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Tennis
Zverev ist sauer auf sich selbst

Ausgerechnet im Finale zeigte Alexander Zverev die schwächste Leistung des Turniers.
Ausgerechnet im Finale zeigte Alexander Zverev die schwächste Leistung des Turniers. FOTO: Lynne Sladky / dpa
Key Biscayne. Der Tennisprofi aus Hamburg vergibt in Key Biscane seinen dritten Masters-Titel.

Alexander Zverev ließ seinen Frust über ein verkorkstes Finale am Material aus. Außer sich vor Wut pfefferte er seinen Schläger zu Boden. Er hatte auch allen Grund, sauer auf sich selbst zu sein. Durch die schwächste Vorstellung im Turnierverlauf verschenkte Zverev auf Key Biscayne vor den Toren Miamis den dritten Masterssieg seiner noch jungen Karriere.


Nach dem 7:6 (7:4), 4:6, 4:6 gegen John Isner haderte Zverev noch lange mit sich selbst, während dem amerikanischen Aufschlaghünen die Freudentränen über die Wangen liefen. Der 32 Jahre alte und 2,08 Meter große Isner feierte nach drei Finalniederlagen bei den Mastersturnieren völlig überraschend seinen größten Erfolg – und wusste, dass auch Zverev daran seinen Anteil hatte. „Danke, dass du mich hast gewinnen lassen“, sagte Isner bei der Siegerehrung. Auch wenn es sich um einen Scherz handelte, ein Körnchen Wahrheit lag in Isners Ansprache. In einer nur selten hochklassigen Partie unterliefen Zverev mehr und ungewohnte Fehler, zudem versagten ihm die Nerven. In den Sätzen zwei und drei gab der gebürtige Hamburger seinen Aufschlag zum 4:5 ab.

Gegen Isner bedeutet das mit höchster Wahrscheinlichkeit den Verlust des Durchgangs und letztlich des Matches. Das wusste Zverev, verständlich daher der Ärger über sich selbst, auch wenn er nach dem holprigen Saisonstart mit seiner ersten Finalteilnahme des Jahres wieder zurück im Kreis der Besten ist.

Allerdings hatten Zverev seine durchschnittlichen Ergebnisse – anders als einige Experten – zuletzt ohnehin nicht beunruhigt. „Der Saisonstart ist immer hart für mich, weil ich in der Vorbereitung körperlich viel arbeite und mich erst an meinen neuen Körper gewöhnen muss“, sagte Zverev. Vier Kilo Muskelmasse habe er in der Saisonpause zugelegt, „ich bin schwerer und stärker als je zuvor. Das beeinflusst mein Tennis. Es braucht einfach Zeit.“

So stabil wie im vergangenen Jahr, als Zverev mit den Masters-Titeln in Rom und Montreal unter die Top 10 gestürmt war, ist der 20-Jährige derzeit noch nicht. Gegen Isner unterliefen ihm sechs Doppelfehler, selbst wenn der Ball im Spiel war, spielte Zverev oft zu zögerlich.



Trotz der Niederlage verbesserte sich der deutsche Spitzenspieler, der seine Mannschaft in der kommenden Woche (6. bis 8. April) im Davis-Cup-Viertelfinale in Valencia gegen Spanien anführt, auf Platz vier der Weltrangliste. Isner kehrt nach dem ersten Masterssieg seiner Karriere unter die Top 10 zurück. Das Finale zwischen Zverev und Isner war das letzte Match des Profiturniers im Crandon Park der Insel Key Biscayne. 2019 zieht die Veranstaltung aufs Festland um. Im und um das Hard Rock Stadium, der Heimat der NFL-Footballer der Miami Dolphins, entsteht die neue Tennis-Anlage der Miami Open.