St. Wendel ist Energie-Vorbild

St. Wendel ist Energie-Vorbild

Knapp 90 Kommunen in Deutschland hat die Agentur für erneuerbare Energien für ihre Aktivitäten im Rahmen der Energiewende ausgezeichnet. Mit St. Wendel ist erstmals eine saarländische Kommune dabei.

Das Ziel, das St. Wendel sich gesetzt hat, ist hoch: Bis 2030 will die Kommune den CO{-2}-Ausstoß um 55 Prozent im Vergleich zu 1990 verringern, bis 2050 soll die Energieversorgung dann CO{-2}-neutral sein. "Ich denke, wenn man keine ambitionierten Ziele hat, kommt man auch nicht voran", sagt Landrat Udo Recktenwald (CDU ). "Bei leichten Zielen sind auch die Schritte eher klein."

Für die bereits gegangenen Schritte ist St. Wendel jetzt von der Agentur für erneuerbare Energien als "Energie-Kommune" ausgezeichnet worden - als bisher einzige im Saarland . "St. Wendel ist uns deshalb aufgefallen, weil der Landkreis unterschiedlichste Möglichkeiten nutzt, von der Einbindung lokaler Akteure in Energiegenossenschaften, unterschiedliche eigene Projekte und vor allem die Tatsache, dass die Wertschöpfung größtenteils in der Region bleibt", sagt Christina Hülsken von der Agentur für erneuerbare Energien. Recktenwald sieht seinen Kurs dadurch bestätigt: "Es freut mich, dass wir auch überregional mit unserer Initiative Null-Emission Landkreis St. Wendel Anerkennung finden und anderen als gutes Beispiel helfen können, eigene Aktivitäten zu entwickeln", sagt er.

Ein Vorzeigeprojekt ist der Windpark Oberthal , bei dem nicht nur die Stadt St. Wendel und der regionale Energieversorger VSE beteiligt sind, sondern auch die Bürger über die Bürger Energie Genossenschaft (BEG) St. Wendeler Land. "Ganz wichtig ist es eben, die Bürger bei diesen Projekten mitzunehmen und ihnen nicht irgendetwas vorzusetzen", sagt Recktenwald. Das dauere zwar länger und sei mit viel Öffentlichkeitsarbeit verbunden. Letztlich fänden die Projekte dadurch aber mehr Akzeptanz. "In Oberthal haben die Bürger weitgehend das Gefühl, dass das ihr Windpark ist", sagt er.

Michael Welter, Klimaschutzmanager in St. Wendel , nennt noch zahlreiche weitere Projekte, die der Landkreis initiiert. So soll noch in diesem Jahr die dritte Schule im Landkreis mit einer Hackschnitzel anlage beheizt werden. Eine vierte Anlage sei bereits in Planung. Außerdem investiere der Landkreis eine halbe Million Euro in die Umstellung auf LED-Beleuchtung. "Die Einsparungen sind dabei so hoch, dass sich die Investition noch in der Garantiezeit amortisiert", sagt Welter.

Wichtig sei aber auch, Energieeffizienz nicht nur auf Strom, sondern vor allem auf Wärme zu konzentrieren. "Da gibt es viel Potenzial." So hat Welter ein Bio-Energiedorf-Coaching angestoßen, bei dem die Bewohner auf Möglichkeiten wie beispielsweise eine zentrale Wärmeversorgung aufmerksam gemacht werden. "Zusätzlich vermitteln wir viel Grundlagenwissen über die Möglichkeiten zur Energie-Einsparung", sagt Welter. Das betreffe auch das Potenzial bei der Gebäudesanierung.

Neu auf den Weg gebracht hat die Kommune auch ein Projekt, bei dem beispielsweise auf landwirtschaftlichen Randflächen schnell wachsende Hölzer angebaut werden. Mit denen können dann die Hackschnitzel-Heizungen versorgt werden. "Uns ist wichtig, dass wir wirklich breit aufgestellt sind", sagt Welter.