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„Wir hamm se fertisch gemacht“

Sepang. Der völlig überraschende Triumph im zweiten Rennen für Ferrari hat Sebastian Vettel tief bewegt. Vor allem die Erinnerungen an sein Idol Michael Schumacher rührten den viermaligen Weltmeister zu Tränen. Sid-Mitarbeiterpatrick Storzer

Sebastian Vettel kämpfte mit den Freudentränen, schüttelte immer wieder den Kopf, jubelte auf deutsch, italienisch und hessisch, zeigte den Vettel-Finger und dirigierte mit Gänsehaut wie sein Idol Michael Schumacher die letzten Takte der italienischen Hymne. "Grande Seb" hat mit dem Sieg beim Großen Preis von Malaysia in seinem zweiten Rennen für Ferrari die Scuderia auf Wolke sieben katapultiert.

Taktische Meisterleistung


"Ferrari is back - Ferrari ist zurück" jubelten die Verantwortlichen um Teamchef Maurizio Arrivabene, der sich seiner Tränen nicht schämte. Vettel war sichtlich bewegt, er habe "bei der italienischen Hymne in die Augen der Mechaniker" gesehen. Die Freude, die Liebe, die er darin gefunden hat, machten den Kindheitstraum für den viermaligen Weltmeister perfekt. Mit einer taktischen Meisterleistung ließ Vettel in seiner "Eva" genannten Roten Göttin die erfolgsverwöhnten Silberpfeile mit Weltmeister Lewis Hamilton auf Rang zwei sowie Nico Rosberg auf drei hinter sich und bescherte Ferrari den ersten Sieg seit fast zwei Jahren. Der Heppenheimer sendete Grüße an die Familie und scherzte in Richtung Mercedes in breitem Hessisch: "Wir hamm se fertisch gemacht."

Mit dem Erfolg in Sepang , dem 40. Sieg seiner Karriere, ist Sebastian Vettel endgültig in die Fußstapfen von Rekordweltmeister Michael Schumacher getreten, der im Oktober 2006 in China seinen letzten Sieg in Rot gefeiert hatte. Für ihn sei sein erster Ferrari-Erfolg noch ein bisschen wichtiger als der Premieren-Sieg 2008 im Toro Rosso in Monza: "Es bedeutet ein bisschen mehr für mich. Michael war mein Held, jeder auf der Kartbahn hat zu ihm aufgeschaut."

Die Fußstapfen seines Freundes, der sich nach seinem schweren Skiunfall weiter in der Rehabilitation befindet, seien groß, aber "ich habe unterschrieben, um den Titel zurück nach Maranello zu holen", stellte Vettel klar. Der 27-Jährige beendete eine Durststrecke der Scuderia, die seit Fernando Alonsos Heimsieg am 12. Mai 2013 in Barcelona angedauert hatte. Ende des vergangenen Jahres war deshalb in Maranello alles auf den Prüfstand und auf den Kopf gestellt worden.

Der Sieg schmeckte umso süßer, weil Vettel Mercedes mit Weltmeister Lewis Hamilton und Nico Rosberg auf den Plätzen zwei und drei dank einer perfekten Vorstellung sportlich in die Schranken weisen konnte. Die erfolgsverwöhnten Silberpfeile wählten die falsche Taktik und waren wohl auch von der Geschwindigkeit der Scuderia überrascht. Nico Hülkenberg (Emmerich) im Force India belegte den 14. Platz.

"Ferrari hat sich diesen Sieg einfach verdient", sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff: "Für uns ist das ein Weckruf, für den Sport ist es gut. Wir haben viele Rennen gewonnen, jetzt haben wir mal wieder verloren."

Am Start lieferten sich Vettel und Rosberg hinter dem souveränen Hamilton ein hartes Duell um Platz zwei, doch im entscheidenden Moment machte der Ferrari-Star die Tür zu und verteidigte seine Startposition. Nach einem Dreher von Marcus Ericsson im zweiten Sauber musste frühzeitig das Safety Car auf die Strecke, viele Teams holten ihre Fahrer für die ersten Reifenwechsel an die Box. Darunter auch Hamilton und Rosberg, so dass sich Vettel an die Spitze setzte.

Erst, als auch Vettel nach rund einem Drittel des Rennens zum ersten Mal die Box ansteuerte, schoben sich die beiden Silberpfeile am Heppenheimer vorbei. Allerdings konnte sich Rosberg nicht lange vor der "Roten Göttin" halten. Der wesentlich schnellere Vettel überholte den Vize-Weltmeister problemlos, und auch Hamilton fiel nach einem Boxenstopp wieder zurück. Die Nervosität an der Mercedes-Box stieg nun - zurecht, denn Vettel ließ sich den Sieg nicht mehr nehmen.