Saar-Handballer in der Bundesliga Saar-Handballer in der Bundesliga: Zwischen tragender Rolle und ungewisser Zukunft

Balingen/Lemgo/Stuttgart · Im Saarland begannen ihre Karrieren, heute messen sich die fünf saarländischen Handball-Bundesligaspieler mit den Besten der Welt.

 Wohin der Weg von Linksaußen Yves Kunkel führt, ist derzeit noch ungewiss.

Wohin der Weg von Linksaußen Yves Kunkel führt, ist derzeit noch ungewiss.

Foto: dpa/Andreas Gora

Es wäre der Stamm einer respektablen Bundesliga-Mannschaft. Der Balinger Spielmacher Björn Zintel auf Rückraummitte, der Stuttgarter Jerome Müller auf Halbrechts. Die Flügelzange mit dem Wetzlarer Lars Weissgerber rechts und Yves Kunkel (MT Melsungen) und Kian Schwarzer (TBV Lemgo) links. Zwar sind nur vier der sieben Positionen besetzt, doch das Gerüst eines Teams mit ausschließlich saarländischen Handball-Bundesligaspielern wäre vorhanden.

Die Aussichten auf ein Bundesliga-Team in dieser Besetzung sind jedoch in absehbarer Zeit als eher gering einzuschätzen. Nichtsdestotrotz sorgen Kunkel, Müller und Co. zumindest dafür, dass in regelmäßigen Abständen Saarland-Duelle in der „stärksten Liga der Welt“ stattfinden. So wie am Sonntagabend in Lemgo, als Kian Schwarzer und Yves Kunkel den letzten Teilnehmer des DHB-Pokal-Final-Four in Hamburg im direkten Aufeinandertreffen zwischen Lemgo und Melsungen ausspielten. Nach dem 28:24-Sieg der Lemgoer mit besserem Ende für den 23-jährigen Schwarzer. „Dass wir in meiner ersten Saison direkt im Pokal-Halbfinale stehen, ist überragend“, freut sich der Niederwürzbacher.

Somit bietet sich ihm im Debütjahr die Chance auf den ersten Titel – und seinem Klub obendrein die Gelegenheit, den sensationellen Triumph aus dem Vorjahr zu wiederholen. Es wäre die Krönung seines ersten Profijahres, das für ihn bisher sehr gut verlaufen ist. „Ich bin sehr zufrieden mit meiner ersten Saison in Lemgo“, sagt der Sohn von Ex-Nationalspieler Christian Schwarzer, „ich bekomme sowohl in der Bundesliga als auch in den Pokalwettbewerben meine Einsatzzeiten.“ Dass auch die Ostwestfalen mit ihm zufrieden sind, beweist die Tatsache, dass der Pokalsieger seinen Vertrag bis 2023 verlängert hat.

Für Yves Kunkel und die MT Melsungen ist der Traum vom Pokalsieg hingegen geplatzt. „Natürlich bin ich enttäuscht, dass wir das Halbfinale verpasst haben, doch Lemgo war an dem Tag einfach besser als wir“, gesteht der Völklinger. Für den 27-Jährigen wird seine Zeit bei den Nordhessen im Sommer nach vier Jahren zu Ende gehen. Seit Ende Januar steht fest, dass er die MT mit Ablauf seines Vertrages im Juni verlassen wird.

„Ich war schon enttäuscht über die Entscheidung des Vereins, da wir uns als Familie hier sehr wohlgefühlt haben“, sagt Kunkel. Die nächste Station seiner Karriere steht noch nicht fest, doch er möchte in „den nächsten zwei, drei Wochen eine Entscheidung treffen“. Vor allem auch, um mit seiner Frau und seinem Sohn Planungssicherheit zu haben. Dabei ist auch das Ausland für den fünffachen A-Nationalspieler eine Option.

Trotz des feststehenden Wechsels möchte er sich, „mit dem größtmöglichen Erfolg aus Melsungen verabschieden“. Die MT liegt in der Bundesliga auf Rang sechs hinter Lars Weissgerber und der HSG Wetzlar.

Bereits am vergangenen Donnerstag hatten sich Weissgerber und Jerome Müller in Stuttgart gegenübergestanden. Dabei trennten sich die beiden Linkshänder mit einem 26:26-Unentschieden. Ein Ergebnis, das sowohl der HSG Wetzlar im Rennen um die Europapokalplätze als auch dem TVB Stuttgart im Abstiegskampf weiterhalf. Dem Spiel konnte vor allem Müller mit sechs Toren seinen Stempel aufdrücken. „Es ist immer schön, gegen die Jungs aus dem Saarland zu spielen“, sagt der 25-jährige aus Werschweiler bei St. Wendel. Dennoch steht auch in diesen Spielen der Erfolg im Vordergrund. „Auf dem Feld ist am Ende jeder Gegenspieler gleich und man konzentriert sich darauf, gut zu spielen“, betont Weissgerber. Eine Gemeinsamkeit der Ex-Saarlouiser ist, dass sie ihre Verträge bis 2024 verlängert haben und somit auch künftig in Wetzlar und Stuttgart auf Torejagd gehen werden.

„Ich fühle mich hier sehr wohl und stehe auch rückblickend voll und ganz hinter dem Schritt nach Stuttgart“, erzählt Müller. Die Wertschätzung seitens des Vereins, ihm ein Jahr vor Vertragsende eine langfristige Verlängerung anzubieten, war ein weiterer Grund dafür, „hier frühzeitig zu verlängern“. Mit dem TVB wird er in den kommenden Wochen alles daransetzen, das Ziel Klassenverbleib zu erreichen.

Wie Müller zeigt sich auch Lars Weissgerber zufrieden mit seiner derzeitigen Station bei der HSG Wetzlar. „In dieser Saison sind meine Spielanteile nochmals gestiegen und ich freue mich über das Vertrauen, das der Verein mir mit der Vertragsverlängerung geschenkt hat“, sagt er. Sollten die Wetzlarer ihre bisher überragenden Leistungen bis zum Ende der Saison bestätigen, winken Weissgerber in der nächsten Saison vielleicht sogar Auftritte auf europäischer Bühne.

Björn Zintel hingegen wird seine Zelte beim Tabellen-17. HBW Balingen-Weilstetten mit Ablauf der Saison abbrechen. Die Balinger hatten ihm ein Vertragsangebot unterbreitet, doch der Rückraumspieler zögerte aufgrund der Situation im Abstiegskampf, das Angebot anzunehmen. „Ich spiele sehr gerne hier, und die Kommunikation mit dem Verein war offen und ehrlich“, stellt Zintel klar. Die gegenseitige Wertschätzung sei nach wie vor vorhanden. Der Verein entschied sich jedoch dafür, einen weiteren Rückraumspieler zu verpflichten. Daher wird der 26-Jährige in der neuen Saison Stand heute für einen anderen Klub auflaufen. Ein Problem ist dies für ihn nicht: „Ich kann damit sehr gut umgehen, versuche meine Leistung zu bringen und schaue dann, wohin mein Weg im Sommer führt.“