Tour de France: Sagans Ausschluss beherrscht die Tour

Tour de France : Sagans Ausschluss beherrscht die Tour

Das erste Kräftemessen der Favoriten auf den Gesamtsieg geriet gestern durch die Diskussionen um die Disqualifikation von Peter Sagan in den Hintergrund.

Topfavorit Christopher Froome ist bei der ersten Bergankunft der Tour de France ins Gelbe Trikot gestürmt. Der Sky-Kapitän wurde beim Sieg des italienischen Meisters Fabio Aru in La Planche des Belles Filles Dritter und löste seinen walisischen Teamkollegen Geraint Thomas an der Spitze der Gesamtwertung ab. „Es fühlt sich toll an, das Gelbe Trikot wieder zu tragen“, sagte Froome: „Wir wollen das Trikot bis Paris behalten, aber es wird nicht einfach.“

Im Finale der 160,5 Kilometer langen fünften Etappe, die noch im Zeichen des Ausschlusses von Weltmeister Peter Sagan stand, setzte sich Astana-Profi Aru nach einem Angriff 2,5 Kilometer vor dem Ziel mit 16 Sekunden Vorsprung auf den Iren Daniel Martin (Quick Step) durch und meldete mit seinem ersten Tour-Etappensieg Ansprüche als Herausforderer Nummer eins an. „Ich habe attackiert, um zu sehen, wer mitgeht“, sagte Aru: „Sky war bis dahin sehr schnell. Ich habe alles gegeben und bin überglücklich, dass es geklappt hat.“ Froome lag nach dem nur 5,9 Kilometer langen, aber bis zu 20 Prozent steilen Schlussanstieg in den Vogesen 20 Sekunden hinter Aru. Rivale Nairo Quintana (Kolumbien) zeigte Schwächen und verlor 14 Sekunden auf Froome.

In der Gesamtwertung führt der dreimalige Tour-Sieger Froome nun mit zwölf Sekunden Vorsprung auf Thomas. Aru liegt auf Platz drei (+0:14 Minuten). Bester Deutscher war am Mittwoch in den Vogesen Emanuel Buchmann (Ravensburg/Bora-hansgrohe) auf Platz 22 mit 1:17 Minuten Rückstand. In der Gesamtwertung liegt Buchmann auf Platz 14 (+1:29).

Beim Start in Vittel um 13.10 Uhr fehlte die Schlüsselfigur des Vortages. Superstar Sagan war nach seinem Ausschluss von der Frankreich-Rundfahrt wegen seiner Aktion im Massensprint von Vittel gegen Mark Cavendish bereits auf dem Weg zum Flughafen. Sein deutsches Team Bora-hansgrohe hatte „alles unternommen, um ihn noch an die Startlinie zu bringen“, sagte Teamchef Ralph Denk. Doch weder ein Einspruch beim Weltverband UCI noch ein Eilantrag beim Internationalen Sportgerichtshof CAS brachten Erfolg. „Ich muss die Entscheidung akzeptieren“, sagte Sagan, „aber natürlich stimme ich mit der Jury nicht überein. Ich denke, ich habe nichts falsch gemacht. Es war schlimm, dass Mark gestürzt ist, das tut mir leid. Ich hoffe, er erholt sich gut“, sagte Sagan in ehrlicher Betroffenheit. Er trug sein Aus mit Fassung, bekräftigte aber, dass es sich mitnichten um ein übles Foul gehandelt habe: „Es war ein verrückter Sprint, aber es war nicht der erste dieser Art, und es wird nicht der letzte gewesen sein.“

Auch von Kollegen und früheren Stars bekam der Slowake reichlich Zuspruch. „Manchmal sollte ich mir die Bilder ansehen, bevor ich rede. Entschuldigung an Peter Sagan – die Strafe ist zu hart“, sagte der deutsche Sprinter André Greipel, der den Weltmeister zunächst hart angegangen war („Du hast mich zweimal beinahe getötet“). Die einstige Tour-Institution Jens Voigt meinte: „Die Disqualifikation ist meiner Meinung nach zu viel. Es wäre auch okay, wenn ihm 80 Punkte im Kampf um das Grüne Trikot abgezogen würden, er auf den letzten Platz der Etappe zurückversetzt würde und eine Zeitstrafe erhielte.“ Selbst der schwer verletzte Cavendish äußerte nur verhaltene Kritik: „Ich komme mit Peter gut klar, bin nur kein Freund davon, wenn er den Ellbogen so einsetzt.“

Peter Sagan gab gestern vor dem Start der fünften Etappe eine Pressekonferenz vor dem Teamhotel seiner Mannschaft Bora-hansgrohe. Der Einspruch seines Teams gegen den Ausschluss des Weltmeisters von der diesjährigen Tour war zuvor abgelehnt worden. Foto: dpa/Dirk Waem

Sagan, am Montag noch Etappensieger, ist also raus, auch Cavendish, der sich beim Sturz nach dem Rempler seines Kontrahenten einen Bruch des Schulterblattes zugezogen hat, kann die Frankreich-Rundfahrt naturgemäß nicht fortsetzen. Die Karten unter den Sprintern, die sich wohl heute nach 216 flachen Kilometern den nächsten Schlagabtausch liefern, werden neu gemischt. Vor allem im Kampf um das Grüne Trikot ergeben sich für Marcel Kittel, der Sagans Disqualifikation einen „Weckruf für alle, sich an die Regeln zu halten“ nannte, und André Greipel, die das Ziel am Mittwoch mit großem Rückstand erreichten, ganz neue Perspektiven. Sagan, der zuletzt fünfmal in Folge die Punktewertung gewann, wäre nämlich kaum zu bezwingen gewesen.

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