Zwei Grad zum nächsten Rekord

Zwei Grad zum nächsten Rekord

St. Wendel. Was machen in einem Winkel schon zwei Grad aus? Mit dem bloßen Auge sind sie ja noch nicht mal wirklich zu erkennen. Aber Betty Heidler sieht sie klar und deutlich

St. Wendel. Was machen in einem Winkel schon zwei Grad aus? Mit dem bloßen Auge sind sie ja noch nicht mal wirklich zu erkennen. Aber Betty Heidler sieht sie klar und deutlich. Die Hammerwerferin der LG Eintracht Frankfurt beherrscht ihr Handwerk nahezu perfekt - "nur mein Abwurfwinkel ist noch etwas zu flach", erklärt die Weltrekordhalterin, die die Bestweite von 79,42 Meter im Mai 2011 aufgestellt hat: "Optimalerweise müsste er bei 42 bis 43 Grad liegen. Meiner liegt meistens bei 38 bis 40 Grad." An diesem winzigen Detail arbeitet sie Tag für Tag, versucht bei jedem Wettkampf, den Winkel sicher zu treffen. Auch an diesem Sonntag, wenn die Weltmeisterin von 2007 beim "World Class Meeting" in St. Wendel (ab 10 Uhr) zu Gast ist."St. Wendel habe ich sehr schön in Erinnerung", erzählt die 28-Jährige, die vergangenes Jahr an der Auftaktveranstaltung teilgenommen hat, "es war mein letzter Wettkampf im September und es war darum sehr entspannt. Die Stimmung war gut, das Stadion war klein und süß". Am Sonntag wird es nicht so entspannt zugehen. Denn während Heidler wie vor jedem Wettkampf "Bettys Blues" auf ihrem MP3-Player hören wird - ein selbst komponiertes Lied ihres besten Freundes Bernd Richly -, werden sich neben ihr ihre Vereinskollegin Kathrin Klaas und internationale Größen wie Zalina Marghieva (Moldawien) und Martina Hrasnova (Slowakei) aufwärmen. "Das wertet das Meeting auf jeden Fall auf", findet Heidler, die dennoch optimistisch ist - kein Wunder, bei ihren diesjährigen Saisonweiten: 75,94 Meter bei einem Meeting in den USA, 76,66 Meter in Südafrika, 77,24 Meter beim "World Challenge Meeting" in Südkorea. Viel Grad fehlen nicht mehr, bis die gebürtige Berlinerin die 80-Meter-Marke knackt. "Ich mache mir keinen Druck. Ich muss die 80 Meter nicht werfen, aber ich will", sagt Heidler entschlossen: "Ich nehme das eher als Motivation, immer mehr im Training zu geben." Die Motivation braucht sie bei ihrem vollen Zeitplan. Zwar ist die Polizei-Hauptmeisterin während ihrer Zeit als Leistungssportlerin vom Dienst freigestellt. Allerdings studiert sie nebenbei an der Frankfurter Universität Jura. "Anstrengend, aber es funktioniert", meint Heidler: "Als ich nach meiner polizeilichen Ausbildung erstmal nichts gemacht habe, ist mir die Decke auf den Kopf gefallen. Gerade, weil das Studium eine andere Geschichte ist, tut das gut." Auch wenn andere Dinge wegfallen müssen. "Ich habe den Motorrad-Führerschein. Wenn ich im Sommer andere fahren sehe, werde ich neidisch", gesteht Heidler: "Gleiches gilt für das Reiten. Aber die Dinge kann ich nicht nur wegen der Zeit nicht machen. Die Verletzungsgefahr ist einfach zu groß." Schließlich muss Betty Heidler noch ein paar Winkel messen und Grad zählen, wenn sie erneut ein Ausrufezeichen setzen will. Gerade im Olympia-Jahr 2012 - zumal ihr Edelmetall bei den Sommerspielen noch fehlt. "Ich versteife mich nicht auf die Farbe", sagt Heidler, "aber eine Medaille will ich schon". "Ich muss die 80 Meter nicht werfen, aber ich will."

Betty Heidler

Am Rande

Speerwurf-Weltmeister Matthias de Zordo steigt nach seiner zweiwöchigen Zwangspause wegen einer Zerrung im Rückenstrecker an diesem Donnerstag wieder in die Wettkampfphase ein. Im starken Teilnehmerfeld beim Diamond-League-Meeting in Oslo trifft der Athlet des SV schlau.com Saar 05 Saarbrücken unter anderem auf Vadims Vasilevskis aus Lettland, den Finnen Tero Pitkämäki und erstmals in dieser Saison auch auf den norwegischen Doppel-Olympiasieger Andreas Thorkildsen. red