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Major League Baseball
Wenn der heiße Ofen kalt bleibt

Giancarlo Stanton, hier noch im Trikot der Miami Marlins, war in der vergangenen Saison der beste Spieler der Major League Baseball. Jetzt soll er die New York Yankees zu ihrem 28. Titel führen.
Giancarlo Stanton, hier noch im Trikot der Miami Marlins, war in der vergangenen Saison der beste Spieler der Major League Baseball. Jetzt soll er die New York Yankees zu ihrem 28. Titel führen. FOTO: imago/ZUMA Press / Bryan Cereijo
Los Angeles. Am Donnerstag beginnt in den USA die neue Baseball-Saison. Als großer Favorit gelten die New York Yankees.

(sid) Der Mann, über den sie am „heißen Ofen“ mit am häufigsten geredet haben in diesem Winter, heißt Shohei Ohtani. Er kommt aus Japan, ist 23 Jahre alt, und einen wie ihn haben sie in der Major League Baseball seit etwa einem Jahrhundert nicht gesehen. Genau genommen seit dem legendären, deutschstämmigen George Herman „Babe“ Ruth, dem bedeutendsten Spieler dieser uramerikanischen Sportart.


Ohtani kann als Werfer (Pitcher) und Schlagmann eingesetzt werden. Er ist zwei Spieler in einem, eine Art eierlegende Wollmilchsau. Wenn er nicht wirft, was normalerweise alle fünf, sechs Tage vorkommt, spielt er im Feld. Beide Rollen hat er bei den Hokkaido Nippon-Ham Fighters aus der Olympiastadt Sapporo so gut ausgefüllt, dass sie ihn „Japan‘s Babe Ruth“ getauft haben. Nun also spielt er in Nordamerika. Für die Los Angeles Angels.

Es gibt keinen der 30 Clubs, der Ohtani nicht haben wollte. Das Gesamtpaket war zu verlockend und der Preis eher gering. An die Nippon-Ham Fighters mussten aufgrund der internationalen Regeln für Transfers 20 Millionen US-Dollar Ablöse bezahlt werden – Ohtani selbst wird gemäß der Abmachungen nur knapp 2,4 Millionen Dollar pro Jahr verdienen. Ein Schnäppchen. Zu den eher mittelklassigen Angels ging Ohtani, weil er seinem Bauchgefühl folgen wollte.

Ansonsten war es am „hot stove“ ziemlich kalt. „Hot stove“ ist eine Bezeichnung für den Transfermarkt. Um diesen „heißen Ofen“ versammeln sie sich im Winter, wenn nicht gespielt wird. Diesmal war es eine bizarre Jahreszeit. Es gab kaum lukrative Wechsel. Die Preise gingen in den Keller. Für den Pitcher Jake Arrieta (32) etwa verlangte dessen Agent Scott Boras einen Vertrag mit einem Volumen von deutlich mehr als 200 Millionen US-Dollar für sechs bis sieben Jahre. Nach einer nervenzehrenden Warterei ging er zu den Philadelphia Phillies – 75 Millionen für drei Jahre. Zahlreiche Spieler, fassungslos ob der mangelnden Zahlungsbereitschaft der Clubs, retteten sich in weniger ertragreiche Ein- oder Zweijahresverträge.

Ein Grund für die Zurückhaltung der Clubs: Die „Luxussteuer“. Wer die von der MLB vorgegebene Gehaltsobergrenze eines Jahres (197 Millionen US-Dollar in 2018) überschreitet, der wird zur Kasse gebeten – mit bis zu 50 Prozent der Zusatzausgaben. Die New York Yankees, Rekordmeister und Krösus, zahlten für die Jahre 2003 bis 2017 319 Millionen US-Dollar Strafe, die Los Angeles Dodgers von 2013 bis 2017 149 Millionen. Wohlgemerkt: zusätzlich. Wer ein Jahr „sauber“ bleibt, wird im Strafmaß zurückgestuft. Viele Clubs sparen bereits für den kommenden „hot stove“. Dann werden Stars wie der Pitcher Clayton Kershaw (Los Angeles Dodgers) oder die schlaggewaltigen Bryce Harper (Washington Nationals) und Manny Machado (Baltimore Orioles) auf dem Markt sein.



Den dicksten Vertrag hat derzeit Giancarlo Stanton, der wertvollste Spieler („MVP“) der vergangenen Saison. Bis 2028 stehen ihm jährlich im Schnitt noch 25 Millionen US-Dollar zu, weshalb ihn die Miami Marlins loswerden wollten. Er ging zu den New York Yankees. Die brachten es durch einige Vertragsauflösungen und Umschichtungen fertig, trotz Stantons üppigem Gehalt unter der Club-Obergrenze zu bleiben. Schon vor dem ersten Spieltag am Donnerstag verbreiten die Yankees, die ihren 28. Titel wollen, nun Angst und Schrecken: Stanton spielt schließlich zusammen mit Aaron Judge und Gary Sanchez. Die drei werden die „Murderers‘ Row 2.0“ genannt in Anlehnung an jene Yankees, die im Jahr 1927 alles kurz und klein schlugen. Ein Mitglied dieser „Murderers‘ Row“, na klar: „Babe“ Ruth.