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Wolfs-Wunder vor der Vollendung

Stuttgart. Wenn im spannendsten und spektakulärsten Saisonfinale seit langer Zeit die Fußball-Welt nicht doch noch völlig verrückt spielt, dann wird das "Wunder von Wolfsburg" Wirklichkeit. "Jetzt wollen wir natürlich den Titel", sagte VfL-Trainer Felix Magath, der mit der Meisterschaft seine Arbeit in der Autostadt krönen will Von dpa-Mitarbeiter Thomas Prüfer

Stuttgart. Wenn im spannendsten und spektakulärsten Saisonfinale seit langer Zeit die Fußball-Welt nicht doch noch völlig verrückt spielt, dann wird das "Wunder von Wolfsburg" Wirklichkeit. "Jetzt wollen wir natürlich den Titel", sagte VfL-Trainer Felix Magath, der mit der Meisterschaft seine Arbeit in der Autostadt krönen will. Die Verfolger Bayern München und VfB Stuttgart träumen vor dem brisanten und prestigeträchtigen Süd-Gipfel am Samstag insgeheim noch vom großen Coup dank Bremer Schützenhilfe, fürchten aber den Rückfall auf Rang vier. "Der Uefa-Cup wäre fatal", räumte Bayern-Manager Uli Hoeneß ein.


Spitzenreiter Wolfsburg kann relativ entspannt an seine letzte, verhältnismäßig leichte Aufgabe gegen die nach der Uefa-Cup-Enttäuschung zusätzlich angeknacksten Bremer herangehen. Der garantierte erstmalige Einzug in die Königsklasse und die bestechende Heimbilanz verleihen den "Wölfen" vor dem Nord-Derby zusätzliche Sicherheit und Souveränität. Dass ausgerechnet die auswärts nur zweimal siegreichen Werderaner in einer für sie völlig bedeutungslosen Partie Wolfsburg die erste Heimniederlage beifügen können, käme einer Mega-Sensation gleich. Und obwohl dem VfL ein Remis für den Titel reichen würde, denkt Magath vor seinem Abschiedsspiel nicht im Traum an eine Sicherheitsstrategie: "Darauf werden wir uns nicht verlassen. Wir spielen auf Sieg."

Dem greifbar nahen Titel-Triumph ordnen sogar die beiden nach der Torjägerkanone schielenden Super-Stürmer Grafite und Edin Dzeko ihre persönlichen Interessen komplett unter. "Erstmal kommt die Mannschaft. Wenn jemand anderes die Tore macht und wir Meister werden, wäre das genauso schön wie selbst zu treffen", versicherte Dzeko. "Die Geschlossenheit, der Zusammenhalt, das ist unser Erfolgsgeheimnis. Hier trägt keiner die Nase hoch. Nur so kannst du Meister werden."

Den Bayern und den Schwaben helfen im direkten Duell selbst diese Attribute nichts, wenn Werder nicht zeitgleich für ein Fußball-Wunder in Wolfsburg sorgt. Der Sieger zieht garantiert in die Champions League ein, während im Fall eines Unentschiedens oder einer Niederlage alles vom Abschneiden von Hertha BSC beim Abstiegskandidaten Karlsruher SC abhängt. "Mit der Champions-League-Qualifikation hätten wir ein wichtiges Ziel erreicht", sagte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Für Markus Babbel wäre der Titelgewinn mehr als ein Traum. Schließlich wäre der VfB-Teamchef der erste, der in der Bundesliga-Geschichte ohne Trainerschein die Meisterschale holt. "Hier trägt keiner die Nase hoch. Nur so kannst du Meister werden."

Edin Dzeko, Stürmer in Wolfsburg



Auf einen Blick

Die Meister-Formel im Bundesliga-Finale: Mit Wolfsburg, München und Stuttgart kämpfen am letzten Spieltag noch drei Vereine um die deutsche Meisterschaft. Gewinnt Wolfsburg (66 Punkte/Tordifferenz + 35) gegen Bremen, ist die Mannschaft Meister. Im Falle einer Niederlage würde der Gewinner des Spiels zwischen München (64/+ 28) und Stuttgart (64/+ 21) vorbeiziehen und den Titel gewinnen. Sollte Wolfsburg Unentschieden spielen, wäre man mit dem Sieger des Verfolgerduells punktgleich. Für diesen Fall wird der Meister nach diesen Kriterien ermittelt: 1. Tordifferenz aus allen Spielen. 2. Anzahl aller erzielten Tore. 3. Direktvergleich zwischen den punktgleichen Mannschaften. 4. Auswärtstore im Direktvergleich (Europapokal-Regel). 5. Anzahl aller auswärts erzielten Tore. 6. Entscheidungsspiel. dpa