa 60 Prozent aller Beschäftigten; vor 15 Jahren waren es noch rund zwei Drittel. Weitere 30 Prozent arbeiten in Teilzeit. Jeder Fünfte davon tut das laut IAB aber unfreiwillig, etwa weil kein Vollzeitjob zur Verfügung steht oder ein fehlender Kita-Platz keinen Ganztags-Job zulässt. Der Rest sind Selbstständige, vor allem Ein-Mann-Unternehmen, sowie Leiharbeiter.

Wie steht es um die Beschäftigungsdauer?

Erstaunlicherweise ist die durchschnittliche Beschäftigungsdauer mit 10,8 Jahren in einem Betrieb seit 1992 nahezu unverändert geblieben. Jedoch wächst die Zahl der befristeten Jobs. Inzwischen fällt darunter fast jede zweite Neueinstellung. Vor zehn Jahren war es noch weniger als jede dritte. Heute gibt es 2,7 Millionen befristet Beschäftigte. Das sind rund eine Million mehr als Mitte der 90er Jahre. Die Zahl der Teilzeitbeschäftigten hat sich seit 1995 auf 8,7 Millionen verdoppelt. Die Zahl der Leiharbeiter hat sich seitdem auf fast eine Million verfünffacht.

Wie ist die Lage in der Leiharbeit?

Mehr als die Hälfte aller Beschäftigungsverhältnisse endet innerhalb von drei Monaten. Nur etwa jeder zehnte Beschäftigte kommt über Leiharbeit zu einem regulären Job. Im Schnitt liegt der Lohn um 20 Prozent unter dem Salär vergleichbarer Stammbeschäftigter. Entsprechend benachteiligt fühlen sich die Betroffenen auch in der Gesellschaft. Die Chance, in eine unbefristete Beschäftigung zu wechseln, steigt mit zunehmendem Qualifikationsniveau. In der Leiharbeit herrschen aber geringe Bildungsabschlüsse vor.

Wird das Normalarbeitsverhältnis zum Auslaufmodell?

Nein, sagt IAB-Vizedirektor Ulrich Walwei und führt drei Gründe ins Feld: Zum Einen hat sich auch der unbefristete Vollzeitjob gewandelt. Tarifverträge enthalten zunehmend flexible Arbeitszeit- und Lohn-Regelungen, um dem Auf und Ab der Konjunktur gerecht zu werden. Zweitens wird der Fachkräftemangel dazu führen, dass zumindest qualifizierte Arbeitskräfte von den Firmen stärker umworben werden. Zum Dritten kann auch die Politik den Arbeitsmarkt beeinflussen, zum Beispiel durch den Aufbau einer umfassenden Kinderbetreuung.