Wie eine Kannibalin

Chanty-Mansijsk. Magdalena Neuner ist auf dem allerbesten Weg, sich das schönste Abschiedsgeschenk zu machen. Zum Auftakt des Weltcup-Finales in Chanty-Mansijsk feierte die Biathlon-Rekordweltmeisterin in ihrem letzten Sprint-Rennen am Freitag ihren 34. Einzelsieg

Chanty-Mansijsk. Magdalena Neuner ist auf dem allerbesten Weg, sich das schönste Abschiedsgeschenk zu machen. Zum Auftakt des Weltcup-Finales in Chanty-Mansijsk feierte die Biathlon-Rekordweltmeisterin in ihrem letzten Sprint-Rennen am Freitag ihren 34. Einzelsieg. Vor den letzten zwei Saison-Rennen, den letzten beiden Wettkämpfen ihrer Sport-Karriere, hat die 25-Jährige im Kampf um den Gesamtweltcup 67 Punkte Vorsprung vor ihrer Rivalin Darja Domratschewa. Die Weißrussin wurde am Freitag hinter Vita Semerenko aus der Ukraine Dritte."Das hat heute einfach nur Spaß gemacht. Vor allem, weil der WM-Stress weg war", sagte Neuner: "Ich will zum Abschluss meiner letzten Saison die große Kristallkugel als Andenken mit nach Hause nehmen." Sollte Deutschlands Sportlerin des Jahres den Verfolgungs-Wettkampf am Samstag (13.45 Uhr/ZDF und Eurosport) sowie den Massenstart am Sonntag (12.45 Uhr) ähnlich gut überstehen, hätte sie die Kugel nach 2008 und 2010 zum dritten Mal gewonnen.

Für einen Weltcup-Sieg gibt es 60 Punkte, die beiden schwächsten Ergebnisse der Saison werden am Sonntag gestrichen. "Hier wird nicht mehr viel passieren", sagte Domratschewas Trainer Klaus Siebert mit Blick auf das Klassement - und mit Blick auf Neuners aktuelle Form. Trotz zweier Schießfehler und damit zweier Strafrunden war die 25-Jährige am Freitag nicht zu stoppen. Wie einst der Norweger Ole Einar Björndalen, den sie den Kannibalen nannten, ließ Neuner ihre Konkurrentinnen, die alle weniger Schießfehler hatten, hinter sich.

Abgesehen von ihrem 18. Sprint-Sieg insgesamt - es war der zehnte Erfolg in diesem Winter - war in Sibirien für Magdalena Neuner zunächst nichts, wie es immer war. Schon beim ersten Training auf der Strecke, erzählte sie am Freitag, habe sie einen "sentimentalen Moment" gehabt. Sie habe an die erfolgreiche WM 2011 hier, an die tolle WM 2012 in Ruhpolding und an das endgültige Ende nach diesen Wettkampftagen denken müssen.

Wie im Vorjahr teilt sich Neuner ein Zimmer mit ihrer Teamkollegin Miriam Gössner. "Als Miri und ich in unser Zimmer gekommen sind, hatten wir ein richtiges Déjà Vu, weil alles genauso aussah wie im vergangenen Jahr. Da haben wir uns erstmal den WM-Erinnerungen hingegeben, was sehr lustig und auch ein bisschen wehmütig war." So langsam wird Neuner der Abschied offenbar bewusst. dpa

"Das hat heute einfach nur Spaß gemacht."

Biathlon-Star

Magdalena Neuner

Auf einen Blick

Arnd Peiffer ist am Freitag im letzten Biathlon-Männersprint der Saison in Chanty-Mansijsk Zweiter geworden. An der Stätte seines größten Erfolges musste sich Peiffer nur dem fehlerfrei schießenden Dreifach-Weltmeister Martin Fourcade aus Frankreich um 5,3 Sekunden geschlagen geben. Peiffer, der vor einem Jahr in Sibirien überraschend Sprint-Weltmeister geworden war, musste dagegen einmal in die Strafrunde. Zum Abschluss der Saison stehen an diesem Samstag die Verfolgungs-Rennen und am Sonntag die Massenstarts auf dem Programm. dpa