| 20:05 Uhr

"Würde auf Geld verzichten"Heute fällt die Entscheidung, ob die Klage des FCS gegen Bayern zulässig ist

FCS-Stürmer Nazif Hajdarovic hat in dieser Saison bereits 14 Mal getroffen. Damit ist er der Toptorjäger der Oberliga. Einen Vertrag für kommende Runde hat er aber noch nicht. Foto: Schlichter
FCS-Stürmer Nazif Hajdarovic hat in dieser Saison bereits 14 Mal getroffen. Damit ist er der Toptorjäger der Oberliga. Einen Vertrag für kommende Runde hat er aber noch nicht. Foto: Schlichter
Saarbrücken. 1994 war Krieg und Nazif Hajdarovic war mittendrin. In Bosanska Gradika lebte er, im ehemaligen Jugoslawien, im heutigen Bosnien/Herzegowina. "Wir sind nach Deutschland geflohen", erinnert er sich im Sportheim des Fußball-Oberligisten 1. FC Saarbrücken Von SZ-Redakteur Michael Kipp

Saarbrücken. 1994 war Krieg und Nazif Hajdarovic war mittendrin. In Bosanska Gradika lebte er, im ehemaligen Jugoslawien, im heutigen Bosnien/Herzegowina. "Wir sind nach Deutschland geflohen", erinnert er sich im Sportheim des Fußball-Oberligisten 1. FC Saarbrücken. Heute ist er 24 Jahre alt, sein Deutsch ist perfekt, und als Fußballer verdient der Stürmer mit Arbeitserlaubnis seinen Lebensunterhalt. 14 Tore hat er für den Tabellenführer bisher geschossen, hat acht vorbereitet und ist damit bester Angreifer der Liga. "Es läuft optimal", sagt er und lacht.


"Optimal" ist das Leben als Flüchtling nicht immer, hat Hajdarovic erfahren. Über Flüchtlingslager in Ulm und Lebach kam er nach Homburg/Einöd in die Lappentascher Straße in die ehemalige "Landesaufnahmestelle" für Flüchtlinge. "Acht Jahre habe ich dort gelebt", erklärt er. Zwei Mal die Woche bekam die Familie Essenspakete. "Wir waren nur geduldet und hatten daher keine Arbeitserlaubnis", deutet er ein typisches Flüchtlingsschicksal an. Nach einem Jahr starb sein Vater. Keine einfache Zeit für den damals Zehnjährigen.

Eine Zeit, in der ihm der Fußball Halt und die Chance zur Integration bot. Beim TuS Lappentascherhof begann er in der E-Jugend, wechselte in der D-Jugend zum SV Reiskirchen, durchlief dort die Jugendabteilung, spielte zwei Jahre in der Verbandsliga, ehe er in die Landeshauptstadt zur zweiten Mannschaft des FCS wechselte. Der schnelle Stürmer und gute Vorbereiter traf gut, und es dauerte nicht lange, bis ihn der FCS mit einem Vertrag für Liga zwei ausstattete. Zwei Zweitliga- und sechs Regionalligaeinsätze kann er vorweisen. In der zweiten Liga hatte er "am letzten Spieltag gegen Braunschweig das 1:0 gemacht", erinnert er sich. Doch so wirklich durchsetzen konnte er sich "oben nicht, daher wollte ich damals auch den Verein wechseln." Was aber nicht klappte. Auch vor dieser und der vergangenen Saison war er in mehreren Probetrainings unterwegs - wieder nix.



Die Frage, warum er wechseln wollte, ist eine schwierige und könnte auch heißen: Warum wollte der FCS, dass er wechselt? Vor allem finanzielle Gründe spielen bei der Antwortsuche eine Rolle. Wobei Hajdarovic bei einem Wechsel nur bedingt finanziell profitieren würde. Grund: Mit seinem Profivertrag verdient er in Saarbrücken gutes Geld - wenn er nicht sogar der Topverdiener ist. Im Umkehrschluss könnte das heißen, dass der FCS eine Menge Geld hätte sparen können, wenn er gewechselt wäre. Er ist aber noch da, und daher gebe "ich alles dafür, dass wir unser Ziel Aufstieg erreichen".

Am Samstag geht es gegen Angstgegner SV Roßbach/Wied, den Tabellendritten (13.30 Uhr). "Wir spielen zu Hause, also müssen wir gewinnen", sagt der Stürmer. Am Ende der Saison läuft sein Vertrag aus, dann könnte er ablösefrei wechseln. "Die Angebote werden kommen", weiß er. "Doch ich würde auch auf Geld verzichten, um hier beim FCS zu bleiben." Das Problem: Der 1. FC Saarbrücken hat noch kein Gespräch mit ihm gesucht. "Und jetzt ist schon März", sagt er und zuckt mit den Schultern. Doch Nazif ist geduldig - und leidensfähig.München/Saarbrücken. Ist das angestrebte Verfahren des Fußball-Oberligisten 1. FC Saarbrücken gegen den Bundesligisten FC Bayern München vor dem Amtsgericht zulässig, oder ist die normale Gerichtsbarkeit für den Fußball nicht zuständig? Diese Frage entscheidet sich heute ab 13 Uhr im Justizpalast in der Münchner Prielmeyerstraße. Nach einem für die Saarländer enttäuschend verlaufenden ersten Verhandlungstag im Januar, hatte das Gericht das FCS-Präsidium aufgefordert, weitere Unterlagen für die Entscheidungsfindung vorzulegen. "Das Gericht geht davon aus, dass es keinen Anspruch gibt, weil die DFB-Regularien die Ansprüche regeln", sagt FCS-Präsident Horst Hinschberger (Foto: Wieck), "aber der DFB regelt nicht Ersatzansprüche zwischen den Vereinen." Hinschberger hofft auf eine positive Entscheidung: "Es ist das alte Problem von Recht haben und Recht bekommen. Sicher ist, dass wir bei negativer Entscheidung Rechtsmittel einlegen werden."

Der FCS erhebt Schadensersatzanforderungen gegen die Bayern, weil die Münchner in der Saison 2006/07 33 Mal den Spieler Louis-Clément Ngwat-Mahop einsetzten, der sich mit einer Passfälschung die Spielberechtigung praktisch ergaunert hatte. Der FCS stieg ab, ein Punktabzug für Bayern II erfolgte nicht, weil die Selbstanzeige des Bundesligisten erst nach dem Stichtag erfolgte.

Die Interessen des FCS vertritt Rechtsanwalt Gröninger. Präsident Hinschberger und Vize Harald Ebertz sind beruflich verhindert, Schatzmeister Dieter Weller ist in Urlaub. cor