Wolfstrail in Merzig mit Rekordbeteiligung

Wolfstrail : „Die Strecke ist der Hammer“

Beim 6. Merziger Wolfstrail verbuchte der Leichtathletikverein als Veranstalter eine neue Rekordbeteiligung: 180 Läufer machten sich auf die anspruchsvolle Strecke. Einige nutzten den Lauf als Training für Zermatt.

Brütend heiß scheint die Sonne auf den Kreuzberg herab, dankbar nehmen die Sportler den Schutz des Schattens an, gehen vor dem Start noch einmal in sich. Ob die Hitze zum Problem wird? „Nein, das ist mein Wetter“, sagt Martin Klein vor dem Start. „Ich fühl’ mich gut, die Strecke kenne ich jedoch noch nicht.“ Ebenfalls unbekannt ist die Route für Anika Vogt. Zusammen mit Klein reist sie von der Laufschule Saarpfalz aus Zweibrücken an, viele Wochen haben sie für den Wolfstrail mit Intervall- und Dauerläufen trainiert. „An die Hitze gewöhnt man sich beim Laufen“, sagt Vogt, „wir fühlen uns top vorbereitet.“ Denn der 6. Merziger Wolfstrail ist für sie nur Training: „Wir bereiten uns auf den Ultra Marathon in Zermatt vor“, erzählt sie, auch für den Berliner Marathon trainiert ihre Gruppe.

Wenig später fällt der Startschuss, rund 180 Athleten stürmen nach vorne, Richtung Wald, Richtung Schatten. Die kurze Route, 13 Kilometer lang, führt die Läufer zunächst vom Kreuzberg runter zum Wolfsgehege, das sie kurvenreich umlaufen, ehe es wieder zurück auf den Berg geht – dabei werden über 330 Höhenmeter überwunden. Weiter haben es die Sportler, die sich für die 24 Kilometer lange Strecke entscheiden und bis zur Biereiche im Merziger Kammerforst laufen, ehe es wieder zurückgeht.

Es geht bergauf und bergab, über Stock und Stein: „Eine tolle Strecke“, findet André Wilhelms aus Trier. Nach 54 Minuten ist er als Erster im Ziel. „Super anstrengend und ungewohnt“, resümiert er erschöpft, sonst laufe er nur auf der Straße. Zwei Minuten später kommt Torsten Jacob aus Saarbrücken ins Ziel, mit vollem Körpereinsatz: Ein paar blutige Kratzer hat er sich auf dem Weg zugezogen. „Ich bin irgendwo hängen geblieben“, erzählt Jacob, die Pfade und Wege führen halt dicht vorbei an Bäumen und Büschen. „Ich habe heute Morgen spontan um 8 Uhr entschieden, dass ich mitlaufen will“, sagt er, „das letzte Stück war richtig krass. Da habe ich mich verkalkuliert.“

Mit deutlichem Abstand wurde der für Tri-Sport Saar-Hochwald startende Franzose Adrien Guinemer Dritter und damit Merziger Stadtmeister. Ein Titel, den Christian Zimmer mehrfach schon gewonnen hat. Doch Zimmer ging erstmals auf der 24-Kilometer-Strecke an den Start. „Für mich war es der dritte lange Tempolauf in dieser Woche“, berichtete Zimmer. Er bereitet sich gerade auf die nächsten Ultras und Marathons in den Alpen vor.

Die letzten drei Kilometer waren auch für Andrea Gaede schwer. „Man musste viele Treppen hoch. Da konnte ich nicht mehr rennen“, erzählt sie, dennoch: „Die Strecke war der Hammer.“ Aus Berlin ist sie mit ihrem Mann Marcus angereist, sie radeln in ihrem Urlaub das Saarland einmal ab. „Heute ist eigentlich unser Ruhetag“, meint Marcus Gaede, für ihre Liebe zu Trails zogen sie sich aber gerne die Sportschuhe über. Die weite Anreise lohnte allemal, denn Gaede war auf der Kurzstrecke als Siegerin der Senior-Master-Kategorie die zweitschnellste Frau hinter Frauke Celim.

Celim kam als erste Frau der 13-Kilometer-Kurzdistanz wieder im Garten der Sinne an. „Man kommt vorbei an Bächen und Brücken, läuft über weichen Waldboden. Eine idyllische Strecke“, findet sie, „die war gut zu laufen.“ Heißer hätte es für sie aber nicht sein dürfen.

Zum vierten Mal machte Timo Schmidt aus Saarbrücken mit, er gewann die 24-Kilometer-Strecke, er konnte seinen Vorjahressieg wederholen. „Inzwischen entwickelt man eine Taktik“, erzählt er, er schätzt die familiäre Atmosphäre und die gute Organisation. Die Siegerzeit war zwar etwas langsamer als 2018, aber „bei der Hitze war das okay“, freute er sich über den erneuten Erfolg. Mehr als fünf Minuten betrug sein Vorsprung vor Zimmer. Dritter auf dem Podest war der Bonner Triathlet Manuel Reuter, der erstmals beim Wolfstrail startete. „Für mich als Triathlet war der Trail etwas ungewohnt, am Ende war’s ziemlich hart“, meinte der gebürtige Saarländer.

Deutlich enger ging es bei den Frauen zu. Am Wendepunkt lagen Silke Mertes vom Merziger Sport- und Freizeitverein), Angela Samstag (LTF Mauschbach) und Katja Hiller (Hartfüßler Trail) noch gleichauf. Hiller hatte bis dahin lange geführt, musste nun aber die Merzigerin ziehen lassen.

Als Dritter auf der Kurzstrecke wurde der Franzose Adrien Guinemer (Tri-Sport Saar-Hochwald) Merziger Stadtmeister. Foto: Künkeler

Rund 25 Helfer waren laut Rolf Holbach, Vorsitzender vom Leichtathletikverein Merzig, im Einsatz. Rund 180 Ausdauersportler lockte der 6. Trail-Run auf der Traumschleife „Wolfsweg“ an. „Das ist weit mehr als bisher“, freute sich Holbach. Bei den ersten fünf Wolftrails lagen die Zahlen zwischen 100 und 120. Astrid und Werner Blasius aus Hermeskeil waren erstmals dabei, „aber sicher nicht das letzte Mal“, rief die 52-Jährige kurz vor dem Ziel voller Begeisterung: „echt super.“

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