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Studie: Ältere gehören zu den Verlierern am Arbeitsmarkt

Berlin. Die Zahl der erwerbslosen Hartz-IV-Empfänger über 55 Jahre ist deutlich angestiegen. Das geht aus einer BA-Übersicht hervor. Und das, obwohl Ältere länger Arbeitslosengeld I beziehen. Stefan Vetter

Ältere Erwerbslose zählen trotz der anhaltend guten wirtschaftlichen Lage in Deutschland offenbar immer stärker zu den Verlierern am Arbeitsmarkt . So ist die Zahl der erwerbslosen Hartz-IV-Empfänger über 55 Jahre seit 2010 deutlich gestiegen. Waren damals noch knapp 257 000 Personen in dieser Altersgruppe auf staatliche Grundsicherung angewiesen, so sind es im vergangenen Jahr fast 318 000 gewesen. Das entspricht einem Zuwachs von rund 24 Prozent.

Nach einer Datenübersicht der Bundesagentur für Arbeit (BA), die von der Bundestagsabgeordneten der Linken, Sabine Zimmermann , abgefragt wurde, hat sich dieser Trend auch im direkten Vorjahresvergleich fortgesetzt. So ist die Zahl der arbeitslosen Hartz-IV-Bezieher über 55 seit dem Februar 2014 um 10 252 auf 331 709 im vergangenen Monat gestiegen. Dagegen hat sich die Zahl aller Erwerbslosen im Hartz-IV-System seit 2010 deutlich um etwa neun Prozent auf 1,97 Millionen reduziert.

Ursache dieser gegenläufigen Entwicklung ist offenbar die Tatsache, dass es besonders älteren Arbeitssuchenden, die länger ohne festen Job waren, immer weniger gelingt, eine neue Anstellung zu finden. Nach den geltenden Bestimmungen haben über 55-Jährige grundsätzlich 18 Monate lang Anspruch auf Arbeitslosengeld I, bevor sie in die staatliche Grundsicherung rutschen können. Bei den Arbeitslosen über 58 Jahre gibt es das Arbeitslosengeld I in der Regel für 24 Monate. Ältere Bezieher von Hartz IV sind demnach also schon mindestens eineinhalb Jahre lang ohne festen Arbeitsplatz, viele von ihnen auch zwei Jahre und länger. Gemessen an allen Arbeitslosen über 55 Jahre, darunter auch jenen, die Arbeitslosengeld I erhalten, sind die von Hartz IV Betroffenen mit 54,4 Prozent inzwischen sogar in der Mehrheit. Vor fünf Jahren lag ihr Anteil noch bei 48,3 Prozent.

Zwar sind Ende 2007 mehrere vorruhestandsähnliche Regelungen für ältere Erwerbslose ausgelaufen, aufgrund derer über 58-Jährige nicht als Arbeitslose gezählt wurden. Im Gegenzug wurde jedoch eine Sonderregelung zur statistischen Erfassung der Hartz-IV-Betroffenen geschaffen, die das wahre Ausmaß der Langzeitarbeitslosigkeit Älterer eher beschönigt. So werden Empfänger von Grundsicherung über 58 Jahre nicht mehr als arbeitslos gezählt, wenn ihnen vom Jobcenter ein Jahr lang kein Arbeitsangebot unterbreitet wurde. Aktuell sind das 165 677 Personen. Außerdem sind Bezieher von Hartz IV ab dem 63. Lebensjahr gesetzlich verpflichtet, einen Rentenantrag zu stellen, was die Arbeitslosenstatistik ebenfalls "entlastet". "Weder bei den Arbeitgebern hat ein Umdenken stattgefunden, auch Älteren verstärkt eine Chance zu geben, noch bei der Bundesregierung, die die Beschäftigungssituation von Älteren schönredet", kritisierte die Linken-Politikerin. Anstatt die Förderpolitik der Jobcenter verstärkt auf diese Gruppe auszurichten und dafür mehr Geld zur Verfügung zu stellen, würden sie aufs Abstellgleis geschoben, meinte Zimmermann.

Zuletzt hatte die Bundesregierung die Ausgaben für die Eingliederung in Arbeit auf 3,9 Milliarden Euro zusammengestrichen. Im Jahr 2010 waren dafür noch 6,6 Milliarden Euro eingeplant gewesen.