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Wenn die Enttäuschung tief sitztDeutsche Ringer verpassen Minimalziel

Wenn die Enttäuschung tief sitztDeutsche Ringer verpassen Minimalziel

Dortmund. Sechs Tage lang war die Dortmunder Westfalenhalle fest in der Hand der Ringer. Sechs Tage, an denen die Stimmung auf den Rängen oft mittelmäßig und nur selten gut war. Aber als Jan Fischer am Samstagabend unter dem Beifall von mehr als 3000 Fans die Halle betrat, kochte die Stimmung über. Die Chance auf Gold bei der EM hatte er im Halbfinale gegen den Russen Alan Khugaev vergeben

Dortmund. Sechs Tage lang war die Dortmunder Westfalenhalle fest in der Hand der Ringer. Sechs Tage, an denen die Stimmung auf den Rängen oft mittelmäßig und nur selten gut war. Aber als Jan Fischer am Samstagabend unter dem Beifall von mehr als 3000 Fans die Halle betrat, kochte die Stimmung über. Die Chance auf Gold bei der EM hatte er im Halbfinale gegen den Russen Alan Khugaev vergeben. Aber jetzt stand Fischer im kleinen Finale der 84-Kilo-Greco-Ringer und wollte Bronze holen.Am Ende unterlag er allerdings Artur Shahinyan aus Armenien mit 0:2 in einem Duell, das Fischer hätte gewinnen können. 1:0 führte er in der ersten Runde, gab diese Führung aber wieder aus der Hand und verlor 1:3. Die Vorentscheidung, wie Bundestrainer Maik Bullmann später erklärte. "Es ist nicht schlimm, dass man verliert. Entscheidend ist, wie man verliert. Jan wirkte in Runde eins verschlafen", sagte Bullmann. "Wenn man im Kampf um eine Medaille nicht voll konzentriert ist, wann dann? Jan hat ein gutes Turnier gezeigt, aber am Ende steht leider Rang fünf. Das ist ärgerlich und hätte nicht sein müssen", betonte der Bundestrainer.

Viel war im Vorfeld über die Form des 24-Jährigen spekuliert worden. Nach einem mäßigen dritten Platz bei der DM hatte Bullmann ihm dennoch das Vertrauen geschenkt und Fischer unter der Woche sogar "Weltklasse-Niveau" bescheinigt. Diesen Vorschusslorbeeren wurde der EM-Bronze-Gewinner von 2010 über weite Strecken gerecht. In seinen drei Kämpfen der Vorrunde wirkte Fischer entschlossen und überlegt. Immer wieder pushte er sich selbst - als Einmarschmusik hatte er "Master Of Puppets" von Metallica gewählt -, und die Westfalenhalle stand geschlossen hinter ihm.

Im ersten Kampf konnte er mit Saman Tahmasebi (Aserbaidschan) einen Gegner besiegen, den sein Mannschaftskollege vom KSV Köllerbach, Jimmy Lidberg, als "real tough guy" (echt harter Kerl) bezeichnete. Dem Griechen Theodoros Tounousidis und dem Weißrussen Alim Selimov, Weltmeister von 2005, ließ Fischer ebenfalls keine Chance. Die Halbfinalniederlage gegen Khugaev war hinnehmbar, aber die Enttäuschung über den verpassten Platz auf dem Podest saß auch am Sonntag noch tief.

"Gegenüber der DM habe ich mich um 200 Prozent gesteigert, aber der letzte Eindruck bleibt, und das ist leider Platz fünf", sagte Fischer, der seinen Blick aber nach vorne richtet: "Ich bin ins Halbfinale gekommen, ohne meine eigentlichen Stärken wie Bodenkampf und Bodenabwehr voll auszuschöpfen. Dafür konnte ich im Standkampf punkten. Wenn ich künftig beides kombinieren kann, ist noch viel möglich." Dortmund. Die Heim-EM in Dortmund war für die deutschen Ringer wie ein Hoffnungsschimmer am Horizont. Der von Alexander Leipold und Maik Bullmann als Chefs im Männerbereich eingeschlagene Weg brachte erste Früchte. Gerade die Jungen nahmen ihr Herz in die Hand. "Wir haben tolle Kämpfe gesehen. Die gezeigten Leistungen in der Breite können sich im Hinblick auf die WM und die Olympia-Qualifikation sehen lassen. Dennoch sind nicht alle Rechnungen aufgegangen", bilanzierte Manfred Werner, Präsident des Deutschen Ringer-Bundes angesichts des vorher ausgegebenen Minimalziels von jeweils einer Medaille pro Stilart.

Vor allem der 21-jährige Saba Bolaghi zeigte sein Löwenherz im freien Stil. Trotz angebrochener Rippe gewann er im Limit bis 66 Kilogramm Bronze bei seinem EM-Debüt. "Das war kein Sieg, das war eine Gala", lobte Freistil-Bundestrainer Leipold. Die Leidenschaft für den Mattenkampf hat Bolaghi von seinem Vater, einem ehemaligen iranischen Ringer.

Mit Nick Matuhin (120 Kilo) und Marcel Ewald (60 Kilo) verpassten zwei Bronze nur knapp. Dagegen enttäuschten David Bichinashvili (84 Kilo) und Köllerbachs Andriy Shyyka (74 Kilo), die gleich in Runde eins scheiterten. dpa