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Zwangspause in allen Sportarten im Regionalverband Saarbrücken

Corona-Krise : „Aus Sportlersicht blutet einem das Herz“

Zwangspause statt Wettbewerbe heißt es in allen Sportarten aufgrund der Corona-Krise. Dass die Aussetzung des Spielbetriebs richtig ist, darüber sind sich alle einig. Bei Clubs herrscht aber Ungewissheit, wann und wie es weitergeht.

Die Ereignisse haben sich in den vergangenen Tagen förmlich überschlagen – auch für Sportler und Vereine. Der Ligenbetrieb wurde ausgesetzt, Hallen und Sportstätten geschlossen. Wann und wie es nach der Zwangspause wegen der Corona-Krise weitergeht, ist offen. „Ich glaube mittlerweile fast nicht mehr, dass bei uns die Runde zu Ende gespielt wird“, sagt Lukas Huwig, Trainer des Frauen-Oberligisten HF Köllertal. Im Handball ruht der Spielbetrieb offiziell bis 19. April. „Unsere beiden Heimspielstätten, der Trimm-Treff in Püttlingen und die Riegelsberghalle in Riegelsberg, sind aber bis 26. April geschlossen. Und ich denke, dass an diesen Schließungszeitpunkt noch ein paar Wochen drangehängt werden“, erklärt Huwig.

Eine Verlängerung der Spielzeit in die Sommermonate hält Huwig im Handball für schwer durchführbar, weil die Hallen dann oft durch andere Veranstaltungen belegt sind. Sollte die Saison abgebrochen werden, stellt sich die Frage nach der sportlichen Wertung. Die HF Köllertal stehen als Tabellenvorletzter auf einem Abstiegsplatz. Sie haben aber genau so viele Punkte wie die TG Osthofen, die mit einer weniger absolvierten Partie auf dem ersten Nichtabstiegsplatz steht.

„Der Deutsche Handball-Verband hat gesagt, dass er momentan dabei ist eine faire Lösung zu erarbeiten“, berichtet Huwig. Die sollte im Falle eines Saisonabbruchs seiner Meinung nach wie folgt aussehen: „Die Tabellenführer sollen aufsteigen, die Mannschaften hinten in der Tabelle aber nicht absteigen. Die Ligen könnten dann entsprechend aufgestockt werden.“ Finanzielle Nachteile befürchten die HF Köllertal aufgrund der Zwangspause nicht: „Es ist nicht so, dass uns die Situation vor große finanzielle Herausforderungen stellt“, erklärt Huwig. Zwar fehlen die Zuschauereinnahmen. „Die dienen bei uns aber ohnehin zum Großteil nur dazu, um die Schiedsrichter-Kosten zu decken.“

Auch bei den Wasserball-Spielern des SV Friedrichsthal ist offen, wie es weitergeht. „Unser für letzten Freitag geplantes Heimspiel gegen Poseidon Worms hatten wir schon vor der generellen Aussetzung des Spielbetriebs wegen der momentanen Lage abgesagt“, berichtet Wasserball-Wart Lukas Mathieu. Dass der Spielbetrieb jetzt komplett ruht, findet der 25-Jährige in Ordnung. „Es war definitiv die richtige Entscheidung. Aus Sportlersicht blutet einem das Herz. Aber es musste gehandelt werden.“ Mathieu selbst ist auf der Suche nach einem Alternativprogramm für den Wasserball fündig geworden: „Am Sonntag habe ich eine Fahrradtour gemacht. Dazu ist ja auch Krafttraining noch möglich.“

Bei den Friedrichsthaler Wasserballern ist man vorsichtig optimistisch, dass die Saison in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar zu Ende gespielt werden kann. „Bei uns sieht es so aus, dass die meisten Spiele ohnehin erst für den Juni geplant sind“, erklärt Mathieu.

Wie im Wasserball ist bei den Fußball-Spielern seit spätestens Dienstagabend wegen der Schließung der Sportstätten kein Trainingsbetrieb mehr möglich. Das gilt auch für Bezirksligist SV Emmersweiler, dessen Sportplatz nur einen Steinwurf von der vom Robert-Koch-Institut als Risikogebiet eingestuften französischen Region Grand-Est liegt – und für den viele französische Spieler an den Ball gehen. „Wir haben heute Abend noch eine Sitzung, auf der wir beschließen wollen, das Clubheim für 14 Tage zu schließen“, berichtet der Vorsitzende Manfred Dörr am Telefon. Eine Stunde später ist klar, dass der Verein sich die Sitzung sparen kann, nachdem die saarländische Landesregierung angeordnet hat, dass Gaststätten ab Mittwoch schließen müssen. Ein Beispiel wie schnell sich die Lage aktuell nahezu stündlich verändert – das gilt auch für die Grenze zu Frankreich: „An den großen Grenzübergangen gab es zwar Kontrollen, davon war hier bei uns in Emmersweiler aber nichts zu sehen. Hier herrschte reger Verkehr. Aus Großrosseln wurde mir ähnliches berichtet“, erzählt Dörr. Auch dies dürfte sich geändert haben, nachdem Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eine Ausgangssperre verhängt hat – die auch für viele in Frankreich lebende Akteure des Bezirksligisten SV Emmersweiler betrifft.

Die Waserballer des SV Friedrichsthal sind vorsichtig optimistisch, dass die unterbrochene Oberliga-Saison zu Ende gespielt wird. Foto: Thomas Wieck

Der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) hat alle Ligen für beendet erklärt. „Es ist ein wenig schade, dass das jetzt so abrupt geendet hat“, sagt der Vorsitzende des TV Quierschied, Jörg Stoos. Zumal bei seinem Verein sowohl die erste Frauen-Mannschaft in der Landesliga wie auch die dritte in der Kreisklasse vor dem Gewinn der Meisterschaft standen. Ihnen hätte jeweils ein Sieg am letzten Spieltag gefehlt, um die Sektkorken knallen zu lassen. „Das ist sportlich natürlich bitter, aber unsere Spielerinnen sind alle noch jung und können sicher noch einige Meisterschaften feiern“, erklärt Stoos. Ob die aktuellen Tabellenführer nach dem vorzeitigen Saisonende aufsteigen dürfen, oder ob die Saison nicht gewertet wird, darüber hat der DVV noch nicht entschieden.