„Wir leben noch“

Fußball-Bundesligist Eintracht Braunschweig gibt sich im Kampf um den Klassenverbleib noch lange nicht geschlagen – das beweist der 3:1-Erfolg gegen Mainz 05. Doch Sieggarant Domi Kumbela bereitet Sorgen.

Domi Kumbela hatte seine Kappe tief ins Gesicht gezogen und machte ein grimmiges Gesicht. Der Mann, der Eintracht Braunschweig im Abstiegskampf mit seiner Gala-Vorstellung neue Hoffnung eingehaucht hatte, wollte nicht reden. Nicht über seinen Doppelpack beim 3:1 (2:1) gegen den FSV Mainz 05 inklusive eines Fallrückziehers der Marke "Tor des Jahres" - und schon gar nicht über seine Zukunft bei dem Traditionsclub. Und so schritt Kumbela nach getaner Arbeit wortlos in die Nacht.

Das Reden übernahmen andere. "Er hat seinen Job sensationell gemacht", sagte Trainer Torsten Lieberknecht über seinen Angreifer: "Domi ist vorausgegangen und hat das Team gepusht. Das zeigt, was in ihm steckt." Kurz vor Abpfiff holte Lieberknecht seinen Kapitän vom Platz und die Braunschweiger Anhänger unter den 21 880 Zuschauern erhoben sich von ihren Plätzen, um den Kongolesen für dessen Saisontore sieben und acht zu feiern.

Kumbela hatte nahezu im Alleingang für den so wichtigen Sieg im Ringen um den Klassenverbleib gesorgt und seiner Leistung mit einem spektakulären Fallrückzieher (77. Minute) die Krone aufgesetzt. "Wahnsinns-Treffer", sagte Harvard Nielsen, der in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit sein erstes Tor in der Fußball-Bundesliga erzielte hatte. Kumbela hatte per Kopfball schon für die Führung gesorgt (18.). Nicolai Müller konnte für Mainz nur zwischenzeitlich ausgleichen (20.).

Die Braunschweiger sind zwar weiter Tabellenletzter, aber wieder mittendrin im Kampf um einen Nichtabstiegsplatz. "Wir leben noch", sagte Mittelfeldspieler Damir Vrancic. Und das haben sie Kumbela zu verdanken. Der 29-Jährige erzielte sechs der 14 Eintracht-Tore in der Rückrunde. Doch Lieberknecht wollte ihn nicht allzu sehr loben. "Wir schätzen ihn - mit all seinen Ecken und Kanten", sagte er mit liebevoller Strenge und erinnerte indirekt daran, dass der Club dem zum Aufbrausen neigenden Stürmer auch in privat schwierigen Phasen der Karriere die Unterstützung nicht verwehrte. Lieberknecht ist angesäuert, dass Kumbela damit zögert, der Eintracht auch über den Sommer hinaus die Treue zu schwören. Im Falle eines Abstiegs kann Kumbela den Club trotz eines bis 2016 geltenden Vertrags ablösefrei verlassen.

Aber vielleicht schafft die Eintracht ja mit einem wiedererstarkten Kumbela doch noch das vermeintlich Unmögliche. Gegen Mainz überzeugte der Aufsteiger zwar nicht spielerisch, aber technische Mängel und Spielkultur kompensierten die Niedersachsen durch Kampf, Leidenschaft und Laufbereitschaft. Der FSV wurde förmlich niedergerannt.