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Boxen
Zeuge kämpft um den Titel und die deutsche Boxer-Ehre

Tyron Zeuge, einziger deutscher Box-Weltmeister.
Tyron Zeuge, einziger deutscher Box-Weltmeister. FOTO: dpa / Bernd Settnik
Offenburg. Der 26-Jährige ist der letzte amtierende deutsche Profi-Weltmeister und verteidigt seinen WBA-Titel in Offenburg gegen den Engländer Rocky Fielding.

Wenn Tyron Zeuge am Samstag in den Ring steigt, wiegt die Last des letzten Gürtels schwer auf dem 26-Jährigen. In Zeiten einer deutschen Boxkrise ist Zeuge der einzige Hoffnungsträger. Trotz des hohen Drucks gibt sich der noch ungeschlagene Berliner vor dem WM-Kampf gegen den Engländer Rocky Fielding in Offenburg siegesgewiss. „Die Vorbereitung mit meinem Trainer Jürgen Brähmer war super. Ich erwarte einen klaren Sieg von mir“, sagte Zeuge auf der Pressekonferenz vor dem Kampf. Brähmer stimmte seinem Schützling zu: „Ich gehe ganz entspannt in den Kampf und von einem souveränen Sieg aus“, sagte der Boxtrainer.


Dabei steht für Zeuge viel auf dem Spiel. Der derzeit einzige deutsche Profi-Champion in den vier großen Weltverbänden WBA, WBO, WBC und IBF ist das Aushängeschild des deutschen Boxens und kämpft auch um die Ehre der einst so ruhmreichen Box-Nation. Seinen Titel verteidigt Zeuge nun zum vierten Mal. Im November 2016 wurde er gegen Giovanni De Carolis (Italien) WBA-Champion im Supermittelgewicht (bis 76,2 Kilogramm), zuletzt setzte sich Zeuge gegen den Engländer Paul Smith und zweimal gegen den Nigerianer Isaac Ekpo durch. Unterliegt der Berliner, gibt es im deutschen Profiboxen erstmals seit 2004 keinen Weltmeister. Damals verloren Felix Sturm und Markus Beyer im selben Jahr ihre Titel.

Aber die Erfolgsaussichten auf den 23. Karrieresieg sind für Zeuge gut. Für den britischen Meister und Commonwealth-Champion Fielding, der in 27 Kämpfen nur eine Niederlage hinnehmen musste, wird es der erste Kampf außerhalb Englands. „Ich muss sagen, dass Tyron ein ausgezeichneter Techniker ist“, zollte Fielding seinem Gegner schon vor dem Duell großen Respekt. Doch „Fielding wird sicherlich nicht nach Deutschland kommen, um zu verlieren“, sagt Zeuges Promoter Nisse Sauerland, der in der Offenburger Baden-Arena (Vorkämpfe ab 20 Uhr/live beiSport1) ein „großes Spektakel“ erwartet.



Wie lange sich der Sauerland-Stall noch an Zeuges Kämpfen erfreuen darf, ist allerdings unklar. Der WBA-Champion kündigte Anfang Mai seinen noch bis Ende 2019 laufenden Vertrag wegen „unterschiedlicher Auffassungen über die sportliche Zukunft“. Zuvor hatte sich auch Zeuges Trainer Brähmer nach sechs Jahren vom Sauerland-Stall getrennt. Seine Karriere soll der Dissens mit dem Boxstall aber nicht gefährden, Zeuge denkt sogar schon an seinen nächsten Gegner. „Ich würde gerne gegen Arthur Abraham boxen“, sagte Zeuge im Gespräch mit Sport1. Ein Duell gegen den zuletzt harsch kritisierten Ex-Weltmeister ist aber noch Zukunftsmusik – zunächst liegt der Fokus voll und ganz auf der Titelverteidigung gegen Fielding.