Zöhler unterstreicht seine Ambitionen im SFV

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Der aktuelle Vizepräsident will unbedingt Chef der Saarfußballer werden. Die Gruppe „Vereine vor“ greift er an.

„Ein Schiff ohne Kapitän kann über das Meer fahren und sein Ziel erreichen, wenn es ein funktionierendes Team auf der Brücke hat“, sagt Adrian Zöhler, der aktuelle Vizepräsident des Saarländischen Fußball-Verbandes (SFV), der beim nächsten ordentlichen Verbandstag Präsident des größten Sportverbandes des Landes werden will.

Den Vergleich mit dem führungslosen Ozean-Riesen hatte Zöhlers Herausforderer Thorsten Klein gewählt, um die seiner Meinung nach schwierige Lage des Saarfußballs zu verdeutlichen. „Wenn aber das komplette Team auf der Brücke durch Menschen ersetzt wird, die das noch nie gemacht haben , dann bekomme ich Angst“, sagt Zöhler und meint damit, dass die wenigsten Mitglieder der von Klein angeführten Gruppe „Vereine vor“ Erfahrung in Sachen Verbandsarbeit hätten.

„Vereine vor“ will einen außerordentlichen Verbandstag mit Neuwahlen erwirken, am besten möglichst schnell. Zöhler hingegen hat über seinen Vorstandskollegen Bernhard Bauer die Vereine im Land aufgerufen, da nicht mitzumachen, bis zum nächsten ordentlichen Verbandstag im Jahr 2020 alles so zu lassen, wie es jetzt ist.

Zum künftigen „Team Zöhler“ gehören Joachim Schmieden (Recht), Nicole Recktenwald (Frauen- und Mädchenfußball), Michael Scholl (Öffentlichkeitsarbeit), Lars Dietrich (Vize-Präsident) und Josef Kreis (Spielausschuss). Vakant sind weiterhin die Positionen des zweiten Vizepräsidenten, des Schatzmeisters und des Jugendleiters. „Wir sind in abschließenden Gesprächen“, sagt Zöhler und betont gleichzeitig, dass der langjährige Spielausschussvorsitzende Adalbert Strauß künftig wohl kein Amt im SFV bekleiden wird: „Adalbert strebt eine Funktion im Regionalverband an, allerdings nicht als dessen Präsident.“ Strauß stünde als SFV-Vize „nicht zur Diskussion“.

Diskutiert wird derzeit viel im Saarfußball – auch über eine notwendige Spielklassenreform. „Die wurde schon 2017 auf dem Verbandstag angeregt. Eine Kommission mit Vertretern aus Düren-Bedersdorf, Niederbexbach, Kohlhof, Theley, Wiesbach, Köllerbach, Perl-Besch und Riegelsberg erarbeitet gerade ein Konzept, das den Vereinen bald vorgestellt und beim kommenden Verbandstag beschlossen werden soll“, sagt Zöhler hierzu.

Auch die finanziell schwierige Lage vieler Clubs beschäftigt den Vizepräsidenten, wobei Zöhler das Problem anders einordnet: „25 Prozent unseres Etats fließen jedes Jahr an die Vereine zurück. Das sind über 600 000 Euro. Darin sind rund 250 000 Euro Versicherungsbeiträge enthalten. Das können wir nur, weil wir in den letzten zehn Jahren unsere Produkte erfolgreich vermarktet haben. In anderen Landesverbänden und Sportarten müssen die Vereine dafür zahlen, dass sie am Spielbetrieb teilnehmen dürfen.“

Der 49-jährige leitende Mitarbeiter einer großen Krankenversicherung ist derzeit auch noch Präsident des Landessportverbandes für das Saarland (LSVS). Wegen dieser Ämter gehört er auch dem Vorstand des Regionalverbandes Südwest, dem Aufsichtsrat von Saartoto, dem Rundfunkrat des Saarländischen Rundfunks und dem Vorstand des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) an. Dort könnte er demnächst als Vizepräsident kandidieren. Viel zu viele Ämter – meinen Kritiker.

Zöhler wehrt sich erneut vehement dagegen. „Das wäre bei den anderen Kandidaten nicht anders“, sagt Zöhler und erklärt: „Wenn das neue LSVS-Gesetz in Kraft tritt, wird der neue Aufsichtsrat nur noch zwei hauptamtliche Vorstände berufen und sich danach auf die Aufsicht und das Setzen der sportpolitischen Leitplanken konzentrieren. Ich stehe dafür bereit, in diesem Aufsichtsrat mitzuarbeiten, aber das ist deutlich weniger zeitaufwändig als bisher. Wie wichtig die Position des DFB-Vizepräsidenten ist, zeigt, dass die anderen Landesverbände ebenfalls Bewerber aufstellen. Da dürfen wir uns als Saarland nicht kleiner machen, als wir sind. Ob ich kandidiere, werde ich bis zum Ende des Monats entscheiden.“

Zöhler umreißt seine Zukunftspläne mit dem SFV so: „Hoher Service für unsere Vereine ist mein Thema. Weiterhin möchte ich die Vereine finanziell bestmöglich unterstützen. Weil ich die Kassenlage kenne, sage ich aber klar, dass es nicht mehr Geld geben kann. Und wir müssen Spielangebote für alle Altersklassen machen, die individuell abgestimmt werden. Bei allen Herausforderungen sehe ich mich dafür mit meiner Erfahrung als richtigen Mann an der Spitze.“

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