Wimbledon meldet sich zurück

Wimbledon meldet sich zurück

2002 gründeten Fans des FC Wimbledon aus Protest gegen den Umzug ihres Teams nach Milton Keynes ihren eigenen Verein. 14 Jahre und zahlreiche Aufstiege später steht der inzwischen in der 3. Liga spielende AFC Wimbledon erstmals vor dem Rivalen.

Auf diesen Tag hatten die Anhänger des AFC Wimbledon 14 lange Jahre gewartet. Erstmals steht der 2002 von Fans gegründete Club vor dem verhassten Rivalen Milton Keynes Dons - er sorgt damit auch für einen Hauch Fußball-Romantik im durchkommerzialisierten Fußballgeschäft. Von einem "historischen Meilenstein" schrieb die englische Tageszeitung "The Guardian ", nachdem der Drittligist am Sonntag durch einen 3:1-Erfolg bei Oxford United an den MK Dons vorbeigezogen war.

Rückblick: 2002 ist der traditionsreiche FC Wimbledon insolvent. Die neuen Besitzer verlagern den Club ganz nach Vorbild der US-Profiligen nach Milton Keynes, einer in den 1960er Jahren am Reißbrett entworfenen Stadt 100 Kilometer nördlich von London. Sie benennen ihn wenig später um - der MK Dons, der wohl unbeliebteste Club im englischen Fußball, ist geboren.

Die Fans des FC Wimbledon liefen Sturm, zerstörten Fanshops und warfen Hundekot in den Briefkasten des neuen Besitzers. Alles vergeblich. Der FC Wimbledon , 1988 FA-Cup-Sieger und berühmt geworden durch den überharten Spielstil der "crazy gang" um Rüpel Vinnie Jones, hörte auf zu existieren.

Aus Protest gründeten die Anhänger den AFC Wimbledon . Sie starteten in der neunten Liga, der "Combined Counties League" - ganz unten, aber mit viel Enthusiasmus. Noch immer gehört der AFC einer fangetragenen Gesellschaft, jedes Mitglied hat eine Stimme. Inzwischen - sechs Aufstiege später - spielt der AFC in der 3. Liga. Er ist in dieser Saison erstmals Ligakonkurrent der MK Dons, die vergangene Spielzeit aus der 2. Liga abstiegen.

Inzwischen taugt das "Fußball-Märchen" aus Wimbledon sogar zum Filmstoff. Der Bestseller-Autor John Green ("Das Schicksal ist ein mieser Verräter") kündigte im April an, die Geschichte des Clubs auf die Leinwand zu bringen. "Das ist die größte Außenseiter-Geschichte, von der man bisher nichts gehört hat", sagte Green: "Eine Geschichte über ein paar gealterte Leute mit normalen Jobs, die keine Ahnung davon haben, wie man einen Sportverein führt." Green ist schon lange beim Verein aktiv. 2014 wurde er Sponsor des Clubs, ein Jahr später wurde eine Tribüne nach ihm benannt.

Mit dem Erreichten will sich der Verein aber nicht zufrieden geben, am 10. Dezember kommt es zum ersten Ligaduell mit den MK Dons. Drei Mal trafen die Clubs bereits in Pokal-Wettbewerben aufeinander - das erste Duell wurde 2012 sogar live im Fernsehen übertragen.

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