Studie: Mindestlohn kein Mittel gegen Armut

Studie: Mindestlohn kein Mittel gegen Armut

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rät von einem gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro ab. Diese von SPD und Grünen angestrebte Höhe des Bruttostundenlohns könnte Arbeitsplätze gefährden, sagte gestern DIW-Arbeitsmarktexperte Karl Brenke.

Ein bundesweit einheitlicher Mindestlohn sei zwar geeignet, Lohnunterschiede zu verringern. Er sei aber kaum in der Lage, Armut in Deutschland abzubauen, weil die betroffenen Haushalte trotz Mindestlohn netto oft nicht mehr in der Tasche hätten. Auch die Zahl der "Aufstocker", die außer ihrem Arbeitseinkommen die Sozialleistung Hartz IV vom Staat bekommen, werde nicht wesentlich kleiner. Schließlich sei kein spürbarer Kaufkraftschub zu erwarten.

Bei Einführung eines Mindestlohns von 8,50 Euro erhielten nach Berechnung des DIW 5,6 Millionen Menschen eine Lohnerhöhung, das wären 17 Prozent aller abhängig Beschäftigten. Deren Bruttostundenlöhne würden um durchschnittlich mehr als 35 Prozent steigen.

Für Brenke wäre die Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns ein "Feldexperiment", bei dem man vorsichtig agieren sollte. "Ein Mindestlohn von 8,50 Euro wäre schon eine zu starke Dosis." Man sollte eher mit sieben Euro beginnen und, sofern es damit keine Probleme gebe, den Mindestlohn langsam anheben. Brenke plädierte zugleich für eine Differenzierung etwa nach Alter, Qualifizierung oder Region.