Stimmen unterm Dach

Stimmen unterm Dach

Am 29. Mai führt das Saarbrücker Vokalensemble 83 Händels „Messias“ auf, mit Solisten und Musikern des Kaiserslauterer Theaterorchesters. Mit dem Konzert im Rahmen der Musikfestspiele Saar feiert der Chor auch seinen 30. Geburtstag.

Der Organist ist der Musiker, den man nicht sieht. Versteckt in seinem Schwalbennest irgendwo oben in der Kirche. Beim Chor Vokalensemble 83 kann man Bernhard Leonardy nun in voller Strahlkraft bewundern. Im Berufsleben ist er Kantor an der Basilika St. Johann, als Chorleiter ein Rattenfänger, dem es trotz Fluktuation bei den Mitgliedern gelingt, immer wieder auf hohem Niveau Oratorien und anderes auf die Bühne zu bringen. Etwa 1000 Namen habe man in den 30 Jahren seit der Gründung im Chor begrüßt, momentan sind es zehn Beständige und Neuzugänge. Ein Vorsingen gibt es nicht, wer musikalisches Temperament mitbringt, entwickelt sich schnell neben denen, die gesanglich schon weiter sind.

Das Vokalensemble 83 ist kein "Telefonchor", der für einzelne Projekte zusammengerufen wird, man trifft sich jeden Mittwochabend. Ausdauer braucht es auch, um über unzählige Stufen den Proberaum unterm Dach der Gerberschule an der Basilika zu erklimmen. Dort steht Leonardy im fahlen Neonlicht vor einer froh gestimmten Truppe, schüttelt die Mähne, hüpft, tanzt, trommelt, erklärt, singt und greift auch mal zum Becher mit Stiften, um wie mit einer Rassel den Rhythmus hörbar zu machen.

Wenn das Gotteslob "Halleluja" in Händels "Messias" auch nur so lange dauert, "wie ein Ei kocht" - man muss hören, worum es geht. Der "König der Ehren" zieht ein, nicht irgendwer. Leonardy sagt Dinge wie "Diese kleinen Einwürfe sind wie Feuerzungen des Heiligen Geistes", um im nächsten Moment gutmütig kleine Unebenheiten im Klangbild dem natürlichen Werdegang anzuvertrauen. Der Glaube helfe weniger durch das Wissen um Passion oder Auferstehung als vielmehr durch das "eigene Innesein". Gerade in der geistlichen Musik gebe es Momente, "in denen jeder spürt, es gibt was zwischen Himmel und Erde, das man nicht greifen kann", Werke, die "irgendwo geschenkt" sind, solche von denen kaum vorstellbar ist, dass irgendwer sie in 14 Tagen komponiert hat.

Leonardy ist Kirchenmusiker, hat sein grundlegendes Verständnis für die Dramaturgie von Kompositionen durch langjähriges Studium untermauert. Er weiß "wo die Linie hingeht, welche Schwerpunkte der Komponist gesetzt hat". Auch als Chordirigent kommt er vom Instrument, er führe die Stimme wie ein Instrument. Ein (musikalisches) Thema werde ins Publikum geworfen und in all seinen Schattierungen durchdiskutiert. "Wie man das macht, ist im Prinzip im Chorstück gleich wie im Orgelstück." Das musikalische Denken auf den gesamten Apparat zu übertragen, sei Aufgabe des Dirigenten vorm Orchester oder des Chorleiters, so wie Leonardy ihn verkörpert. Da bekommt dann die barocke D-Dur Komposition den "speziellen goldenen Glanz", während C-Dur silbrig, verhaltener klinge, und A-Moll "nicht so traurig wie Fis-Moll". Am 29. Mai geben Vokalensemble 83, Solisten und Musiker des Kaiserslauterer Theaterorchesters Händels Messias in der Fassung von Mozart um 20 Uhr in der Basilika St. Johann. Der Wiener Klassiker hatte den Messias 1789 für eine Aufführung unter seiner Leitung modernisiert. Dieses Konzert ist Teil der von Vater Robert Leonardy veranstalteten Musikfestspiele Saar.

musikfestspielesaar.de