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Springer verkauft Print-Tafelsilber

Berlin/Essen. Der Springer-Verlag verkauft seine Regionalzeitungen und Zeitschriften an die Funke-Gruppe (Essen), um sich auf digitale Inhalte zu konzentrieren. Die Funke-Gruppe will ein führendes Medienhaus werden. dpa/jwo

. Deutschlands größtes Zeitungshaus Axel Springer macht Ernst mit der Digitalisierung und verkauft traditionsreiche Printtitel. Für 920 Millionen Euro sollen die "Berliner Morgenpost" und das "Hamburger Abendblatt" sowie mehrere Zeitschriften an die Funke-Mediengruppe (unter anderem "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" WAZ) wechseln. Springer-Chef Mathias Döpfner teilte gestern in Berlin mit, sein Haus werde den Weg zum führenden digitalen Medienunternehmen nun konsequent weitergehen.

Das Zeitungs- und Zeitschriftenpaket, zu dem "Hörzu", "TV Digital" und "Bild der Frau" gehören, soll mit Wirkung zum 1. Januar 2014 verkauft werden. Vom Kaufpreis werden laut Springer beim Vollzug des Geschäfts 660 Millionen Euro fällig. Spätestens sei diese Summe am 30. Juni 2014 zu zahlen. Das restliche Geld werde Springer der Funke-Mediengruppe als Darlehen mit mehrjähriger Laufzeit gewähren.

Die Springer-Regionalzeitungsgruppen sowie die Programm- und Frauenzeitschriften machten dem Medienkonzern zufolge 2012 einen Erlös von 512,4 Millionen Euro, etwa 15 Prozent des Gesamtumsatzes von rund 3,3 Milliarden Euro. Rund 900 der 13 600 Springer-Mitarbeiter sind von dem Geschäft betroffen. Die Transaktion müsse noch von den Kartellbehörden genehmigt werden, womit nicht vor Ende dieses Jahres zu rechnen sei. "Die Entscheidung, uns von einigen der traditionsreichsten Marken des Hauses zu trennen, ist uns nicht leicht gefallen", erklärte Döpfner. Auf dem Weg zum führenden digitalen Medienunternehmen gebe es eine klare Ausrichtung auf die "Bild"-und die "Welt"-Gruppe. Zur Strategie gehöre der Ausbau von Online-Rubrikenmärkten und digitalen Vermarktungsplattformen.

Funke-Geschäftsführer Thomas Ziegler erklärte, mit der Übernahme der Springer-Titel wolle die Mediengruppe zu einem führenden nationalen Medienhaus werden. "Wir glauben an Print - in enger Verbindung mit Digital" hieß es zudem in einer Mail an die Mitarbeiter. Durch das Bündeln von Kompetenzen aus unterschiedlichen Redaktionen könnten Vielfalt gesteigert und Themen vertieft werden. Zugleich wachse die Reichweite im Anzeigengeschäft. An der Börse kletterte die Springer-Aktie um 24 Prozent auf 42,80 Euro.

Der Münchner Verleger Dirk Ippen, Inhaber der fünftgrößten Zeitungsgruppe mit Titeln wie "Münchner Merkur", sieht einen Verkauf mit zwei Gewinnern. Springer sei stark von Amerika beeinflusst und börsennotiert. "Da ist Zeitung nicht mehr sexy, sondern es gilt, dass ein Verlag modern und digital sein muss", sagte Ippen gestern unserer Zeitung. Springer habe hier schon viel geleistet, etwa durch die "Bild"-Zeitung als Printmedium und digitales Medium. Die Funke Gruppe sei sehr erfolgreich als Zeitschriftenunternehmen. "Insofern ist der Zeitschriftenzukauf sinnvoll. Und wenn man sagt, man ist Regionalzeitungsverlag, dann ist es sicher auch richtig, Top-Marken wie das Hamburger Abendblatt und die Berliner Morgenpost dazuzuholen", so Ippen.