Zum Glück gezwungen

Ottweiler. Nimmt man Olympiateilnehmerin Susanne Hahn einmal aus, ist sie die schnellste saarländische Läuferin seit sechs Jahren. Heike Alaimo aus Ottweiler lief im Mai beim Neunkircher City Lauf die zehn Kilometer in einer Zeit von 35:55 Minuten. Damit blieb sie als erste Hobbysportlerin seit Michaela Schedler im Jahr 2004 unter der 36-Minuten-Marke

Ottweiler. Nimmt man Olympiateilnehmerin Susanne Hahn einmal aus, ist sie die schnellste saarländische Läuferin seit sechs Jahren. Heike Alaimo aus Ottweiler lief im Mai beim Neunkircher City Lauf die zehn Kilometer in einer Zeit von 35:55 Minuten. Damit blieb sie als erste Hobbysportlerin seit Michaela Schedler im Jahr 2004 unter der 36-Minuten-Marke. Im April wurde sie beim Halbmarathon in Bad Liebenzell deutsche Vizemeisterin ihrer Altersklasse und zehntbeste Frau insgesamt in der Zeit von 1:19,09 Stunden.

Diese Zeiten sind die Spitze einer erstaunlichen Entwicklung, die die 36-jährige Versicherungskauffrau seit ein paar Monaten genommen hat. Im Oktober des letzten Jahres war sie über die zehn Kilometer Distanz noch fast zweieinhalb Minuten langsamer. Wie kommt dieser unglaubliche Leistungssprung? "Ich trainiere erst seit Januar richtig mit Trainingsplan. Vorher war das alles noch sehr unorganisiert." Einen Trainer hat sie immer noch nicht, den Trainingsplan habe ihr ein Freund geschrieben. Vor vier Jahren begann sie wieder mit dem Laufen, genauer gesagt wurde sie zu ihrem Glück gezwungen. "Mein damaliger Chef hat mich einfach für den Firmenlauf angemeldet. Ich wurde gar nicht gefragt", erzählt sie lachend. Die Lauferei machte Spaß, auch ohne ein konkretes Ziel zu haben.

Nach zwei Jahren merkte Heike Alaimo, dass sie schneller wurde. Und der Ehrgeiz kam langsam auf. "Ich hatte das Ziel, unter vierzig Minuten zu laufen. Und wie das so ist, will man dann halt immer mehr." Trotz ihrer Klasse hat sie noch nie einen Wettkampf auf der Leichtathletik-Bahn bestritten: "Ich trainiere zweimal die Woche auf der Tartanbahn, wenn ich kann. Aber Wettkämpfe sind da zurzeit nicht geplant. Vorher möchte ich eigentlich lieber einen Marathon laufen."

Im Herbst folgt der nächste Höhepunkt der Saison. Die deutschen Meisterschaften im Zehn-Kilometer-Straßenlauf im thüringischen Ohrdruf. "Im Halbmarathon hat es ja leider nicht geklappt. Aber über zehn Kilometer will ich deutsche Meisterin in meiner Altersklasse werden. Hoffentlich mit einer niedrigen 35er Zeit", ist Alaimo optimistisch. Die Zeit sei ein realistisches Ziel, im Training sei sie zuletzt 36:05 Minuten gelaufen, nur zehn Sekunden langsamer als ihre Bestzeit in Neunkirchen. Bis auf ein einziges Rennen hat sie dieses Jahr im Saarland alles gewonnen, fehlt ihr eigentlich die Konkurrenz? "Das kann man so nicht sagen. Es ist ganz beruhigend, am Start zu stehen und sich um die Platzierung keine Gedanken machen zu müssen." Obwohl sie mittlerweile in Bereichen läuft, in denen sie realistische Chancen auf einen deutschen Meistertitel hat, läuft sie nicht für einen der großen Leichtathletik-Vereine, sondern immer noch für den Lauftreff des TV Ottweiler.

"Das ist im Moment der optimale Verein für mich. Es macht Spaß, dort zu laufen." Steht in Zukunft ein Wechsel an? "Nein, wir wollen in Ottweiler etwas aufbauen. Meine Schwester, Kerstin Alaimo, will demnächst auch zu uns wechseln. Vielleicht können wir dann eine gute Frauenmannschaft bilden." "Über zehn Kilometer will ich deutsche Meisterin in meiner Altersklasse werden."

Heike Alaimo

über ihr nächstes großes Ziel

Weiter im Trikot des TV Ottweiler. Heike Alaimo will dem Verein treu bleiben. Foto: SZ