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Winter-Paralympics
Wenn Schnee zu warmem Tee wird

Pyeongchang. Steigende Temperaturen erschweren die Bedingungen bei den Paralympics.

Die frühlingshaften Temperaturen machen den Sportlern bei den Paralympics in Pyeongchang zu schaffen. Um die Strecken zu schonen, wurden gestern Trainingszeiten gecancelt, die Alpinen-Pisten bekamen ohnehin eine Rennpause. Friedhelm Julius Beucher hat dazu eine klare Meinung: „Wir sind in einem Nicht-Wintersport-Land“, sagt der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes. Die Schneeschmelze infolge hoher Temperaturen wundere ihn „nicht wirklich“.


Vor allem die Biathleten und Langläufer haben mit dem warmen Wetter zu kämpfen. Bei ihrem Langlauf-Silber-Sprint habe das Thermometer am Schlitten 19 Grad angezeigt, sagte Fahnenträgerin Andrea Eskau (46): „Leider leiden die Schnee-Bedingungen sehr. Wenn es noch ein bisschen wärmer gewesen wäre, wäre es warmer Tee geworden.“

Teamkollegin Anja Wicker beschrieb die Bedingungen im Biathlonstadion so: „Ich habe regelrecht geduscht am Schießstand.“ Schon 2017 beim Weltcup sei es ziemlich warm gewesen. „Die Pfütze kannte ich schon vom vergangenen Jahr“, erklärte die 26 Jahre alte Wicker. „Die Bedingungen hier sind grenzwertig.“ Die sehbehinderte Bronze-Gewinnerin im Biathlon über zehn Kilometer, Clara Klug (23), nahm es mit Humor: „Schwimmen ist nicht so meine Hauptdisziplin“, sagte sie.

Auch im Jeongseon Alpine Centre ist der einsetzende Frühling nicht zu übersehen. Auf den Hängen neben der Strecke liegt längst kein Schnee mehr, und auch auf der Piste kommen immer mehr braune Stellen zum Vorschein. „Der ganze Hang schmilzt mit der Zeit. Wir versuchen, diesen Prozess zu verlangsamen“, erklärt Para-Ski-Alpin-Renndirektor Ali Bombardier.

Unterdessen sind die deutschen Rollstuhl-Curler trotz eines ganz starken Turnierauftakts in der Vorrunde gescheitert. Ausschlaggebend war das 2:6 gestern gegen Kanada. Zum Turnierabschluss gelang der Mannschaft um Skip Christiane Putzich immerhin noch ein 8:4-Erfolg gegen Finnland.