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„Wir sind nicht gegen technischen Fortschritt“

„Wir sind nicht gegen technischen Fortschritt“

Nach dem Phantom-Tor von Sinsheim rauchen bei den Verbänden die Köpfe, eine Entscheidung zeichnet sich noch nicht ab. Nur die DFL hat bereits Klartext geredet und die schnelle Einführung der Torlinien-Technik abgelehnt.

Die Fifa berät, der DFB prüft, die DFL warnt: Am ersten Arbeitstag nach dem Phantom-Tor von Sinsheim ist bei den Verbänden die Mission Schadensbegrenzung angelaufen. Der Leverkusener Stefan Kießling hatte den Ball am Freitag beim Punktspiel zwischen Hoffenheim und Leverkusen in der 70. Minute neben den Pfosten geköpft, durch ein Loch im Netz landete der Ball aber dennoch im Tor - und wurde von Schiedsrichter Felix Brych anerkannt. Eine Entscheidung zeichnet sich aber noch nicht ab. Nach wie vor ist offen, ob das Spiel wiederholt wird oder nicht.

Liga-Präsident Reinhard Rauball sagt: "Das Sportgericht hat eine sehr schwierige Situation zu lösen. Auch wenn wir ein Urteil fällen, muss die Fifa dem Urteil zustimmen." Die Deutsche Fußball Liga (DFL) wird ihre Einstellung zum Thema Torlinientechnik nicht grundlegend überdenken. "Wir sind in der DFL nicht gegen den technischen Fortschritt, aber wir sprechen hier über ein hochkomplexes System, das möglicherweise noch störanfällig ist", sagte Geschäftsführer Andreas Rettig der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und der "Bild". Laut Rettig sind noch viele Fragen offen: "Rüsten wir dafür nur die Stadien der 1. oder auch die der 2. Liga um? Nach welchen Kriterien soll der klassenübergreifende Pokalwettbewerb oder die Relegation über die Bühne gehen?", fragte der 50-Jährige.

Der frühere Verfassungsrichter Udo Steiner hat im Streit um das weitere Vorgehen den Begriff der "Unerträglichkeit" eingeführt. "Man müsste sich fragen, ob ein Fall von Unerträglichkeit gegeben ist", sagte der Schiedsgerichts-Vorsitzende, bei dem der Fall in der letzten Instanz landen könnte. Steiner beruft sich auf ein Buch des früheren DFB-Chefanklägers Horst Hilpert. Darin schreibt Hilpert, dass von der Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters in Ausnahmefällen abgewichen werden kann, wenn diese Entscheidung "unerträglich" sei und das Fair-Play-Prinzip die Korrektur des Fehlers dringend gebiete.