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Wo Bau- und Ballkultur eine „gelbe Wand“ entstehen lassen

Wo Bau- und Ballkultur eine „gelbe Wand“ entstehen lassen

Das wichtigste Bauwerk in Dortmund ist die „gelbe Wand“. So nennt man die volle Südtribüne des Westfalenstadions.

Sie fasst an Bundesliga-Spieltagen nicht weniger als 24 454 Menschen. In "Fußball-Wunder-Bauten" wagt sich Benjamin Kuhlhoff daran, die 120 Stufen der größten Stehplatztribüne Europas in den 90 Minuten eines Heimspiels hinaufzusteigen. Seine Reportage lässt den Leser erfahren, wie menschlich die Architektur der großen Schauplätze des Fußballs ist. Die "gelbe Wand" besteht aus Fans. Aber erdacht wurde sie von Architekten und Ingenieuren.

19 Fußballstadien präsentieren Kuhlhoff und Andreas Bock von "11 Freunde" zusammen mit Alexander Gutzmer, dem Chef der Architekturzeitschrift "Baumeister". Die Autoren wollen zeigen, wie Bau- und Ballkultur verknüpft sind und welchen Anteil die Stadionarchitektur an den Emotionen auf den Rängen hat. Das von den Gesängen der Liver pooler Fans erfüllte Stadion Anfield zählen sie ebenso zu den "Wunder-Bauten" wie die stimmungsmäßig abfallende, aber architektonisch herausragende Allianz-Arena in München.

"Fußball-Wunder-Bauten" ist ein außergewöhnliches Buch. Es nutzt die Mittel eines Magazins, ist ungemein abwechslungsreich und unterhaltsam, etwas gediegener als "11 Freunde". Interviews mit Günter Netzer oder Campino wechseln sich ab mit Reportagen und Porträts. Der Schöngeist Mário Filho, dem die Welt das Maracana in Rio de Janeiro verdankt, findet Platz neben der Chefkassiererin von Hertha BSC, die in 20 Jahren kaum den grünen Rasen des Berliner Olympiastadions sah. Klug und ausdrucksstark ist die Bildauswahl. Das alles fügt sich in eine feine Buchgestaltung.

Andreas Bock/Alexander Gutzmer/Benjamin Kuhlhoff: Fußball-Wunder-Bauten. Die schönsten Stadien und ihre Geschichten, Callwey-Verlag, München 2012, 192 Seiten, ISBN 978-3-7667-1969-0, 39,95 Euro.