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Willkommen in der Bundesliga

Die Frauen des 1. FC Saarbrücken haben sich im letzten Saisonspiel bei Bayer Leverkusen nicht mehr die Butter vom Brot nehmen lassen und spielen in der kommenden Saison wieder in der Fußball-Bundesliga. Von Stefan Regel und Jan Morawski (SZ)

Leverkusen. Als Nadine Keßler gestern die Meisterschale mit beiden Händen in die Höhe riss, jubelte ihr Team ausgelassen. Die Fußball-Frauen des 1. FC Saarbrücken haben gestern den Aufstieg in die 1. Bundesliga perfekt gemacht. Der FCS siegte durch die Tore von Dzsenifer Marozsan (2., 40. Minute) sowie Lisa Schwab (16.) mit 3:2 (3:1) bei Bayer Leverkusen und machte somit dem Heimsieg des VfL Sindelfingen nutzlos. Die Gegentore von Maren Henseler (33., 58.) waren nur noch eine Randnotiz.



Der Jubel war groß - aber Tränen gab es keine. Spielführerin Nadine Keßler erklärte: "Das letzte Heimspiel war schon so emotional, das kann man nicht mehr toppen. Heute überwiegt die Freude, aber nach dem dritten oder vierten Bier wird bestimmt auch die Depression kommen." Keßler glaubt, dass der FCS trotz der fünf Abgänge die Klasse halten kann. "Wäre die Situation so wie jetzt gewesen, hätte ich die Entscheidung für die Heimat getroffen", gab Keßler zu und sagte zugleich: "Es ist ja auch nicht für immer." "Kessi" hat in Potsdam einen Zweijahres-Vertrag mit einer Ausstiegsklausel im kommenden Sommer.

Als Grund für den Aufstieg gibt das "Herz" der FCS-Frauen an, dass die Mannschaft seit drei Jahren zusammen ist und mehr Erfahrung als Sindelfingen hat: "Wir hatten die besseren Nerven und vielleicht auch den größeren Willen". Das fand auch Josephine Henning, die ebenfalls nach Potsdam wechselt. Diesen Wechsel bereut sie trotz des erfreulichen Saisonabschlusses nicht: "Ich stehe zu dieser Entscheidung, egal was kommt. Ich habe jetzt diesen Weg gewählt und werde ihn gehen." Lisa Schwab sah das gestern genauso: "Ich habe diese Entscheidung getroffen, dabei bleibt es. Bedanken möchte ich mich noch bei unserer Landestrainerin Margret Kratz."

Selina Wagner, die es nach Wolfsburg zieht, findet die Abgänge "schade für das ganze Team". So wie Keßler kann auch sie sich eine Rückkehr durchaus vorstellen. "Warum sollten wir nicht irgendwann alle wieder zusammenspielen?", sagte sie. Das würde auch Dzsenifer Marozsan gefallen, die zum FFC Frankfurt wechselt. "Das ist ein schöner Abschluss", sagte Marozsan und wünschte wie ihre vier Kolleginnen dem FCS alles Gute.

Dem Verein erhalten bleiben wird Trainer Winfried Klein. Er wird laut Abteilungsleiter Joachim Grewenig wahrscheinlich in seinem neuen Aufgabengebiet für die zweite und dritte Mannschaft sowie den Jugendbereich zuständig sein. Der Name des neuen Trainers soll bis Mittwoch bekannt gegeben werden. Dabei deutet offenbar vieles auf Stephan Fröhlich vom FFC Frankfurt II hin. Grewenig bezeichnete ihn als "interessanten Mann".



Co-Trainer bleibt laut Grewenig Sebastian Rytzmann. "Er ist ein wesentlicher Bestandteil", lobte ihn Winfried Klein. "Glaube versetzt Berge. Das habe ich meinen Mädels immer wieder eingetrichtert", gab Klein als Erfolgsrezept an. Auch verriet er, dass in der Kabine der Mannschaft das Wort "Stolz" zu lesen war. Das kann die Mannschaft nach dieser Saison allemal sein.

"Wir planen mit 1000 Fans pro Spiel"

FCS-Abteilungsleiter Grewenig: "Gnadenloser Wille" als Erfolgsgeheimnis

Leverkusen. Am Rande des letzten Spiels sprach die Saarbrücker Zeitung mit Joachim Grewenig, dem Abteilungsleiter Frauenfußball des 1. FC Saarbrücken, über die Planungen für die kommende Saison.

Herr Grewenig, herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg. Was sind jetzt die vordringlichsten Aufgaben?

Joachim Grewenig: Der Kader muss gut verstärkt werden. Wir stehen mit etlichen Spielerinnen in Kontakt. Viele sehen durch unsere Abgänge natürlich auch eine Chance, jetzt bei uns regelmäßig zu spielen.

Mit wie vielen Zuschauern rechnen Sie in der kommenden Saison in der Frauen-Bundesliga?

Grewenig: Wir planen mit 1000 Fans pro Spiel. Es werden auch mehr und mehr Fans von den Männern zu uns schauen kommen. Bei uns hat es schließlich auch noch nie Randale gegeben.

Auf welchen Positionen muss es vor allem Verstärkungen geben?

Grewenig: Auf der Nummer sechs, der Nummer zehn, im Sturm und vielleicht auch in der Innenverteidigung. Eine große Verstärkung wird Agata Tarczynska sein, die schon vor einigen Jahren bei uns war. Sie spielt offensives Mittelfeld, in der polnischen Nationalelf im Sturm. Von den übrigen 17 Spielerinnen haben 14 verlängert. Drei sind noch nicht fix, bei ihnen sieht es aber gut aus.

Was hat am Ende den Ausschlag für die Meisterschaft zugunsten des FCS gegeben?

Grewenig: Die bessere und kontinuierlichere Spielweise als Sindelfingen. Dazu der gnadenlose Wille - auch bei denen, die weggehen. Hätte sich die Mannschaft der Stimmung im Umfeld angepasst, stünden wir nicht da, wo wir jetzt stehen.

Meinung

FCS-Führung ist jetzt gefordert

Von SZ-Redaktionsmitglied Stefan Regel

Es ist geschafft - das Saarland darf sich auf die Frauenfußball-Bundesliga freuen. Aber viele Fans fürchten, dass der 1.  FC Saarbrücken in der Eliteklasse ohne die fünf Jugend-Nationalspielerinnen, die den Verein verlassen, nur Kanonenfutter ist. Doch das muss nicht so kommen. Teams wie der letzte Aufsteiger USV Jena beweisen, dass man auch ohne den technischen Zauber einer Dzsenifer Marozsan oder Nadine Keßler die Klasse halten kann.

Der FCS muss sich dennoch richtig verstärken - und zwar in Mannschaftsteilen. Hier ist die sportliche Führung, die in Sachen Vertragsverlängerungen große Fehler gemacht hat, gefordert. Weitere Abgänge dürfen nicht mehr dazukommen. Und der FCS sollte schnellstmöglich seinen neuen Trainer präsentieren, ihn in die Planungen für die kommende Saison einbeziehen und ihn seine Arbeit beginnen lassen. Dann kann der neuen Saison mit viel Freude entgegen geblickt werden.