Zwischen Aufruhr und Anhörung

Aachen. Das furiose Finale des Chio in Aachen kann nicht darüber hinwegtäuschen: Der deutsche Pferdesport ist in Aufruhr. Zur Doping-Diskussion gehört vor allem die Befragung von mehr als 70 Reitern und Funktionären, die am kommenden Montag beginnt. Vor einer unabhängigen Untersuchungskommission sollen sie über Doping, Medikation und Manipulation aussagen

Aachen. Das furiose Finale des Chio in Aachen kann nicht darüber hinwegtäuschen: Der deutsche Pferdesport ist in Aufruhr. Zur Doping-Diskussion gehört vor allem die Befragung von mehr als 70 Reitern und Funktionären, die am kommenden Montag beginnt. Vor einer unabhängigen Untersuchungskommission sollen sie über Doping, Medikation und Manipulation aussagen. "Sie werden keinen austricksen", sagte Reitverbands-Präsident Breido Graf zu Rantzau, der sich als Erster den Fragen stellen wird. Kurz danach ist Ludger Beerbaum an der Reihe, der mit seinem Geständnis die außergewöhnliche Anhörung und Auflösung der National-Kader ausgelöst hatte.

Ist es eine Aufklärungs- oder eher eine PR-Aktion? "Wir machen es in erster Linie für uns, um vorwärts zu kommen", erklärte Verbands-Generalsekretär Soenke Lauterbach: "Aber natürlich spielt auch die öffentliche Wahrnehmung ein Rolle. Die Öffentlichkeit, das sind ja auch unsere 1,8 Millionen Reiter." Negative Stimmen gebe es immer, sagte Lauterbach: "Man kann alles schlecht reden."

Beerbaum unterstützt die Aktion und sieht der Befragung "sehr gelassen" entgegen. Juristisch sind seine Aussagen, dass er bis vor Kurzem beim Umgang mit Medikamenten ausgeschöpft habe, was möglich und nicht nachweisbar war, ohnehin kaum verwertbar. Außerdem hat der viermalige Olympiasieger nicht Doping gestanden, sondern über die medizinische Behandlung seiner Pferde gesprochen - ein entscheidender Unterschied im Reitsport.

Klar ist, dass die Kommission mit drei unanhängigen Mitgliedern keine Urteile fällen, sondern dem Verband nur Empfehlungen aussprechen kann. "Wenn ein Reiter der Kommission glaubhaft versichert hat, dass er nichts zu verbergen hat, dann darf er wieder in den Kader", erläuterte Lauterbach. Andernfalls tritt die Gerichtsbarkeit des Verbandes in Aktion, die Disziplinarkommission.

Ob die Aufklärung und Läuterung gelingen kann, ist fraglich. Genauso wie der Wunsch nach "klareren Regeln", wie nicht nur Beerbaum sie sich erhofft. Zum einen kann sich der deutsche Verband auf Dauer kein anderes Regelwerk als der internationale leisten. Zum anderen ist ja weniger das Problem, dass die Vorschriften unklar sind, sondern dass sich zu viele Reiter nicht daran gehalten haben. Besonders der Fall der Dressur-Reiterin Isabell Werth lässt an Klarheit nicht zu wünschen übrig: Die gefundene Substanz ist nicht zugelassen und steht auf der Doping-Liste.

Dass das Problem nicht nur ein deutsches ist, wurde beim Abschluss-Springen des Chio-Turniers deutlich. Der Ire Dennis Lynch gehörte zu jenen vier Reitern, bei deren Olympia-Pferden das verbotene Mittel Capsaicin gefunden wurde. Der 33-Jährige hat seine dreimonatige Sperre abgesessen und gewann mit Lantinus den Großen Preis, weil Marcus Ehning aus Borken mit Küchengirl am letzten Hindernis patzte. Vor einer Kommission aussagen muss Lynch nicht. dpa

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