Ziegler blutet noch das HerzDas erste Auswärtsspiel, die Platzwunde und das Ablösespiel

Ziegler blutet noch das HerzDas erste Auswärtsspiel, die Platzwunde und das Ablösespiel

Saarbrücken. Gut Ding will manchmal Weile haben, sagt ein Sprichwort. Dass allerdings ein Ablösespiel für einen Fußball-Profi mehr als zwei Jahre auf sich warten lässt, ist ungewöhnlich. Heute ist es aber so weit - und Bundesligist Borussia Dortmund gastiert um 18 Uhr beim Regionalligisten 1. FC Saarbrücken im Ludwigspark-Stadion

Saarbrücken. Gut Ding will manchmal Weile haben, sagt ein Sprichwort. Dass allerdings ein Ablösespiel für einen Fußball-Profi mehr als zwei Jahre auf sich warten lässt, ist ungewöhnlich. Heute ist es aber so weit - und Bundesligist Borussia Dortmund gastiert um 18 Uhr beim Regionalligisten 1. FC Saarbrücken im Ludwigspark-Stadion. Im Tor des BVB wird wohl der Grund des Spiel stehen: Marc Ziegler. "Ich gehe mal stark davon aus, zumal Roman Weidenfeller und ich uns in Testspielen abwechseln. Und er stand am Dienstag beim 5:0 in Wattenscheid im Tor", sagt der Mann aus Blieskastel schmunzelnd. Egoisten und PrimadonnenIn der Saison 2005/06 stand der 33-Jährige beim FCS im Tor. Allerdings wegen zweier Knieoperationen nur zwölf Mal - es übernahm Peter Eich. Das Jahr, es war einer der Tiefpunkte in der Profi-Karriere Zieglers, der bei Austria Wien, Hannover 96 und dem VfB Stuttgart gespielt hat. Was der 1,94 Meter große Torwart aber in Saarbrücken mitmachte, "habe ich in meiner Karriere vorher und nachher noch nie erlebt", blickt er zurück und spricht Klartext: "Es war eine einzige Katastrophe. Wir hatten so viele Egoisten, die wie Primadonnen herumgelaufen sind und glaubten, sie hätten schon etwas erreicht. Es gab Unstimmigkeiten in der Mannschaft, viele Sachen haben strukturell nicht gestimmt." Durch Grüppchenbildung war der FCS keine Mannschaft. Dies führte alles zusammen zum "sportlichen Desaster", sagt Ziegler. Dass der 1. FC Saarbrücken dann aus der Regionalliga Süd in die Oberliga Südwest durchgereicht wurde und sogar zwei Jahre fünftklassig war, tat auch Ziegler weh: "Das war alles sehr bitter. Mir hat schon das Herz geblutet, dass wir aus der 2. Liga abgestiegen sind. Wer etwas verändern wollte, ist damals gegen eine Wand gelaufen. Gewisse Leute waren nicht bereit, sich unterzuordnen und alles für den Verein zu geben." Zieglers Karriere stand auf der Kippe, bei manchen Profis geht sie in solchen Situationen sogar dem Ende zu. "Mit viel Glück und viel Ehrgeiz bin ich da aber rausgekommen", erklärt der Saarländer dankbar. Bielefelds Torwart-Trainer Thomas Schlieck erinnerte sich damals an den Blieskasteler und rief ihn an. 2006/2007 hütete Ziegler, vom FCS ausgeliehen, das Tor der Arminia. 2007 verkaufte Saarbrücken den Schlussmann an Borussia Dortmund. Dort erlebte seine Karriere wieder ungeahnte Höhen. In der Rückrunde der Saison 2007/08 ersetzte die etatmäßige Nummer zwei den verletzten Stammtorwart Roman Weidenfeller - und stand auch im DFB-Pokalfinale 2008 im Dortmunder Tor (1:2 nach Verlängerung gegen den FC Bayern München). Übrigens erreichten damals auch die FCS-Frauen das Endspiel, in dem sie dann dem 1. FFC Frankfurt mit 1:5 unterlagen.Wie der FCS aus der Viertklassigkeit kommen kann, darüber mag Ziegler sich aus der Distanz kein Urteil erlauben. Viele Saarländer im Kader, damit sich die Fans mit dem Club identifizieren, seien aber nie verkehrt. "Im Moment läuft es ja ganz gut in Saarbrücken", sagt Ziegler, der den Weg des FCS beobachtet. Eine Rückkehr ins Saarland sei noch zu weit weg, schließlich ist er mit 33 im besten Torwart-Alter. Mit vielen Saarbrückern hat er nicht Kontakt, ab und an telefoniert er mit FCS-Torwart-Trainer Heinz Böhmann und Torwart Tobias Rott, der jetzt bei der SV Elversberg II spielt.Vaters Lyoner ist die beste Heute wird Ziegler mit dem BVB gegen 16 Uhr auf dem Flughafen in Ensheim landen. Auch zurück geht es per Flieger. "Ich freue mich auf das Spiel, das wird bestimmt eine schöne Veranstaltung", sagt der Fußball-Profi, der alle drei Monate seine Eltern in Blieskastel besucht. Und dann kann er sich auch die Spezialität seines Vaters, der Metzger ist, schmecken lassen. "Die Lyoner von meinem Vater ist einfach klasse. Probier' sie am besten mal selbst. Manchmal lege ich sie auch in der Kabine in Dortmund aus und die Jungs sind alle begeistert", schwärmt er. Und vielleicht hat ja auch die Lyoner dazu beigetragen, dass Ziegler wieder in der Bundesliga Fuß gefasst hat.Der FCS erwartet zum heutigen Spiel gegen Dortmund 10 000 Zuschauer. Bis gestern Mittag waren 2500 Karten verkauft. Eintrittskarten zu Regionalliga-Preisen gibt es heute ab 13 Uhr am Stadion an den Kassenhäuschen vor dem D-Block. Herr Klopp, was fällt Ihnen als erstes zum 1. FC Saarbrücken ein?Jürgen Klopp: In Saarbrücken fand mein erstes Auswärtsspiel als junger Trainer von Mainz 05 statt. Es war ein Zweitligaspiel, und wir haben unentschieden gespielt. Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Zeit als Mainzer Spieler gegen Saarbrücken und an den Ludwigspark?Klopp: Ich erinnere mich, dass ich bei einem Zweitligaspiel mal eine Platzwunde erlitten habe und genäht werden musste. Mit welchem Aufgebot kommt der BVB ins Saarland?Klopp: Bis auf die verletzten Sebastian Kehl und Tinga und die Nationalspieler, die in den WM-Qualifikationsspielen beschäftigt sind, kommen wir mit dem kompletten Kader. Also unter anderem auch mit Roman Weidenfeller, Patrick Owomoyela, Dede, Mohamed Zidan und Lucas Barrios. Warum verlief der Ligastart des BVB so wenig befriedigend?Klopp: Weil noch nicht alle Rädchen ineinander gepasst haben und weil wir den ein oder anderen guten Ansatz nicht konsequent zu Ende gespielt haben.Warum dauerte es so lange, bis das Ablösespiel für Marc Ziegler in Saarbrücken stattfinden konnte?Klopp: Unser Sportdirektor Michael Zorc hat mir erzählt, dass dieses Spiel schon im Sommer 2007, also direkt nach dem Wechsel von Marc zum BVB, stattfinden sollte, aber auf Wunsch der Saarbrücker verschoben wurde. Anschließend war es nicht ganz leicht, einen geeigneten Termin zu finden.

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