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Leserbrief Marlies Krämer
Sprache ist auch männerfeindlich

  Frau Krämer liegt falsch. Sprache ist nicht symmetrisch. Daraus, dass mit „Kundin“ nur eine Frau gemeint sein kann, lässt sich nicht schließen, dass „Kunde“ eine männliche Form sei. Meint man nur männliche Kunden, muss man dies extra mit Attributen ausdrücken. Männer sind somit sprachlich nicht direkt sichtbar. Auch der Artikel „der“ besitzt keinen biologischen Bezug: Was etwa ist an einem Löffel männlich? Anreden wie „Liebe Kundinnen und Kunden“ diskriminieren im Grunde Männer: Mit „Kundinnen“ werden Frauen separat angesprochen und mit „Kunden“ erneut, diesmal zusammen mit Männern. Und: Nein, Frau Desgranges, wir haben uns nicht daran gewöhnt, Studierende statt Studenten zu sagen. Studenten können etwa in einer Diskothek abtanzen, Studierende nicht. Frauen kommen in der dritten Strophe nicht vor („brüderlich“, Vaterland“)? Kommen Männer vor, wenn von Geschwistern gesprochen wird? Kommen Väter vor, wenn über die Muttersprache gesprochen wird? Wenn man diese Wörter ebenso mutwillig biologisch-geschlechtlich interpretiert, sind damit nur Frauen gemeint. Sie weiterhin wie bisher zu gebrauchen, ist für Feministinnen völlig in Ordnung. Das ist einseitig, selbstbezogenen, männerfeindlich.