Widerstand formiert sich gegen FCS-DJK-Deal

Widerstand formiert sich gegen FCS-DJK-Deal

Der 1. FC Saarbrücken möchte das Spielrecht der DJK Bildstock für die Saarlandliga „kaufen“. Das geplante Geschäft ruft jetzt Kritiker auf den Plan.

Ralf Weiser ist ein Freund offener Worte. Was der Vorsitzende des Fußball-Landesligisten FC Wadrill am vergangenen Samstag in der SZ las, gefiel ihm trotzdem nicht. "Wir verkaufen nur das Spielrecht." So hatte sich Heinz Eigner von der DJK Bildstock zu dem Plan geäußert, den eigenen Startplatz in der Saarlandliga an den 1. FC Saarbrücken weiterzugeben. Damit die Blau-Schwarzen wieder eine U23 im höheren Amateurfußball haben können. Weil Geld fließen soll, hatte DJK-Vorsitzender Eigner das Interesse des FCS als "Sechser im Lotto" bezeichnet.

Ginge es nach Weiser, müsste der Saarländische Fußball-Verband (SFV) reagieren. "Ich wäre dafür, dass die Spruchkammer des SFV die DJK Bildstock mit einer Geldstrafe belegt für solche Aussagen." Es geht dem Funktionär aber nicht nur um die Wortwahl, wenn er sagt: "Man kann Spielrechte nicht verkaufen." Weiser sieht den sportlichen Wettbewerb in Gefahr. Und er ist der Meinung, dass die Verbandsregeln gegen den geplanten Deal sprechen. Der Vorsitzende aus Wadrill kennt sich mit Ordnungen und Satzungen gut aus. Er vertritt im Spielausschuss des Fußball-Regionalverbandes Südwest als gewähltes Mitglied die Vereine.

Die Saarlandliga kostet der DJK Bildstock zu viel Geld. Außerdem fordert das Finanzamt einen größeren Betrag von dem Mehrspartenverein. Immer wieder befinden sich Clubs in einer ähnlichen Situation. Das Beispiel DJK Bildstock könnte Nachahmer finden. Entsteht hier ein neuer Markt, auf dem Spielrechte angeboten werden? Das glaubt Andreas Schwinn nicht. Der Geschäftsführer des SFV sieht keine Nachfrage: "Wie viele Vereine gibt es denn, für die das in Frage käme?" Im Moment nur den 1. FC Saarbrücken. Nach SZ-Informationen fragte der Regionalligist bei mehreren Vereinen an - und fand dann die Zustimmung bei der DJK Bildstock.

Die DJK will ihre erste Mannschaft abspalten, der FCS sie aufnehmen. Ohne Spieler. Klar erscheint: Mehr als den Startplatz in der 6. Liga will der FCS nicht. "Diese Abspaltung der Mannschaft ist kein Problem, aber Spielrechte vergibt immer der DFB über die Landesverbände", meint Weiser. Das heißt für ihn: "Es gibt keine Möglichkeit, das Spielrecht zu übernehmen." Darüber hinaus bringt er rechtliche Schritte durch den Verband ins Spiel: "Dem SFV muss daran gelegen sein, das juristisch zu klären und dem FCS zu zeigen: Das geht nicht."

Andreas Schwinn schätzt die Lage anders ein. "Es gibt rechtliche Rahmenbedingungen, an die müssen sich alle halten", erklärt der Verwaltungschef des SFV: "Im Moment ist die Rechtslage so, dass der 1. FC Saarbrücken das Vereinsrecht nutzt, um eine zweite Mannschaft an den Start zu bringen." Über Bildstock. Der Verband sei juristisch nicht in der Lage, dagegen ein Veto einzulegen. Über die DJK sagt Schwinn: "Wir haben das Spielrecht an den Verein erteilt." Entziehen will er es ihm nicht. "Das können wir nicht", erklärt Schwinn.

So sieht es aus Verbandssicht im Saarland aus. Anders in Sachsen: Dort übernahm 2011 die BSG Chemie das Landesliga-Spielrecht von Blau-Weiß Leipzig. Mit dem Segen der Funktionäre. In der Spielordnung des Sächsischen Fußball-Verbandes gibt es einen eigenen Passus für Fälle von "Vereinsfusionen und -zusammenschlüssen". Die Regel: Das Verbandspräsidium entscheidet auf Antrag über die Spielklasse. Nach genauen Richtlinien. Was würden die Sachsen tun, sollte jemand sein Spielrecht verkaufen wollen? "Das geht gar nicht", sagt Vize-Präsident Stephan Oberholz: "Das wäre für uns ein Grund zu sagen: Das ist ein Missbrauch."

Im Saarland findet am 17. Juni der Verbandstag statt. Ein seltener Termin, bei dem Vertreter aller Vereine zusammenkommen. Hier geht es um Satzungen, Ordnungen - und um Verbandspolitik. Sollte aus Bildstock der FCS II werden, dürfte das auf der Tagesordnung stehen. Ralf Weiser will über den Fall abstimmen lassen, er bereitet einen Antrag vor. Unabhängig von der Rechtslage, auf die SFV-Mann Schwinn verweist. "Andreas Schwinn weiß, dass die Basis sowas nicht mitträgt", sagt Weiser. Die SFV-Führung wappnet sich. "Natürlich werden wir uns auf den Verbandstag vorbereiten", kündigt Schwinn an.

Am 10. Mai trifft sich der Verbandsvorstand. Wird dann auch über Regeländerungen diskutiert? "Im Moment gibt es keine Lücke", sagt der frühere Fußballer klar. Trotzdem könnte es zum Thema werden, ins Regelwerk einen Passus wie in Sachsen "vorsorglich einzubauen", so Schwinn.

Dass dem SFV im aktuellen Fall die Hände gebunden sind, stellt nicht nur Ralf Weiser in Frage. Aus Verbandskreisen ist zu hören, dass dem 1. FC Saarbrücken für den Deal zu früh grünes Licht in Aussicht gestellt worden sei.