Stahlindustrie sucht Wege aus der Krise

Stahlindustrie sucht Wege aus der Krise

Die deutsche Stahlindustrie will die Forschung vorantreiben. Neue Stahlsorten und Produktionsverfahren sollen einen Wettbewerbsvorsprung sichern und Zeichen setzen gegen Billig-Anbieter.

Überkapazitäten auf den Weltmärkten und eine wachsende Konkurrenz durch Billig-Exporte aus China bringen zunehmend deutsche Stahlhersteller in Bedrängnis. Die Branche will jetzt dagegen ein Zeichen setzen. Auf dem Branchentreff in Düsseldorf unter dem Motto "Stahl 2015 - Weichenstellung für morgen" kündigte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl , Hans Jürgen Kerkhoff, eine Forschungs- und Entwicklungsoffensive an. Der technologische Vorsprung der deutschen Stahlindustrie müsse für die kommenden Jahre sichergestellt werden. Er sei Hauptgarant für das Überleben der Branche. "Ohne modernsten Stahl ist die Modernisierung der Infrastruktur, ein Fortschritt der Mobilität und auch das Einhalten des Klimaschutzes nicht möglich."

Großes Potenzial für die deutsche Stahlindustrie sieht der Präsident der Europäischen Investitionsbank in Luxemburg, Werner Hoyer . "Die Stahlindustrie wird eine Schlüsselrolle für neue Werkstoffe in den kommenden Jahrzehnten übernehmen." Am Geld scheitere es nicht. Alleine die Europäische Investitionsbank mit einer Bilanzsumme von 560 Milliarden Euro sei einer der größten Finanziers von Spitzentechnologie. Der Banker sieht großen Investitionsbedarf in vielen Bereichen, von dem die Stahlindustrie stark profitieren könne. "Wir haben in Europa jährlich eine Investitionslücke von rund 500 Milliarden Euro ."

Saar-Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD ) rät der Wirtschaftsvereinigung Stahl , sich weitere Verbündete im Kampf um faire Standortbedingungen und einen fairen Emissionshandel zu suchen. Die Autoindustrie eigne sich als Partner. Keinem Autohersteller könne es recht sein, wenn die Chinesen mit Billigstahl erst deutsche Stahlproduzenten vom Markt fegen und dann Preise diktieren. Die saarländische Stahlindustrie unternehme viel, um technologisch führend und umweltschonend zu sein. "Vom regionalen Stahlsektor wurden von 2001 bis heute 4,5 Milliarden Euro in die Instandhaltung, die Modernisierung oder den Neubau von Anlagen investiert."

Um die Branche im Saarland zu stärken, kann sich Rehlinger ein "Stahl Cluster" vorstellen, ein Netzwerk, das Aktivitäten in Produktion, Forschung und Entwicklung bündelt. Karlheinz Blessing , Chef von Dillinger Hütte , Saarstahl und der Saar-Schmiede, sieht diese Unternehmen technologisch hervorragend aufgestellt. Er setzt auf Ausbau der Forschung . Derzeit erkunde die Saar-Stahlindustrie mit Partnern die innere Zusammensetzung von Stählen, um noch bessere Qualitäten zu erzielen und neue Produkte anbieten zu können. Massive Vorteile bringe auch der Einsatz von "Industrie 4.0" mit Vernetzung der kompletten Wertschöpfungskette bis zur Logistik. Das spare Zeit und senke Kosten.