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Wenn plötzlich der Vorhang fällt

Saarbrücken. Von einem Anfängerfehler spricht Holger Klose, wenn er erzählt, warum er bei der WM 2005 in Helsinki das Finale der letzten Acht im Hammerwurf verpasste. "Es war reine Kopfsache und hätte mir eigentlich nicht passieren dürfen", sagt der heute 36-Jährige, der damals für den SV schlau.com Saar 05 startete Von SZ-Mitarbeiter Stefanie Marsch

Saarbrücken. Von einem Anfängerfehler spricht Holger Klose, wenn er erzählt, warum er bei der WM 2005 in Helsinki das Finale der letzten Acht im Hammerwurf verpasste. "Es war reine Kopfsache und hätte mir eigentlich nicht passieren dürfen", sagt der heute 36-Jährige, der damals für den SV schlau.com Saar 05 startete.


Was war passiert? Es hatte gut angefangen für Klose, der zur WM fahren durfte, obwohl er die Norm-Weite nur einmal erbracht hatte. Bereits bei seinem ersten Versuch in der Qualifikation warf er 76,47 Meter und kam als Siebter eine Runde weiter. Das hatte er bei seinen WM-Teilnahmen in Athen und Edmonton nicht geschafft. Aber in Helsinki fühlte er sich stark. "Ich wollte unter die besten Acht kommen, und wenn ich mein volles Können abgerufen hätte, wäre ein Platz in den Top Fünf möglich gewesen."

Doch dann nahmen die Kampfrichter die Hämmer, die die Athleten in der ersten Qualifikationsrunde verwendet hatten, aus dem Wettkampf. "Es hieß, die Griffe seien nicht regelkonform, dabei wurden die Hämmer vorher offiziell zugelassen." Als er dann die neuen Griffe sah, "ging bei mir ein Vorhang runter". Mit 74,80 Metern schied Klose als Elfter aus.



Teamkollege Markus Esser erreichte das Finale der letzten Acht und schrammte mit 79,16 Metern nur um 19 Zentimeter an Bronze vorbei. "Der vierte Platz war ein hervorragendes Ergebnis, aber es ist bitter, die Medaille so knapp zu verpassen", sagt Klose. Er gibt auch zu bedenken, dass der Sieger und der Zweitplatzierte, die beiden Weißrussen Iwan Tichon und Wadim Dewjatowski, bei Olympia 2008 in Peking des Dopings mit Testosteron überführt wurden. "Da wird man natürlich misstrauisch und fragt sich, ob sie nicht 2005 auch schon was genommen haben." Würde man die Weißrussen aus dem Ergebnis von 2005 herausnehmen, hätte Esser Silber gewonnen, Klose wäre in den Top Ten. "Das hätte für den deutschen Hammerwurf viel bedeutet", sagt Klose und meint damit Prestige und Fördergelder.

Ein Jahr nach Helsinki musste Klose seine Karriere aufgrund einer anhaltenden Verletzungsmisere beenden. Inzwischen wohnt der zweifache Vater mit seiner Familie bei Kempten im Allgäu und arbeitet für ein Pharma-Unternehmen in Limburg. Der sportliche Ehrgeiz hat ihn in diesem Jahr wieder gepackt. Im April lief Klose zum ersten Mal einen Halbmarathon. "Ich wollte eine Zeit von 1:45 Stunden schaffen", erzählt er. Die Uhr blieb schließlich bei 1:40,17 Stunden stehen. "Das ist doch eine reife Leistung für einen Ex-Hammerwerfer, der früher ein Wettkampfgewicht von 130 Kilo auf die Waage brachte", sagt Klose und lacht. Ob er sich jemals an die volle Marathondistanz wagen wird, weiß er nicht. "Beim Halbmarathon dachte ich nach 17 Kilometern: 'Oh Gott, noch vier weitere'. Man muss doch verrückt sein, nochmal 21 Kilometer zu laufen."

Auf einen Blick

WM 2005 in Helsinki:

Saarländische Teilnehmer: Bianca Kappler (LC asics Rehlingen), Weitsprung, 19. Platz mit 6,35 Metern; Simon Kirch (SV schlau.com Saar 05), 4x400 Meter, 9. Platz mit 3:03,17 Minuten; Holger Klose (SV schlau.com Saar 05), Hammerwerfen, 11. Platz mit 74,80 Metern.

Deutsche Medaillen: Gold: Franka Dietzsch (Diskuswerfen); Silber: Christina Obergföll (Speerwerfen); Bronze: Ralf Bartels (Kugelstoßen), Michael Möllenbeck (Diskuswerfen), Steffi Nerius (Diskuswerfen).

Medaillenspiegel: 1. USA (14 Gold/8 Silber/3 Bronze), 2. Russland (7/8/5), 3. Äthiopien (3/4/2), ..., 12. Deutschland (1/1/3); Weltrekorde: Stabhochsprung, Jelena Issinbajewa (5,01 Meter). Speerwurf, Osleidys Menéndez (71,70 Meter), 20 Kilometer Gehen, Olimpiada Iwanowa 1:25,41. mast