| 20:58 Uhr

Fußball-WM in Russland
Wenn es sein muss, dann eben über außen

Watutinki. Timo Werner hat gegen Schweden beide Tore vorbereitet. Der 22-Jährige genießt seine erste WM.

Stürmer werden an Toren gemessen, das weiß auch Timo Werner. Deshalb kann ihm nicht gefallen, dass bei ihm nach zwei WM-Spielen noch die Null steht. Aber deshalb gleich nervös werden? „Nee“, sagte Werner am Montag im deutschen WM-Quartier in Watutinki, „gar nicht“.


Werners Gelassenheit vor dem Gruppenfinale am Mittwoch (16 Uhr/ZDF) in Kasan gegen Südkorea hat einen guten Grund. Der mit 22 Jahren zweitjüngste Spieler im WM-Kader ist für Bundestrainer Joachim Löw längst unverzichtbar. Beim Zittersieg gegen Schweden bereitete er den Ausgleich von Marco Reus vor und holte den Freistoß heraus, den Toni Kroos zum umjubelten 2:1 nutzte. „Wenn wir Spiele gewinnen, ist es mir relativ egal, wer die Tore schießt“, sagte Werner, obwohl es „natürlich“ sein Anspruch sei, selbst zu treffen. Er genießt seine erste WM. Beim Weltturnier einzulaufen sei „ein Gefühl, das kann man für kein Geld der Welt eintauschen“.

Werner hofft, diese besonderen Momente in Russland „noch fünf Mal“ erleben zu dürfen. Notfalls schlüpft der Leipziger dafür gerne in ungewohnte Rollen – wie gegen Schweden, als er in der zweiten Halbzeit auf links für Wirbel sorgte. „Meine Lieblingsposition ist vorne drin“, sagte er zwar. Doch wenn der Gegner tief stehe, könne er seine „Waffe“ (Löw) Geschwindigkeit über außen besser zum Tragen bringen. Mit Anlauf kann er alles.



Normalerweise lauert Werner, der auf den ersten 30 Metern sogar schneller sein soll als Jahrhundertsprinter Usain Bolt, im Rücken der gegnerischen Abwehr darauf, seine Tempoläufe zu starten. Wenn es in der K.o.-Runde gegen stärkere Kontrahenten gehe, erwartet Werner „mehr Platz, um vorne reinzustürzen“ – und damit mehr Chancen für eigene Tore.

Über mangelnde Hilfe der Kollegen kann sich Werner nicht beschweren – und tut es auch nicht, im Gegenteil. Er lobt das sehr gute Zusammenspiel mit „Weltklassespieler“ Reus, mit dem er sich auch außerhalb des Platzes gut versteht. Vor allem aber schätzt er den Rat von Mario Gomez, dem ältesten Spieler. „Er ist immer der Erste, der bei mir ist, und mir Tipps gibt“, sagte er, „ich glaube nicht, dass es in vielen Mannschaften genauso ist, dass sich Konkurrenten unterstützen“. Dieser Zusammenhalt könne die DFB-Elf weit bringen.

Zuvor muss Werner aber noch ein Problemchen lösen. Nach Kroos‘ Tor sei er „vor Ermüdung und Emotion zusammengeklappt und liegen geblieben“, berichtete er. Jetzt müsse er „noch ein-, zweimal auf die Massagebank“. Dann will Werner bereit sein – auch für sein erstes WM-Tor.