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Zur Dominanz geschnuppert

Zur Dominanz geschnuppert

Eigentlich wollte sich Lisa Klein in dieser Saison erst an das Niveau bei den Rad-Juniorinnen gewöhnen. Jetzt hat sie die Bundesliga gewonnen und steht im deutschen Aufgebot bei der Straßen-WM in Florenz.

Es ist gerade einmal ein paar Monate her. Lisa Klein war die ersten Rennen zur Rad-Bundesliga gefahren und führte überraschend die Tabelle an. Ein kleiner Ausreißer nach oben, so wirkte all das noch Mitte Juni. "Das ist ja nicht nur, weil die älteren Fahrerinnen körperlich weiter sind, sondern auch weil sie mehr Erfahrung haben. Meine Konkurrentinnen waren schon bei Welt- und Europameisterschaften", sagte sie damals. Die mittlerweile 17-Jährige vom Team Radsport Keller/Saarland/Rheinland-Pfalz wollte sich an die neue U19-Altersklasse gewöhnen. Mal reinschnuppern, wie das Niveau so ist, wie stark die Konkurrentinnen sind und wie stark sie selbst im Vergleich dazu ist. Mitfahren und lernen - das war das Ziel.

Jetzt neigt sich die Saison dem Ende zu. Und irgendwie hat Lisa Klein ihre eigenen Erwartungen wohl am meisten übertroffen: "Das hätte ich nie gedacht, dass es so gut läuft." Mit 1588 Punkten und einem beängstigend großen Vorsprung von 351 Punkten auf ihre ärgste und einzige Verfolgerin Luisa Kattinger hat sie gleich ihre erste Bundesliga-Saison gewonnen. Dass sie die Konkurrenz beim abschließenden Zeitfahren in Genthin am vergangenen Wochenende beinahe deklassierte, war da schon gar keine Überraschung mehr. Mit solcher Dominanz war sie über die gesamte Saison gefahren, dass ihr Vorsprung schon vor Genthin uneinholbar war.

Im Juli war Klein im portugiesischen Anaida zudem Vize-Europameisterin (Bahn) im Mannschaftssprint geworden, im August Vierte bei den Bahn-Weltmeisterschaften in Glasgow. Jetzt hat sie die Erfahrung binnen eines Jahres gesammelt, um die sie ihre Konkurrentinnen im Frühjahr beneidete.

Der große Saison-Höhepunkt steht aber jetzt ab dem kommenden Wochenende an - diesmal auf der Straße statt der Bahn. Klein ist bei den Juniorinnen für die Weltmeisterschaft in Florenz nominiert. Nach dem Rennen in Albstadt stand die Nominierung fest. Und wieder ist Respekt in ihrer Stimme zu hören: "Die Strecke ist sehr schwer. 82 Kilometer und die sind richtig bergig." Sogar der deutsche Straßen-Meister André Greipel hat seinen Start abgesagt, weil ihm die Strecke nicht liege.

Für Klein ist das alles zweitrangig. Dabei sein ist noch alles: "Ich habe mein persönliches Ziel erreicht und eigentlich auch übertroffen. Ein Platz unter den ersten 15 wäre eine Riesen-Leistung." Diesmal werden sie auch ihre Eltern aus Völklingen-Lauterbach begleiten.

Nach der WM bleiben die drei in der Toskana zum Urlaub. Sie selbst lebt und trainiert seit mittlerweile drei Jahren im Sportinternat des Heinrich-Heine-Gymnasiums in Kaiserslautern: "Da freue ich mich schon drauf. Die Saison war lang." Und vielleicht reicht es ja zur kleinen Überraschung. Schließlich hat ihr diese Mischung aus Respekt und Unbekümmertheit ja schon den Titel in der Bundesliga eingebracht.

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Auf einen BlickDie Radsport-Weltmeisterschaften auf der Straße in Florenz gehen von 22. bis 29. September. Nach den Absagen von Andre Greipel und Marcel Kittel liegt der Fokus bei den Herren auf Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin und Sprinter John Degenkolb. Die endgültige Nominierung erfolgt erst diese Woche. Die Strecke durch die Toskana ist mit zwei schweren Steigungen deutlich anspruchsvoller als in den Vorjahren.Das Einzelzeitfahren der Männer findet am Mittwoch, 25. September, statt. Den Abschluss der WM bildet das Straßenrennen der Männer am Sonntag, 29. September. Lisa Klein startet am 27. September auf dem 82 Kilometer langen Kurs um Florenz. jbö