1. Sport
  2. Saar-Sport

Zu groß für die 2. Liga

Zu groß für die 2. Liga

RB Leipzig beginnt die Vorbereitung auf seine vermutlich letzte Halbserie in der 2. Fußball-Bundesliga. Der Aufstieg ist fest eingeplant, doch der Club will noch viel höher hinaus und ergreift bereits Maßnahmen.

Kaum mehr als 100 Tage noch in der 2. Liga, dann dürfte Leipzig nach 22 Jahren ins deutsche Fußball-Oberhaus zurückkehren. Außerhalb der Stadtgrenzen können sich nicht viele Fans mit diesem Gedanken anfreunden. Das mit etlichen Red-Bull-Millionen aus dem Boden gestampfte Projekt RB Leipzig ist für viele nach wie vor ein Rotes Tuch. Doch die Bullen scheinen unaufhaltsam.

Die Mission Aufstieg, die der Zweitliga-Spitzenreiter mit dem Trainingsauftakt für die Rückrunde in der vergangenen Woche fortsetzte, ist nur ein weiterer Schritt zum eigentlichen Ziel. Mittelfristig plant RB den Angriff auf Europa und sogar auf Bundesliga-Branchenprimus Bayern München. "Jetzt zu sagen, dass wir den Bayern Paroli bieten wollen, wäre Schwachsinn. Aber dass wir grundsätzlich den Anspruch und den Ehrgeiz haben, uns mit allen messen zu wollen, ist klar. Den sollte eigentlich jeder haben", sagt RB-Vorstandschef Oliver Mintzlaff.

Klar scheint: Sollte dem auf Initiative des österreichischen Getränkeherstellers Red Bull gegründeten Club sieben Jahre nach dem Einstieg in der 5. Liga der Sprung in die Bundesliga gelingen, ist Fußball-Deutschland um ein Schwergewicht reicher. Genug Geld ist vorhanden, das Umfeld mit dem gigantischen Trainingszentrum und der ausgezeichneten Nachwuchsarbeit genügt schon jetzt höchsten internationalen Ansprüchen, und das Faninteresse in Leipzig und Umgebung ist enorm. Seit dem Abstieg des VfB Leipzig 1994 lechzt die Region nach Bundesliga-Fußball.

Sie dürfte nicht nur das bekommen. "Ich bin kein großer Freund von einer sogenannten Konsolidierung", sagt Mintzlaff. In der Bundesliga dürfte der Lizenzspieler-Etat von derzeit 16 Millionen nahezu verdoppelt werden. RB wird auf dem Transfermarkt klotzen statt kleckern, auch wenn bereits fertige Stars auf dem Index stehen. Die Bühne Bundesliga dürfte auch einen namhaften Trainer in die Messestadt locken. Ralf Rangnick will nach erfolgreichem Aufstieg wieder Sportdirektor sein.

Gesucht wird derzeit auch ein "Sales Director", der neue Sponsoren an den Verein binden soll. Finanziell hätte das der Verein nicht nötig. Doch will Leipzig wie geplant demnächst international spielen, muss die Vereinsstruktur weiter reformiert werden. Momentan würde der Umfang des Red-Bull-Sponsorings (rund zwei Drittel des Gesamtetats) vermutlich gegen das Financial Fairplay der Uefa verstoßen.

Schon die Zweitliga-Lizenz hatte der Verein nur bekommen, nachdem er beim Logo sowie bei der Mitglieder- und Führungsstruktur nachgebessert hatte. Für viele Fans bleibt Rasenballsport Leipzig aber ein Retorten-Club, das Synonym für die ausufernde Kommerzialisierung im Profifußball. Auch in der Bundesliga wird es Boykott- und Protestaktionen geben. Beim letzten Hinrundenspiel bei Greuther Fürth waren RB-Trainer Rangnick und dessen Assistent Achim Beierlorzer mit einem vollen Bierbecher beworfen worden.

Rangnick kennt die Kritiken und Vorurteile aus seiner Zeit bei 1899 Hoffenheim. Der 57-Jährige glaubt, dass sich die Aufregung schon bald legen werde. "Wir werden attraktiv für die Liga sein", sagt er: "Wir werden zahlreiche Auswärtsfans stellen, zu Hause fast immer ausverkauft sein. Und mit unserer Spielweise haben wir ein echtes Markenzeichen." Bis zur breiten Akzeptanz ist es für RB Leipzig jedoch ein langer Weg. Der Weg ins europäische Fußballgeschäft scheint deutlich kürzer zu sein.