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Wie sich der Lockdown auf den Jugendfußball auswirkt

Lagerbericht der SG Höcherberg : Wie sich der Lockdown auf den Jugendfußball auswirkt

Der Nachwuchs auch bei der SG Höcherberg fiebert der Nach-Corona-Zeit entgegen. Trainer Alfred Klein fürchtet aber Abgänge.

Die erneute Corona-Zwangspause stellt auch für viele Nachwuchsabteilungen in Fußball-Vereinen ein großes Problem dar. „Wie sollen wir die Kinder auch außerhalb des Trainingsbetriebs bei Laune halten und dafür sorgen, dass es auch in Sachen sportlicher Entwicklung kein komplett verlorenes Jahr 2020 wird?“, fragt man sich in so manchem Verein.

Bereits von März an hatte der Trainings- und Spielbetrieb wochenlang geruht. Später war nur ein eingeschränktes Training auf Abstand möglich. Und nun, als sich die Kinder und Jugendlichen wieder an einen regelmäßigen Umgang mit dem Ball gewöhnt hatten, war wieder Schluss. Jetzt wird darauf gehofft, dass die Politik grünes Licht dafür gibt, zumindest mittelfristig wieder draußen trainieren zu können. „Dieses Corona-Jahr werden wir niemals vergessen“, sagt Alfred Klein aus dem Trainerteam der E-Jugend der SG Höcherberg. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss aus den Vereinen FSV Jägersburg, SV Reiskirchen und ASV Kleinottweiler. „Zunächst war uns im März nichts anderes übrig geblieben, als uns auf unbestimmte Zeit von den Kindern zu verabschieden. Wochenlang waren ja damals außer für Notgruppen auch Schulen und Kindergärten zu. Niemand wusste, wann die zugesperrten Sportplätze wieder aufgeschlossen werden können“, erinnert sich Klein zurück.

Als es grünes Licht für einen eingeschränkten Trainingsbetrieb gegeben habe, wurde dies auch bei der SG Höcherberg wahrgenommen. „Wir fingen wieder mit unserer E-Jugend an. Draußen von der Straße aus wurden wir mehrfach vom Ordnungsamt kontrolliert. Das Training auf Abstand hatte überraschend gut funktioniert. Wir haben extrem viele Übungen mit Abschluss und Challenges gemacht, um die Kids bei Laune zu halten“, berichtet der E-Jugend-Trainer. Nach einigen Wochen seien bereits die künftigen E-Jugendlichen ins Training mit dazu geholt worden. „Auch bei ihnen hat sich – auch dank der Eltern, die den Kleinen bereits im Vorfeld alles genau erklärt hatten – alles ziemlich problemlos dargestellt. Später hatten wir eine kurze Sommerpause gemacht“, sagt Klein.

Mit den neuen E-Jugendlichen und weiter einigen F-Junioren sei nach Aufhebung der strengsten Corona-Regeln wieder mit erlaubten Zweikämpfen ins Training eingestiegen worden. „Man hat gemerkt, dass die Kinder wieder richtig heiß darauf waren, Fußball spielen zu können. Wir haben alles gemacht, was möglich war, aber natürlich drumherum die bekannten Regeln, wie Abstand einhalten und die Auskünfte von allen Anwesenden einholen, eingehalten. Es gab viele Testspiele. Und natürlich war die Freude riesengroß, als es endlich wieder um Punkte ging“, meint Klein.

Doch dann sei es zum zweiten Lockdown gekommen. „Als wir im strömenden Regen das letzte Training anbieten durften, sind schon bei vielen Kindern, Eltern und dem Trainerteam die Emotionen hoch gekommen. Es war völlig unklar, wann wir uns wiedersehen dürfen. Unter Einhaltung der Regeln trafen sich je ein Trainer und sein Sohn auf Abstand noch mit je einem Kind zum Fußballspielen – eben dort, wo es noch erlaubt war. Wir versuchten dadurch, den Kontakt nicht ganz abreißen zu lassen. Aber natürlich ist es etwas ganz anderes, sich größtenteils nur übers Handy auszutauschen, als auf dem Sportplatz treffen zu können“, weiß Klein.

Im ersten Lockdown habe auch eine Klopapier-Challenge für Abwechslung gesorgt. Die per Handy zugesendeten Beiträge seien zu einem Film zusammengeschnitten worden. „Wir wären froh, mit den Kindern wieder mittelfristig trainieren zu dürfen. Nach den Rückmeldungen in unserer Whats-App-Gruppe sieht es erneut so aus, dass uns zum Glück alle Kinder erhalten bleiben“, sagt Klein und ergänzt: „Fällt allerdings das Training nun noch längere Zeit aus, gehe ich auch von Abmeldungen aus. Einige Kinder merken vielleicht dann, dass ihnen der Fußball nicht so sehr fehlt und daddeln lieber künftig in ihrer Freizeit. Und gerade für uns als kleinen Verein, bei dem der Spaß über den Ergebnissen steht, wäre das eine Katastrophe. Wir sind ja in erster Linie als Trainerteam da, um die Kids von der Straße wegzuholen und ihnen viel Spaß im Training zu bieten. Außerdem sind wir eine richtige Multi-Kulti-Truppe und wollen den Kleinen auch mit auf den Weg geben, wie man unabhängig von seiner Hautfarbe und Herkunft her miteinander umzugehen hat.“

Und natürlich sei es auch im sportlichen Bereich ein großes Problem, die Kids Stück für Stück voranzubringen, wenn andauernd Pause ist. Man zeige allerdings aufgrund der hohen Corona-Infektionszahlen „vollstes Verständnis für Maßnahmen der Politik, die einfach getroffen werden müssen. Schließlich wollen wir auch alle gesund bleiben.“