Wohltuender Realismus

Kaiserslautern. Selbst die Regenwolken, die bedrohlich am Horizont gelauert hatten, hielten sich zurück. Nichts sollte das Stadionfest des Fußball-Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern am Samstag stören. Schließlich ging es darum, sich selbst zu feiern, den Verein sowieso, aber auch das Erreichte der vergangenen Saison

Kaiserslautern. Selbst die Regenwolken, die bedrohlich am Horizont gelauert hatten, hielten sich zurück. Nichts sollte das Stadionfest des Fußball-Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern am Samstag stören. Schließlich ging es darum, sich selbst zu feiern, den Verein sowieso, aber auch das Erreichte der vergangenen Saison. 40 000 waren auf den Betzenberg gekommen - und die Stimmung war wohltuend realistisch. Die Brust war lange nicht mehr so stolz geschwellt wie nach Rang sieben in der vergangenen Saison, als der Abstiegskandidat als Aufsteiger am Europacup schnupperte.Natürlich haben sie von der Euphorie viel über die Sommerpause hinaus gerettet. Aber der FCK-Anhang hat ein Gespür dafür, dass die vergangene Saison mit zu vielen Erwartungen gebrochen hatte, um den siebten Platz als Maßstab zu wählen. Aber das dürfte die Verantwortlichen beruhigen, denn das offizielle und realistische Ziel kann nur sein: Klassenverbleib.

Vielleicht bot das letzte Testspiel gegen den französischen Erstligisten AS Nancy die richtigen Rückschlüsse. Es war ein verdienter 2:0-Sieg. Aber das Spiel des FCK zeigte Schwächen. Die neu formierte Offensive wirkte bemüht, aber noch fehlt das unterbewusste Gespür dafür, wo der Mitspieler gerade steht. Viele kleine und ein paar gröbere Fehler im Aufbauspiel waren die Folge. Kevin Trapp im FCK-Tor musste Schlimmeres verhindern.

Erst als der FCK sich aus der Apathie der ersten halben Stunde wachrüttelte, passierte mehr. Dorge Kouemaha, sonst eher schwerfällig wirkend, nutzte einen Fehler von Nancys Torhüter Damien Gregorini zum 1:0 in der 41. Minute. Drei Minuten später traf Martin Amedick nach einem Eckball von Christian Tiffert zum 2:0. Zumindest die Automatismen bei Standardsituationen von Tiffert scheinen sie über die Sommerpause gerettet zu haben. Amedick verteidigte neben Kapitän Mathias Abel (Foto: FCK). Ob das die Entscheidung in der Kapitäns-Frage war, bei der Trainer Marco Kurz noch vor einer Woche "überhaupt keinen Druck" verspürt hatte, ist offen. Vergangene Saison trugen zunächst Amedick, nach dessen Bankdrücker-Rolle Srdjan Lakic oder Abel die Spielführerbinde.

Es war ein Spiel, in dem der FCK eine Woche vor dem Pflichtspiel-Auftakt im DFB-Pokal beim Oberligisten BFC Dynamo Berlin (Samstag, 15.30 Uhr) seine Aufgabe erfüllt hat, aber auch merken musste, dass noch Luft nach oben ist - selbst auf Deutschlands höchstem Fußball-Berg.

Bei allem Bewusstsein für das Hier und Jetzt geht es in Kaiserslautern nie ohne Tradition. Am Samstag eröffnete die Fritz-Walter-Museumsebene. Noch ein Jahr dürfte es dauern, bis alles fertig ist. Ein Jahr, in dem der 1. FC Kaiserslautern wieder sein Ziel erreichen will. Und Platz sieben hin oder her, dieses Ziel heißt Klassenverbleib.

saarbruecker-zeitung.de/fck

Am Rande

Fußball-Bundesligist 1. FC Kaiserslautern hat dem Ex-Saarbrücker Chadli Amri und Stiven Rivic nahe gelegt, sich einen neuen Club zu suchen, und sie zum Training in die Regionalliga-Mannschaft beordert. "Wir haben ihnen mitgeteilt, dass ihre sportliche Perspektive bei uns schwierig wird", erklärte Trainer Marco Kurz. Amri war 2010 vom FSV Mainz gekommen. Beim FCK bestritt er sechs Bundesliga-Partien, keine über die volle Zeit. Rivic ist ebenfalls seit 2010 beim FCK. Er war von Energie Cottbus gekommen und absolvierte zwölf Bundesliga-Spiele. Die Verträge der beiden gelten bis 2013. dpa