Stress: Arbeitskammer beklagt Missstände in Betrieben

Stress: Arbeitskammer beklagt Missstände in Betrieben

Arbeits- und Gesundheitsschutz, Förderung älterer Mitarbeiter, Stress und Zeitdruck – das Betriebsbarometer der Arbeitskammer zeigt, dass in Unternehmen viel im Argen liegt.

"Ohne zufriedene Arbeitnehmer gibt es keine Innovation und auch keinen wirtschaftlichen Fortschritt." Mit dieser Aussage beschreibt Arbeitskammer-Chef Hans Peter Kurtz sein Unverständnis über die häufig immer noch fehlende Arbeitnehmerorientierung in den Betrieben. Denn das aktuelle Betriebsbarometer der Arbeitskammer zeigt, dass viele Firmen Maßnahmen wie Gefährdungsschutz, altersgerechtes Arbeiten, aber auch das Einhalten tariflicher Arbeitszeiten nicht umsetzen. Im Rahmen der Umfrage sind 236 Fragebögen von Arbeitnehmervertretern ausgewertet werden, die für insgesamt 108 517 Arbeitnehmer stehen.

Verschiedene Kritikpunkte listet das Barometer auf: Mehr als drei Viertel aller Arbeitnehmer leiden demnach unter Zeitdruck und Stress . Fast 70 Prozent klagen über Leistungsdruck, knapp die Hälfte nennt emotionale Belastungen durch Vorgesetzte. Überhaupt spielen psychische Belastungen der Mitarbeiter beim Arbeits- und Gesundheitsschutz aus Sicht der Arbeitnehmer eine zu geringe Rolle. Bei mehr als der Hälfte der Befragten kümmern sich die Betriebe nicht um das Thema. Körperlicher Arbeitsschutz dagegen ist aus Sicht von vier Fünfteln der Arbeitnehmer in ihren Betrieben als wichtig erkannt worden.

Angesichts des demografischen Wandels beklagt Kurtz, dass die Gesellschaft diesen zwar thematisiert, die Betriebe sich aber noch nicht ausreichend darauf einstellen - und das, obwohl jeder dritte Beschäftigte im Saarland über 50 Jahre alt ist. So gebe es bei 63 Prozent der Befragten keine Weiterbildungsangebote für Ältere, eine altersgerechte Laufbahngestaltung ist bei 72 Prozent kein Thema. Und altersgerechte Arbeitsplätze seien Mangelware: Fast die Hälfte antwortete, dass dies in ihrer Firma keine Bedeutung habe. "Die Unternehmen tun wenig dafür, dass ihre Mitarbeiter gesund bis 67 in der Firma bleiben können", sagt Kurtz.

Da aber die Führungskräfte in jedem dritten Unternehmen in ihrer Führungskompetenz als schlecht oder sehr schlecht bewertet werden, geht der Arbeitskammer-Chef davon aus, dass Verbesserungen noch lange auf sich warten lassen werden.

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