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Wenn der (Plüsch-)Hahn kräht

Wenn der (Plüsch-)Hahn kräht

Troisdorf. "Es war mir früher immer wichtig, dass mich mein Mann während des Lauftrainings", will Susanne Hahn anfangen zu erzählen, als sie plötzlich unterbrochen wird - vom Krähen eines Hahns. Eines großen, plüschigen Spielzeughahns, der diese typischen Laute abspielt, wenn er vom Boden hochgehoben wird

Troisdorf. "Es war mir früher immer wichtig, dass mich mein Mann während des Lauftrainings", will Susanne Hahn anfangen zu erzählen, als sie plötzlich unterbrochen wird - vom Krähen eines Hahns. Eines großen, plüschigen Spielzeughahns, der diese typischen Laute abspielt, wenn er vom Boden hochgehoben wird. Ein kleiner Junge hält ihn fest in der Hand, schaut Susanne Hahn an und lacht. Die 33-Jährige muss ebenfalls lächeln, während ihr 14 Monate alter Sohn Michael das krähende Spielzeug wieder absetzt. "Der Hahn war ein Geschenk einer Freundin", erklärt sie, "vor zwei Tagen hat Michael gelernt, wie er funktioniert".

Das Leben hat sich verändert

Im Leben der Marathonläuferin des SV Saar 05 Saarbrücken hat sich viel verändert, seit der Nachwuchs die Familie bereichert. Sei es das frühere Aufstehen, der leichtere Schlaf in der Nacht oder das Anpassen der Trainingszeiten an die Bedürfnisse des Kleinen. Auch der eigentliche Trainingsablauf mit Ehemann Frank hat sich geändert, wie Susanne Hahn ihren angefangenen Satz fortführt: "Es war mir wichtig, dass er mich während des Trainings immer begleitet. Er kann mich von außen besser einschätzen, als ich das kann. Er sieht mehr von meinem Laufstil und merkt, wann ich am Limit bin. Wenn ich während der Pollenzeit anfange zu hyperventilieren, merke ich das während des Laufens oft gar nicht."

Mittlerweile absolviert Susanne Hahn, die mit Ehemann Frank und Sohn im familiären Troisdorf bei Bonn lebt, viele Einheiten allein. Hin und wieder setzt Frank Hahn, der bei der Bundeswehr als Ingenieur teilzeitbeschäftigt ist, seinen Sohn wettergerecht eingepackt auf das Fahrrad und nimmt ihn mit zum Training. "Das haben wir zum ersten Mal im Trainingslager im September in Texel ausprobiert", erzählt Susanne Hahn - und es funktionierte hervorragend. "Oft schläft er irgendwann ein", sagt sie, während Sohn Michael ihr eine Lego-Duplo-Blume gibt, "und wenn er sich mal beschwert, dann macht mein Mann mit ihm zwischendurch ein Picknick, während ich weiterlaufe". Sogar auf Wettkämpfen über kürzere Distanzen war Michael dabei, wie beim Halbmarathon im April in Griesheim, als Mama Susanne deutsche Vize-Meisterin in 1:14:23 Stunden und mit Saar 05 Mannschafts-Meisterin wurde.

An diesem Wochenende wird ihr Sohn aber zu Hause bleiben, bei Freunden der Familie. Denn ein Marathon über 42,195 Kilometer ist zu viel für ihn. Am Sonntag um 10 Uhr geht Susanne Hahn, begleitet von Frank Hahn, beim Frankfurt-Marathon an den Start - eine doppelte Premiere: Es wird ihr erster Marathon in dieser Stadt und ihr erster im Herbst sein. "Bisher liefen die Qualifikationen für die Saisonhöhepunkte immer im Frühjahr. Und ich habe mich nie so weit gefühlt, nach den großen Meisterschaften noch einen dritten Marathon im Herbst zu laufen. Normal läuft man auch nur zwei pro Jahr", erzählt die Leistungssport-Mutter, als kurz der Plüsch-Hahn wieder kräht. Dann führt sie fort: "Ich hoffe, dass mir das Herbstwetter mehr zusagt, als der Sommer mit Hitze und den Pollen."

Der erste Marathon im Herbst

Schließlich will sich Susanne Hahn jetzt für die Olympischen Spiele 2012 in London qualifizieren - mit einer Zeit unter 2:30:00 Stunden, die vom Deutschen Leichtathletik-Verband gefordert ist. Machbar, wie Hahn findet. Auch, wenn ihre Bestzeit mit 2:29:26 Stunden (2009) knapp darunter liegt. "Die Zeit entsprach nicht meinem damaligen Leistungsniveau. Unter besseren Bedingungen hätte ich schneller laufen können", findet sie.

Doch selbst wenn sie am Sonntag die Normzeit nicht erfüllt, stehen im Frühjahr einige Marathons für einen zweiten Versuch zur Auswahl. "Aber ich wäre froh, es würde jetzt klappen. Dann hätte ich eine gezieltere Vorbereitung. Die wäre sonst arg kurz, wenn ich Mitte Mai den Marathon laufen würde und Anfang August schon der Olympia-Wettkampf wäre", sagt Susanne Hahn.

Sollte sie es nach London schaffen, würde sie Sohn Michael wahrscheinlich begleiten. "London ist ja sehr nah. Da kann man schon schauen, ob sich das machen lässt. Bis dahin ist er ja auch keine 14 Monate mehr, sondern mit zwei Jahren etwas älter", sagt die Athletin, während sich Sohn Michael weiterhin munter mit dem Plüsch-Hahn beschäftigt.