„Zeitspiel“ bestimmt Raum und Zeit des Fußballs etwas anders

„Zeitspiel“ bestimmt Raum und Zeit des Fußballs etwas anders

Einen etwas anderen Blick auf den Fußball werfen die Macher des Magazins „Zeitspiel“. Die neue Zeitschrift widmet sich intensiv dem höherklassigen Amateurfußball, bietet den Lesern aber auch Alltagsgeschichten und einiges an Hintergrundstoff.

Zu dieser Zeitschrift fällt einem ein berühmtes Zitat ein: "Günter Netzer kam aus der Tiefe des Raumes." Mit "Zeitspiel" ist es ein wenig anders: Das neue "Magazin für Fußball-Zeitgeschichte" kommt aus einer Nische, mit dem Duden gesprochen: einer kleinen Erweiterung des Raumes. Denn für die Themen von "Zeitspiel" bot der in Sachen Fußball überschaubare Printmarkt bisher wenig Platz.

In der ersten Ausgabe geht es selten um die Champions League oder die Bundesliga, dafür auf 25 Seiten um die Problemzone des deutschen Fußballs: die vierte bis fünfte Liga. Hier wird die Szenerie bestimmt von Extremen und Existenznöten. Man denke nur an das kommende Derby zwischen dem 1. FC Saarbrücken und "Underdog" Saar 05 in der Regionalliga Südwest. Oder an Borussia Neunkirchen , das derzeitige Sorgenkind des Saarlandes, dessen Fanszene im "Zeitspiel 1" auf einer Doppelseite vorgestellt wird. Groß aufgemacht sind außerdem Stücke über Tansania (in der Fifa-Weltrangliste auf Platz 127) oder die Entwicklung des Fußballs in Schlesien.

Das alles zusammen liest sich wie ein Statement: Fußball ist mehr als ein Millionenspiel, vor der eigenen Haustür und in der Welt; ein Spiel mit reichlich Historie, die sich beleuchten lässt, ohne nostalgisch zu werden. "Zeitspiel" bestimmt Raum und Zeit des Fußballs völlig anders als die auf einen Massenmarkt abzielende Konkurrenz. Und so ist es kaum verwunderlich, dass das Magazin nicht der Entwicklungsabteilung eines Großverlags entsprungen ist, sondern der Leidenschaft seiner beiden Herausgeber: Hardy Grüne und Frank Willig. Hardy Grüne hat sich mit zahlreichen Fußballbüchern einen Namen gemacht. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" rühmte den geschichtsbewussten Autoren einmal als das "Gedächtnis des Fußballs". Willig führt als Vorstandsmitglied den Fünftligisten Arminia Hannover, der in den 1960er Jahren an die Tür zur Bundesliga klopfte.

In den vergangenen Monaten konnte man den "Zeitspiel"-Machern in den sozialen Internet-Medien über die Schultern schauen. Außerdem nutzten sie diese Kanäle zur Recherche und zum Austausch mit ihren zukünftigen Lesern. Dahinter steht nicht zuletzt die Idee eines experimentierfreudigen Journalismus, getragen von Unterstützern, die eher kein Sky-Abo haben. Ihnen verheißt das vierteljährlich erscheinende und per Post vertriebene Magazin das wohlige Gefühl, mit ihrer Leidenschaft für den Fußball jenseits des Mainstreams nicht allein zu sein.

Zeitspiel - Magazin für Fußball-Zeitgeschichte, Nr. 1/2015, 92 Seiten, 7,80 Euro, im Abo 7,00 Euro (nur im Direktvertrieb )

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zeitspiel-magazin.de

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