Zu gut fürs Saarland

Sie wollten sportlich einfach noch was erreichen, nicht nur Oberliga spielen. Daher mussten die Handballerinnen Gina von Gilgenheimb, Michelle Chwallek und Lea Schuhknecht raus aus dem Saarland. Mit Mainz-Bretzenheim feierten sie nun den Aufstieg in die 2. Liga.

Drei Saarländerinnen haben vor Kurzem den Aufstieg in die 2. Handball-Bundesliga geschafft. Allerdings nicht mit einem saarländischen Verein, sondern mit der SG Mainz-Bretzenheim. Gina von Gilgenheimb, Michelle Chwallek und Lea Schuhknecht sind zu gut für den saarländischen Frauenhandball, der mittlerweile im Oberliga-Mittelmaß feststeckt. "Im Saarland will einfach jeder Verein sein Ding machen, statt die Kräfte zu bündeln", meint Gina von Gilgenheimb. "Es gibt nicht viele Talente, und die verteilen sich dann noch auf mehrere Vereine. So können keine großen Sprünge gelingen, und man kann die Besten nicht halten. Wie zuletzt bei Elisa Burkholder und Amelie Berger."

Ein Land verliert seine Talente

Die beiden Jugend-Nationalspielerinnen wechselten 2014 vom SV 64 Zweibrücken zu Bayer Leverkusen . Von den drei Drittliga-Meisterinnen wagte Michelle Chwallek, mit 22 Jahren die jüngste, vor vier Jahren den Schritt nach Mainz . Von Gilgenheimb (24) und Schuhknecht (23) folgten 2013.

Bis September fuhr Torhüterin von Gilgenheimb noch von Überherrn aus zum Training und zu den Spielen ihres Clubs. Ein Weg dauerte dabei etwa zwei Stunden. "Damals war ich noch Studentin, da ging das noch", meint sie rückblickend. Mittlerweile wohnt sie mit ihrem Freund in Kaiserslautern.

Anders Michelle Chwallek. "Ich habe nur zehn Minuten zu Fuß bis zur Halle", sagt sie. Eigentlich ist Chwallek Rückraumspielerin, ersetzte aber zu Beginn der letzten Saison die verletzte Kreisläuferin und spielt auch heute noch auf dieser Position. "Das hat sie supergut gemacht und wurde sogar Torschützenkönigin", lobt von Gilgenheimb und vergisst dabei auch Lea Schuhknecht nicht: "Sie hat gerade in der Rückrunde überragend gespielt."

Zusammen mit Schuhknecht war von Gilgenheimb bis 2013 für den TuS Neunkirchen in der 3. Liga aktiv. Nach dem Rückzug des Vereins aus sportlichen und finanziellen Gründen in die Saarlandliga mussten sich beide nach einem neuen Club umschauen, denn: "Wir wollten sportlich noch was erreichen", sagt Schuhknecht, die immer noch zwischen ihrem Wohnort Neunkirchen und Mainz pendelt. Nach ihrem Physiotherapie-Examen im Sommer will sie aber nach Mainz ziehen. Dass es dort vergangene Saison so gut lief, liegt nach Meinung von Chwallek vor allem am "Bomben-Start, den wir hingelegt haben, als wir viele Spiele in Folge gewonnen haben. Im Winter sind wir eingebrochen, kamen aber zum richtigen Zeitpunkt wieder zurück."

Von Gilgenheimb erinnert sich: "Als wir zur SG kamen, hieß es, dass wir das erste Jahr zum Einspielen nutzen und dann im nächsten, also diesem Jahr, aufsteigen wollen. Dass es auch wirklich geklappt hat, ist natürlich toll." Das Ziel in der neuen Spielklasse ist klar: "Es kommen einige neue junge Spielerinnen. Von daher geht es für uns darum, ums Überleben zu kämpfen", weiß Chwallek. "Jeder muss sich bewusst sein, dass wir in Zukunft in ganz Deutschland unterwegs sind und uns weiterentwickeln müssen, um die Klasse zu halten", ergänzt Schuhknecht. Weiterentwickeln muss sich auch der Frauenhandball hierzulande. Vorausgesetzt, der nächste Zweitliga-Aufstieg saarländischer Handballerinnen soll auch mit einem saarländischen Verein gelingen. Zuletzt war dies 2007 bei der DJK Marpingen (derzeit Oberliga) der Fall.