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Olympische Winterspiele in Südkorea
Wenn der Sport Brücken baut

Mit einer bunten Bühnenshow und einem Feuerwerk über dem Olympiastadion endete gestern die gut zweistündige Schlussfeier der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang.
Mit einer bunten Bühnenshow und einem Feuerwerk über dem Olympiastadion endete gestern die gut zweistündige Schlussfeier der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang. FOTO: dpa / Hendrik Schmidt
Pyeongchang. Mit einer gewaltigen Schlussfeier endeten die Olympischen Winterspiele. Grundsolide, aber selten faszinierend – so lautet das Fazit.

Schrill, bunt, laut – und mit Symbolen des Friedens: Die Winterspiele in Pyeongchang sind seit Sonntag um 21.40 Uhr Ortszeit Geschichte und sollen der unruhigen Region entspanntere Zeiten geben. Das ist jedenfalls die Hoffnung von IOC-Chef Thomas Bach. „Athleten aus Süd- und Nordkorea, ihr habt mit eurem gemeinsamen Einmarsch euren Glauben an eine friedliche Zukunft geteilt. Ihr habt gezeigt, wie der Sport Brücken bauen kann“, rief der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees in seiner Rede zum Ende des 17-tägigen Spektakels.


Es war einer der emotionalsten Momente der zweistündigen Schlussfeier. Nordkoreas Eiskunstläuferin Ryom Tae Ok, Südkoreas Skeleton-Sieger Yun Sungbin, Tonga-Mann Pita Taufatofua und Sportler aus Ländern der kommenden vier Olympischen Spiele, darunter US-Skistar Lindsey Vonn und Frankreichs Biathlon-König Martin Fourcade, hatte Bach auf der Bühne um sich geschart. Anschließend erlosch um 21.53 Uhr das Olympische Feuer. Nur Russlands Fahne fehlte nach zwei Dopingfällen weiter, die Sanktionen waren auch für die Schlussfeier ausgedehnt worden.

Bach sprach nach einer für Südkorea typischen bunten Lichterschau und Popklängen zwar nicht von den besten Winterspielen der Geschichte, über Komplimente durften sich Staatspräsident Moon Jae In und OK-Chef Lee Hee Beom trotzdem freuen. Es seien „Spiele der neuen Horizonte“ gewesen, eine Hommage an die Vergangenheit und ein Akt des Glaubens an die Zukunft. Die Zukunft auf der koreanischen Halbinsel wird wohl weniger durch den Sport, als eher durch die Politik bestimmt. Dass US-Präsidententochter Ivanka Trump auf der Ehrentribüne in unmittelbarer Nähe zum berüchtigten General Kim Yong Chol aus Nordkorea saß, mag mehr als eine protokollarische Fußnote gewesen sein. Die Spannungen über Nordkoreas Atomwaffen- und Raketenprogramm hatten bis Anfang des Jahres die Winterspiele überlagert.



OK-Chef Beom hielt zufrieden fest: „Der gemeinsame Auftritt der koreanischen Mannschaft hat aufgezeigt, dass wir ein Volk sind. Der Samen des Friedens, der in Pyeongchang gesät wurde, wird zu einem prächtigen Baum heranwachsen.“ Als Meister der Organisation hatte sich sein Land präsentiert. Gegen große Kälte und den heftigen Wind zu Beginn der Spiele hatten die Gastgeber aber kein Mittel. Olympische Hochstimmung vermochten die Gastgeber bei aller Freundlichkeit selten herbeizaubern.

Die deutsche Fahne schwenkte Christian Ehrhoff, wenngleich dem Eishockey-Star der dramatische K.o. beim olympischen Finale gegen die Russen noch in den Gliedern steckte. Auch wenn die bittere Niederlage den Sprung auf Platz eins des Medaillenspiegels verhinderte, verlässt das deutsche Team Südkorea mit vielen lachenden Gesichtern. 14 Mal Gold waren es, so viel wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Mit insgesamt 31 Medaillen wurde die Sotschi-Ausbeute (19) deutlich übertroffen.

Eingestimmt wurden die Zuschauer vor dem Einzug der Mannschaften mit einer Mischung aus Klängen eines traditionellen Saiteninstruments und E-Gitarrenmusik. Stark umjubelt und untermalt von koreanischer Musik zogen die koreanischen Sportler ein – die Nordkoreaner vorneweg. Die Schluss-Show war ein bunter Strauß aus Musik, Tanz, Lichterschau und Feuerwerk. Nach der Medaillenvergabe zeigten Tänzer unter dem Titel „Achse einer neuen Zeit“ eine moderne Choreografie, die den freien Willen des Menschen und die Geburt einer neuen Zeit symbolisieren sollte.

„Annyeong Pyeongchang – Ni Hao, Peking!“, hieß es schließlich. Mit einer achtminütigen Einlage präsentierte sich Chinas Hauptstadt. Peking wird 2022 Gastgeber sein und damit erstmals nach den Sommerspielen auch Winterspiele austragen. Und klar ist jetzt schon: Es wird sehr teuer. Genau das, was das IOC eigentlich nicht mehr will. Allein der Hochgeschwindigkeitszug, der Peking mit der Wintersport­region verbindet, soll zehn Milliarden Euro kosten.

Das deutsche Team zog prächtig gelaunt zur Schlussfeier ein. Die deutsche Bilanz in Südkorea fiel bärenstark aus.
Das deutsche Team zog prächtig gelaunt zur Schlussfeier ein. Die deutsche Bilanz in Südkorea fiel bärenstark aus. FOTO: dpa / Michael Kappeler
Chen Jining, Bürgermeister des nächsten Ausrichters Peking, schwenkt neben Thomas Bach die Olympische Flagge.
Chen Jining, Bürgermeister des nächsten Ausrichters Peking, schwenkt neben Thomas Bach die Olympische Flagge. FOTO: dpa / Michael Kappeler