| 00:00 Uhr

Wenn die Halle vor Volleyball-Lust explodiert

Holz. Die erste Damen-Mannschaft des TV Holz spielt in der 2. Bundesliga eine gute Rolle. Und dass das in Zukunft auch so sein wird, dafür legt der Verein derzeit in der Jugendarbeit die Grundlagen. Ein Trainingsbesuch. Christina John

Es dauert nur zwei Sekunden. Zwei Sekunden, in denen die Füße ein paar flinke Schritte machen, sich kräftig vom Boden abdrücken. Die Mädchen strecken sich in die Luft. Die Fingerspitzen reichen gerade so bis über das Netz - aber allemal hoch genug, um eine ganze Welle an Bällen auf der anderen Seite kraftvoll auf den Hallenboden donnern zu lassen.

Die beiden Volleyball-Felder in der Glück-Auf-Halle in Holz blühen vor Leben, jeden Tag. 61 Kinder und Jugendliche gehen zurzeit für den TV Holz ans Netz. Eine Situation, die nicht immer so positiv war. Jugendleiterin Silke Tonner erinnert sich an ihre erste Zeit beim TV Holz im Jahr 2007. "Damals hatten wir insgesamt sechs Nachwuchs-Spielerinnen", sagt sie. Hinter dem Aufschwung steckt eine Menge Aufwand. Und der wird nun gewürdigt: Der Landessportverband für das Saarland zeichnet den TV Holz heute um 17 Uhr an der Landessportschule mit dem Hermann-Neuberger-Preis für herausragende Nachwuchs- und Talentförderung aus.

"Am Anfang lief das meiste über Mund-zu-Mund-Propaganda", sagt Tonner: "Wir sind im Endeffekt mit den Kindern mitgewachsen." Mittlerweile ist das Konzept ausgereift, der Ansatz zur Talentsichtung liegt schon bei Mädchen im Grundschulalter. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass man die Kinder im frühen Alter für eine Sportart begeistern muss. Sonst sind sie weg", sagt der 3. Vorsitzende des TV Holz , Philipp Grau. Die Volleyball-Abteilung wirbt mit Flyern und Plakaten und sucht regelmäßig persönlich den Weg in die Grundschulen der Umgebung - durch seine Jugendleiter, Trainer und vor allem Absolventen des Freiwilligen Sozialen Jahrs (FSJ) im Sport, die sich seit einigen Jahren nur auf die Jugendarbeit konzentrieren. Sie begleiten die Grundschüler bis zu zwei Wochen im Sportunterricht und in Sport-AGs.

Eva Schneider hat vor vier Jahren ihr FSJ in Holz absolviert. Nach ihrem Abschluss ist sie geblieben. Seitdem trainiert sie die Kleinsten vorwiegend in Koordination und allgemeiner Ballschulung. Ohnehin setzt der TV Holz im Aufbau seiner Jugend auf bekannte Vereinsgesichter und eine große Identifikation. Nahezu alle Trainer und Übungsleiter sind oder waren als Spielerinnen im Verein tätig. "Wenn die Übungsleiter einen Zugang zu den Kindern haben, ist das der Schlüssel zum Erfolg", sagt Grau, der aber betont, dass auch die Qualifizierung der Trainer Beachtung findet. Im Jugendbereich ist Anja Steil im Lehrgang zur B-Lizenz, Nicole Surkovic macht gerade die C-Lizenz. "Insgesamt schauen wir, dass wir immer mit mindestens zwei Übungsleitern das Training besetzen, damit wir allen gerecht werden können", sagt Silke Tonner.

Doch der TV Holz versucht nicht nur dadurch, gezielt auf den Nachwuchs einzugehen. Die Kinder werden nicht zwangsläufig nach ihrem Alter, sondern ihrem Talent gefördert. "Wir legen Wert auf ein durchlässiges System", sagt Tonner: "Wenn Kinder einen gewissen Leistungsstand haben, trainieren sie auch mit einer älteren Gruppe." Dieses System lässt sich gut realisieren - auch dadurch, dass sich die Trainingszeiten der verschiedenen Altersgruppen oft überschneiden. Während die Fortgeschrittenen der jüngsten Klasse U12 in der Holzer Schulturnhalle trainieren, geht wenige Meter weiter unten in der Glück-Auf-Halle die U16 ans Netz. Nur kurz darauf betritt die erste Damen-Mannschaft, die in der 2. Bundesliga spielt, die Halle. "Wenn die Kleinen sehen, was die Älteren alles können, bringt das zusätzliche Motivation", findet Tonner.

Um der Jugend auf im finanziellen Aspekt genauso gerecht zu werden wie der Damen-Mannschaft, hat der Verein im vergangenen Jahr den "Club500" ins Leben gerufen - einen Pool für Sponsorengelder, der ausschließlich für den Nachwuchsbereich gedacht ist. "Es soll sichtbar sein, dass unser Geld auch gezielt die Jugend fördert", sagt Grau: "Die Ausgaben sind auch im Jugendbereich nicht unerheblich."

Vor allen Dingen bei dieser großen Anzahl an Nachwuchsspielerinnen. Der Anteil von Kindern und Jugendlichen in der Volleyball-Abteilung betrug 2009 noch 18 Prozent. Mittlerweile sind es 60 Prozent. Sieben Jugendspielerinnen gehören aktuell dem Kader des Saarländischen Volleyball-Verbandes an. Neben den vier Damen-Mannschaften, die teilweise ebenfalls mit dem Nachwuchs besetzt sind, stellt der Verein nun neun Jugend-Teams.

Doch Verbesserungsbedarf gibt es immer. Noch in diesem Jahr will der TV Holz eine Stelle als Nachwuchskoordinator einrichten. Dieser soll das Förderkonzept ausbauen, die Weiterbildung der Jugendtrainer steuern und auch Anlaufstelle im Bereich der Talentsichtung in den Schulen sein. "Für diese Position brauchen wir jemanden, der auch im Leistungsbereich einen Überblick hat", sagt Silke Tonner: "Immerhin geht es auch bei der Jugend um eine leistungsorientierte Ausbildung." Hochklassiger Volleyball, das ist das Ziel vieler Jugendlicher in der Halle. Der Weg bis nach oben ist noch weit. Aber es ist ein Weg, auf dem der TV Holz seinen Nachwuchs nun optimal begleiten kann.


Den gleichen Weg wie die Großen gehen

Während die Jugendlichen in der Halle am toben sind, steht Michelle Grandinetti ruhig am Rand. Ihre Augen verfolgen das wilde Treiben. Etwa 16 Jahre ist es her, dass die nun 22-Jährige selbst als kleines Mädchen ihre ersten Bälle über das Netz gebracht hat. Mittlerweile spielt sie als Libero für den TV Holz in der 2. Volleyball-Bundesliga. Sie erinnert sich gerne an ihren Weg an die Spitze. Er war der Weg, den der Nachwuchs heute geht. So ähnlich und doch so verschieden.

"Als ich angefangen habe, haben wir gerade so eine Jugendmannschaft zusammengekriegt", erzählt Grandinetti. "Das, was hier passiert ist, ist eine wahnsinnige Entwicklung." Und an diesem Aufwärtstrend hat sich auch Grandinetti beteiligt, obwohl ihr Wochenplan schon ohne ihr Engagement im Jugendbereich fast überläuft. Neben ihrem eigenen Training bei den Aktiven geht sie in Landau ihrem Grundschul-Lehramts-Studium nach, pendelt im siebten Semester regelmäßig von ihrem Heimatort Holz in die Pfalz. Bis vor einem Jahr hat sie sich dennoch als Nachwuchstrainerin für die jüngsten Kinder in der U12 eingebracht. "Es hat mir einfach Spaß gemacht", sagt Grandinetti: "Ich bringe mich gerne ein. Immerhin habe ich selbst mal so angefangen."

Dort, wo sie mittlerweile spielt, wollen auch viele der Jugendlichen hin. Die beiden 13-jährigen Gina Lehnen und Lena Reckstadt erleben das Nachwuchskonzept des TV Holz gerade hautnah. Vor drei Jahren haben die beiden Freundinnen aus Riegelsberg erstmals am Training teilgenommen - jetzt kriegen sie kaum genug davon. "Ich habe mir bei unterschiedlichen Vereinen das Training angeschaut", erzählt Lena Reckstadt: "Aber hier macht es richtig Spaß. Wir werden total viel gefördert." Trotz ihres jungen Alters sind die beiden in dieser Saison für die dritte Mannschaft in der U18 aufgelaufen. "Hier können wir manchmal sogar mit der zweiten Mannschaft mittrainieren- als Zusatz, wenn wir Lust haben", sagt Reckstadt. Und Lust haben die beiden eigentlich immer. Auf dem Geschwister-Scholl-Gymnasium in Lebach spielen sie im Team der Wettkampfklasse III, seit November 2013 sind sie im saarländischen Landeskader. Ihr Ziel ist klar: "Ich will es mal in die erste Mannschaft schaffen", sagt Gina Lehnen.

So, wie es Michelle Grandinetti geschafft hat. Sobald es ihr Studium wieder zulässt, will sie sich wieder als Übungsleiterin in der Nachwuchsarbeit des TV Holz einbringen, ihre Erfahrung an die jungen Spielerinnen weitergeben, wie sie sagt: "Der Verein und die Jugend liegen mir einfach am Herzen."



Zum Thema:

Der Hermann-Neuberger-Preis wird jährlich vom Landessportverband für das Saarland (LSVS), der Arag-Sportversicherung und den Himmelseher Versicherungen Weltweit an Vereine mit erfolgreicher leistungsorientierter Jugendarbeit vergeben. Die Preisverleihung findet heute um 17 Uhr an der Saarbrücker Hermann-Neuberger-Sportschule statt. Laudator ist Uwe Seeler , Ehrenspielführer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.Neben dem Haupt-Preisträger, der Volleyball-Abteilung des TV Holz , die 7500 Euro erhält, werden fünf weitere Vereine ausgezeichnet: Der Hermann-Neuberger-Preis für soziales Engagement und Integration, und ein damit verbundenes Preisgeld von 5000 Euro, geht an den Saarbrücker Fitness- und Boxclub (SFBC 09). Hermann-Neuberger-Plaketten gehen an die Jugendabteilung des 1. BC Bischmisheim (Badminton, 5000 Euro) und die SV Elversberg (Fußball, 4000 Euro). Hermann-Neuberger-Medaillen und somit jeweils 3000 Euro erhalten die Handballer des HSV Püttlingen und die Basketballer der TV St. Ingbert Saints. cjo