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Welche Trümpfe stechen?
Wer holt die erste deutsche Medaille?

Das erste Gold im Eiskanal? Felix Loch ist einer der heißesten deutschen Medaillenhoffnungen.
Das erste Gold im Eiskanal? Felix Loch ist einer der heißesten deutschen Medaillenhoffnungen. FOTO: Tobias Hase / dpa
Pyeongchang. Aussichtsreichste Kandidatin in Pyeongchang ist Biathlonstar Laura Dahlmeier. Auch Rodler Felix Loch hofft.

Laura Dahlmeier oder schon wieder Felix Loch: Wer wird erster deutscher Olympiasieger in Pyeongchang und legt die Goldspur für das 153-köpfige Team bei den 23. Winterspielen? Gleich mehrere Aspiranten hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) am Samstag und Sonntag am Start, die heißeste Kandidatin für den ersten Gipfelsturm aber ist Hobby-Bergsteigerin Laura Dahlmeier. Und das nicht nur, weil ihre Entscheidung als erste beendet sein wird.


Die 24-Jährige aus Partenkirchen, im vergangenen Jahr mit fünf Mal Gold die Königin der Biathlon-WM in Hochfilzen, ließ sich auch von zwei krankheitsbedingten Rückschlägen in der Saison nicht stoppen und fand rechtzeitig wieder zu ihrer Form. Die Zollbeamtin warnt jedoch vor ihrem Einsatz im Sprint am Samstag (20.15 Uhr Ortszeit/12.15 Uhr MEZ) vor überzogenen Erwartungen: „Die fünf Goldmedaillen waren eine einmalige Geschichte. So etwas wird es vielleicht nie wieder geben. Damals hat einfach alles gepasst.“

Fünf Mal Gold im Alpensia Biathlon Centre würde Dahlmeier natürlich mit Kusshand nehmen. Ihr Ziel aber ist ein anderes: „Ich möchte mit einer Medaille heimfahren, am liebsten einer goldenen. Ich fühle mich topfit, die Chancen sind da.“ Eine ihrer schärfsten Rivalinnen kommt aus dem eigenen Team. Spätestens nach ihrem Doppelsieg beim Weltcup-Auftakt in Östersund darf Umsteigerin Denise Herrmann ein solcher Coup zugetraut werden. In der Loipe ist sie wohl die Schnellste, da muss es nur am Schießstand noch klappen.

Sollten die Skijägerinnen am ersten Olympia-Tag mit Entscheidungen leer ausgehen, könnten die Skispringer zuschlagen. Richard Freitag gilt im Wettbewerb von der Normalschanze (21.35 Uhr Ortszeit/13.35 Uhr MEZ) unter den fünf deutschen Adlern als besonders aussichtsreich, einen guten Eindruck auf der Normalschanze hinterließ im Training Andreas Wellinger. Nur Außenseiterchancen werden Eisschnellläuferin Claudia Pechstein auf ihrer „Nebenstrecke“ über 3000 Meter eingeräumt. Mehr wird der fünfmaligen Olympiasiegerin über 5000 Meter zugetraut.

Und wenn es am Samstag mit dem ersehnten ersten Gold nicht klappt, könnte am Sonntag wieder die große Stunde des Felix Loch schlagen. Der Berchtesgadener hat die Möglichkeit, wie schon in Vancouver 2010 und Sotschi 2014 den Bann zu brechen und mit seinen vier Fahrten im Olympic Sliding Centre zum dritten Mal nacheinander Gold Nummer eins zu schürfen. Gold Nummer drei wäre etwas Historisches bei den Rodlern: Nur seinem Mentor und Trainer Georg Hackl ist dieses Kunststück bei Olympia gelungen.



Ein Selbstläufer wird es für Felix Loch trotz jahrelanger Dominanz nicht. Die Spitze ist breiter geworden. „Früher hattest du vielleicht zwei, drei Rodler, die ganz vorne mitmischen, jetzt sind es auf jeden Fall fünf, sechs, doppelt so viele.“ Die Wahrscheinlichkeit auf Gold betrage daher „im Zweifel weniger als 50 Prozent“.

Und wenn also auch dieser Trumpf nicht sticht? Dann wäre da noch ein Abfahrer, der am 20. Januar mit seinem Sieg auf der berühmten Streif in Kitzbühel ins grelle Rampenlicht fuhr. Thomas Dreßen könnte in der Schussfahrt mit ihren langgezogenen Kurven, die dem 24-Jährigen liegen, der erste deutsche Olympiasieger in einer Abfahrt werden. Dies wäre für Dreßen die Krönung einer ohnehin schon märchenhaften Saison.