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1. FC Saarbrücken
Wenn es zur Sache geht, ist er dabei

Fanol Perdedaj bringt die Erfahrung aus vielen Spielen in der 1. und 2. Bundesliga zum 1. FC Saarbrücken. Für den Kosovo hat der 26-Jährige sogar schon sechs Länderspiele absolviert.
Fanol Perdedaj bringt die Erfahrung aus vielen Spielen in der 1. und 2. Bundesliga zum 1. FC Saarbrücken. Für den Kosovo hat der 26-Jährige sogar schon sechs Länderspiele absolviert. FOTO: Andreas Schlichter
Saarbrücken. Eines der größten Raubeine der Fußballgeschichte ist das Vorbild von Fanol Perdedaj, dem Neuzugang des 1. FC Saarbrücken. Patric Cordier

Nur mit einem kleinen Rucksack „bewaffnet“ erschien Fanol Perdedaj gestern am FC-Sportfeld. Die neue Nummer 17 des Fußball-Regionalligisten 1. FC Saarbrücken wurde gleich von Spielführer Manuel Zeitz begrüßt. „Fanol, Marco Holz und ich haben gemeinsam in Cottbus gespielt“, erklärt Zeitz den freundschaftlichen Empfang, „er ist einer, der auf dem Platz keine Freunde kennt. Er haut sich in jeden Zweikampf als wäre es der letzte.“


Kein Wunder also, dass der Spitzname der neuen FCS-Kampfmaschine „Gattuso“ ist. „Er ist mein Vorbild und großes Idol seit der Jugend. Was er im Leben erreicht hat, ist einfach beeindruckend“, erzählt der 26-jährige Perdedaj, „irgendwann meinte ein Jugendtrainer, dass ich ihm ähnlich sehe. Seither nennen sie mich alle so.“

Gattuso, der 2006 mit Italien Weltmeister wurde und 2003 sowie 2007 mit dem AC Mailand die Champions League gewann, gilt als eines der größten Raubeine der Fußballgeschichte. „Wenn es zur Sache geht, bin ich dabei“, sagt auch der „FCS-Gattuso“, „eigentlich bin ich ein offener und ruhiger Junge. Aber auf dem Platz habe ich dann irgendwie eine andere Persönlichkeit.“



Während des Balkan-Krieges war Perdedaj mit seinen Eltern und sechs Geschwistern aus dem Kosovo geflüchtet. Die Familie wurde in Berlin heimisch, Fanol landete schnell in der Jugendabteilung von Hertha BSC. „Ich bin ein waschechter Berliner Ausländer“, scherzt der 1,72 Meter große Defensivspezialist, „ich denke, dass ich fußballerisch ganz gut ausgebildet bin. Ich hoffe, dass ich mit meinen Qualitäten und meiner Erfahrung der Mannschaft schnellstmöglich weiterhelfen kann.“

Er sei soweit fit, habe bei seinem Ex-Verein 1860 München mittrainiert, obwohl er seit Sommer keinen Vertrag mehr hatte. „So ist der Fußball. Ich hatte gehofft, dass was passiert. Ist es aber dann nicht. Warum? Das kann ich nicht sagen. Und wenn du dann ein halbes Jahr draußen bist, stehen die Vereine nicht gerade Schlange, egal wie du heißt, egal wo du schon gespielt hast.“

Dabei ist Perdedajs Statistik durchaus beeindruckend: Acht Bundesliga-Einsätze, 73 Spiele in der 2. Bundesliga, 17 U-Länderspiele für Deutschland, sechs A-Länderspiele für den Kosovo. „Von 1860 hat mich nur der Trainer angerufen und gefragt, ob ich zurückkommen wolle. Das Interesse von Saarbrücken war deutlich größer“, sagt der Neuzugang, „ich mag Traditionsvereine mit vielen Fans. Zu meiner Zeit beim FSV Frankfurt war das leider nicht so. Dabei springt doch der Funke erst so richtig über, wenn die Leute hinter der Mannschaft stehen. Das ist einfach geil. Außer Zeitz und Holz kenne ich noch keinen Mitspieler hier in Saarbrücken. Aber ich weiß, dass diese Mannschaft eine ganz große Qualität hat. Der Tabellenplatz kommt nicht von ungefähr.“

Das Ziel „Aufstieg“ hat der Neue schon verinnerlicht, dass er einen bis 2019 laufenden Vertrag unterzeichnet hat, ist ein Bekenntnis dazu. Ob er allerdings schon am morgigen Samstag beim Lokalderby gegen die SV Elversberg (14 Uhr, Hermann-Neuberger-Stadion Völklingen) dabei sein wird, ist eher unwahrscheinlich. „Wenn der Trainer sagt, dass ich spielen soll, bin ich bereit“, sagt der 26-Jährige dazu, „aber vielleicht macht es mehr Sinn, dass ich mich besser eingewöhne. Lieber ein Spiel weniger und dann richtig dabei sein. Und dann wird es hoffentlich von Einsatz zu Einsatz besser.“

Die Last-Minute-Verpflichtung von Perdedaj ist auch ein Verdienst von FCS-Sportdirektor Marcus Mann. „Er war schon einmal Thema, jetzt hat die Zeit für uns gespielt“, sagt Mann bescheiden. Fanol „Gattuso“ Perdedaj spielt ab sofort für den FCS, für die Konkurrenz ist das ein klare Kampfansage.