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Zurück in der Zukunft

Zurück in der Zukunft

Er war lange Jahre in Luxemburg tätig, zuletzt beim Zweitligisten BG Göttingen. Jetzt ist Hermann Paar wieder Trainer der Saarlouis Royals, nach 15 Jahren wieder. Allerdings geht er recht zurückhaltend in die neue Runde.

Er ist zurück. 15 Jahre nach seinem Abschied ist Hermann Paar wieder Trainer der Saarlouis Royals . An diesem Sonntag startet er mit seiner Mannschaft in die neue Spielzeit der Damen Basketball Bundesliga. Ab 15 Uhr ist RS Keltern zu Gast in der Saarlouiser Stadtgartenhalle.

"Es fühlt sich schon komisch an, wieder hier zu sein. Ich war schließlich lange nicht mehr im Saarland. Aber jetzt freue ich mich einfach, dass es losgeht", sagt Paar, dem der Tatendrang anzusehen ist. Dabei hat es nach eigener Aussage viel Überzeugungskraft gebraucht, ihn zum erneuten Anheuern bei den Royals zu überreden. "Wir haben viele lange Gespräche geführt. Insbesondere Oliver Kraulich (ehemaliger Manager, Anmerkung der Red.) und Dieter Therre (Gesellschafter, Anm. d. Red.) haben mich überzeugt. Ich hatte auch andere Angebote. Den Ausschlag gab, dass ich mich mit dem Verein noch immer sehr verbunden fühle und eine Perspektive geboten bekam", erklärt der 62-Jährige, der vergangene Saison Zweitligist BG Göttingen trainierte.

Paar, der insgesamt zehn Jahre beim TV Saarlouis verbrachte und die Damen in nur drei Jahren aus Liga vier ins Oberhaus führte, hat für seine Rückkehr klare Vorstellungen: "Das Hauptziel ist, Strukturen aufzubauen, besonders im Nachwuchsbereich. Der Verein muss weniger im Kleinen denken und mehr in der Großregion machen." Für die kommende Bundesliga-Saison sieht er die Qualifikation für die Playoffs als eine realistische Vorgabe an, bevor kommende Spielzeit um die Meisterschaft mitgespielt werden soll.

Die Entwicklung der Royals hat er auch in seinen 13 Jahren als technischer Direktor des luxemburgischen Verbandes verfolgt. Die Vizemeisterschaft im Vorjahr sei für ihn überraschend und doch verdient gewesen. Nach seiner Rückkehr stellt er nun fest: "Das ist ein ganz anderer Club als vor 15 Jahren. Es ist alles viel professioneller - besonders die Organisation. Dafür fehlt die Struktur in der Jugendarbeit. Das Entwicklungspotenzial war mit ein Grund für meine Zusage", sagt Paar und betont, dass 2017 wieder eine Mannschaft in der höchsten Mädchen-Spielklasse, der weiblichen Nachwuchs-Basketball-Bundesliga, antreten soll.

Bevor diese Aufgabe angegangen werden kann, steht die Bundesliga-Saison der Damen an. Und Paar glaubt, dass diese problematisch werden kann. Schließlich hat die Mannschaft einen Umbruch durchgemacht. Mit Stina Barnert und Kimberly Pohlmann haben zwei Führungsspieler den Verein verlassen. Außerdem sei die Liga laut Paar stärker geworden, da die sogenannte Deutschen-Regelung außer Kraft gesetzt wurde. Das bedeutet: Die Clubs können beliebig viele Spielerinnen aus EU-Staaten einsetzen.

Umso wichtiger wird die Unterstützung der Fans. "Wir wollen in jedem Fall schnellen und attraktiven Basketball spielen. Ich hoffe, dann springt der Funke auf die Zuschauer über", erklärt Paar. Seine junge Mannschaft sieht er trotz der namhaften Abgänge gut aufgestellt. Unter dem Motto "together strong" (gemeinsam stark) sollen Levke Brodersen, neue Spielführerin der Royals, Sabine Niedola, Angela Tisdale und Neuzugang Monique Smalls die Mannschaft führen, die auf den großen Positionen, Center und Power Forward, nur drei Spielerinnen zur Verfügung hat. "Vier oder sogar fünf wären besser. Es sieht aber trotzdem ganz gut aus", erklärt der erfahrene Trainer. Für eine weitere Spielerin gebe es laut Paar finanziell keinen Spielraum.

Dass er seinen Job liebt und lebt, zeigt auch, dass er sich für Einzeltraining am frühen Morgen nicht zu schade ist. Um auf die Arbeitszeit von Tisdale Rücksicht zu nehmen, trifft er sich um 6 Uhr mit ihr. "Man muss eben mit ein bisschen Fantasie an die Sache gehen. Man muss wollen, dann finden sich auch Lösungen", sagt Paar.

Gegen Auftaktgegner Keltern, der auf die verletzte Ex-Saarlouiserin Barnert verzichten muss, sieht er seine Mannschaft in der Außenseiterrolle. "Keltern hat richtig Geld in die Hand genommen und kann den Ausfall von Barnert kompensieren. Sie sind für mich mit Wasserburg und Hannover der Favorit auf die Meisterschaft", erzählt der neue Royals-Trainer.

Egal wie das Spiel am Sonntag ausgehen wird - bei einer Sache ist Hermann Paar sich sicher: "Wenn das Umfeld geduldig bleibt, sehen wir einer erfolgreichen Zukunft entgegen." Damit kennt er sich bei den Saarlouisern auch sehr gut aus.

Zum Thema:

Auf einen Blick Aktueller Kader der Saarlouis Royals : Sabine Niedola, Levke Brodersen, Sandra Ngoie (Neuzugang von Emporia State University/USA), Jamailah Adams, Magaly Meynadier (Musel Pikes), Gina Groß, Caroline Meier (TV St. Ingbert), Helena Eckerle (Eintracht Braunschweig ), Angela Tisdale, Sandra Wimmer, Monique Smalls (BG Göttingen), Kristi Mokube (George Mason University/USA), Sarah Belzer. Abgänge: Stina Barnert (RS Keltern), Kimberly Pohlmann (Halle Lions), Sunniva Ferri, Corinne Costa (beide Ziel unbekannt), Amanda Dowe (Bretagne Basket). dko